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DJE AG-Analyse: Diese Sektoren überstehen Baissen am besten

Ein Analyst der DJE AG in Pullach im Isartal hat herausgearbeitet, welche Sektoren in einem Bärenmarkt relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt aufweisen. Dabei kommt Kilian Stemberger auch zu einigen überraschenden und lukrativen Erkenntnissen, die wohl nicht jeder Investor weiß.

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Kilian Stemberger, Mitarbeiter Research & Portfoliomanagement sowie Analyst für quantitative Portfoliokonzepte und Datenanalyse bei der DJE Kapital AG
© DJE AG

Investoren, die aus regulatorischen Gründen den Aktienmarkt nicht verlassen dürfen oder denen ein Hedging zu teuer ist, könnte interessieren, welche defensive Sektoren in schwachen Börsen- und Konjunkturphasen einigermaßen „Deckung“ vor Kursverlusten bieten bzw. sich zumindest besser als der Gesamtmarkt entwickeln. So sollen sich laut Einschätzung der meisten Marktteilnehmer in Bärenmärkten defensive Sektoren wie Nahrungsmittel & Getränke, Haushaltsgüter, Versorger und Gesundheit besser entwickeln als beispielsweise die Automobilbranche, Rohstoffe und Banken.

Aber ob das wirklich immer für alle großen Aktienmärkte der Welt grundsätzlich stimmt? Und können geschickte Investoren bei ihren Branchenwetten durch die Wahl des „richtigen“ Aktienmarkts zusätzliches Alpha generieren?

Moderne Analysemethoden geben gute Antworten
Kilian Stemberger, Mitarbeiter Research & Portfoliomanagement sowie Analyst für quantitative Portfoliokonzepte und Datenanalyse bei der DJE Kapital AG, hat sich die historische Entwicklung defensiver Sektoren bei Konjunkturabschwüngen näher angesehen. „Zusammenhänge zwischen Konjunktur und relativer Sektorperformance lassen sich mit modernen Methoden analysieren. So erhält man jederzeit Aufschluss über eine adäquate Sektorallokation in konjunkturellen Schwächephasen“, erklärt Stemberger, um anzufügen: „Mithilfe eines linearen Regressionsmodells im deutschen, amerikanischen und japanischen Markt haben wir untersucht, ob sich die einleitende Argumentation mit Blick auf die genannten Sektoren Nahrungsmittel & Getränke, Haushaltsgüter, Versorger und Gesundheit auch in den von uns getesteten Daten seit 1998 widerspiegelt.“

Die Auswertung der DJE AG zeigt, dass sich die deutlichsten, negativen Zusammenhänge zwischen Konjunktur und relativer Sektorperformance bei den Sektoren Nahrungsmittel & Getränke, Versorger und Gesundheit erkennen lassen. Relativ zu ihrem Heimatmarkt hat sich also die Entwicklung der genannten Branchen in der Vergangenheit umgekehrt zur Veränderung der Konjunkturindikatoren verhalten. Das heißt, laut dem Regressionsmodell konnte mit diesen Branchen in Bullenmärkten keine Überrendite erzielt werden, in Schwächephasen jedoch schon.

Spürbare Performance-Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern
Während der Konjunkturindikator für diese drei Sektoren in Deutschland nur zwischen neun und 16 Prozent der Entwicklung erklärt, liegen diese Werte in den USA bei über 21 Prozent und in Japan bei über 30 Prozent deutlich höher. Folglich hat laut Stemberger die Veränderung des Konjunkturindikators Einfluss auf die Sektorentwicklung. Zu guter Letzt sei bei japanischen Versicherern sowie Öl- & Gas-Unternehmen ein negativer Zusammenhang erkennbar. „Entgegen der anfänglichen Erwartungen, kann der Haushaltsgütersektor, ausgenommen im US-Markt, nicht pauschal für alle Regionen als defensive Branche ausgemacht werden. Denn in Europa und Japan ist hier überhaupt kein Zusammenhang erkennbar“, streicht Stemberger hervor.

Welche Sektoren haussieren stark in Bullenmärkten?
Den auch aus statistischer Sicht defensiven Sektoren stehen die zyklischen Branchen gegenüber, deren relative Entwicklung einen positiven Zusammenhang zum jeweiligen Konjunkturindikator aufweist. In der Vergangenheit ließ sich mit diesen Branchen besonders in wirtschaftlichen Erholungs- und Aufschwungsphasen eine Überrendite erzielen, während man in Schwächephasen darauf besser verzichtete.

Allerdings gibt es hier aus Datensicht nur regionen-spezifische Erkenntnisse. In Deutschland sind die zyklischen Werte im Automobil-, Banken-, Medien- und Industriesektor zu finden. Letztere weisen sogar einen Erklärungsgehalt von nahezu 35 Prozent auf. Vergleichbar sind im US-Markt Automobilunternehmen, sowie jene aus der Reisebranche. In Japan sind es Technologieunternehmen und Finanzdienstleister, die zu den zyklischen Branchen gezählt werden können. Für den Rohstoffsektor könne laut Stemberger aus Datensicht keine klare Erkenntnis gezogen werden.

Chemie ist interessanterweise kein typischer Zykliker
Des Weiteren gibt es zahlreiche Sektoren wie etwa Telekommunikation oder Chemie, die aus statistischer Sicht keinen Zusammenhang zwischen Konjunktur und relativer Sektorperformance erkennen lassen. Somit können diese weder als defensive noch als zyklische Sektoren betrachtet werden. Aus dem unwesentlichen Erklärungsgehalt, den die Veränderung der Konjunkturindikatoren für die Entwicklung dieser Sektoren liefert, lässt sich laut Stemberger aber ableiten, dass sich diese Branchen nicht zwingend schlechter entwickeln als der Gesamtmarkt. Auf Gesamtmarktebene machen die hier identifizierten defensiven Sektoren in den USA knapp ein Fünftel und in Japan und Deutschland 17 Prozent aus.

So positioniert sich derzeit das DJE Strategie-Team
Das DJE Strategie-Team rät gestützt von der beschriebenen Datenanalyse derzeit aufgrund der Reife des aktuellen Konjunkturzyklus und einiger schwacher Konjunkturindikatoren zu einer defensiveren Sektorallokation mit einer Übergewichtung der Sektoren Nahrungsmittel & Getränke und Gesundheit. In Verbindung mit einer negativen Einschätzung von Banken- und Industriewerten sollten starke Übergewichtungen in deutschen Aktien reduziert und US-Engagements angestrebt werden. Deutsche Banken und Industriewerte weisen ohnehin einen stark positiven Zusammenhang zur Konjunktur auf. Außerdem ist der amerikanische Markt der mit dem höchsten Anteil an defensiven Sektoren, die entsprechend in Schwächephasen übergewichtet werden sollten. Japan ähnelt in der Zyklizität Deutschland, die Unternehmen sind allerdings geringer verschuldet, was deren Aktien attraktiver erscheinen lassen könnte. (aa)

 

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