Diversifikation neu gedacht: Overlay statt Umschichtung
Statt klassische Mischportfolios umzuschichten, setzt First Private auf Overlay-Strategien. Zusätzliche Ertragsquellen wie Trendfolge oder Merger Arbitrage sollen die Diversifikation verbessern, ohne die langfristigen Renditechancen des Kernportfolios zu schmälern.

Eckpunkte:
- Alternative Strategien sollen klassische Portfolios ergänzen
- Trendfolge und Merger Arbitrage im Fokus
- Overlay-Ansatz soll Opportunitätskosten vermeiden
Klassische Mischportfolios stoßen nach Einschätzung von First Private Investment Management in einem Umfeld höherer Inflation, geopolitischer Unsicherheit und steigender Staatsverschuldung zunehmend an ihre Grenzen. Statt die Diversifikation allein über Aktien und Anleihen zu organisieren, sollten Investoren ihre Portfolios künftig um zusätzliche, möglichst unkorrelierte Ertragsquellen ergänzen, schreibt Martin Brückner, CIO des Frankfurter Asset Managers, in einem Marktkommentar.
Diversifikation breiter aufstellen
Im Mittelpunkt steht dabei ein Multi-Strategy-Ansatz. Nach Ansicht Brückners sollten institutionelle Investoren neben Aktien und Anleihen verstärkt Strategien berücksichtigen, deren Erträge weitgehend unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung entstehen.
Zu den aussichtsreichsten Bausteinen zählt er Cross-Asset-Trendfolgestrategien. Diese nutzen systematisch Trends an Aktien-, Zins-, Währungs- und Rohstoffmärkten und können sowohl von steigenden als auch von fallenden Märkten profitieren. Dadurch entstehe eine zusätzliche Renditequelle, die nicht von der Richtung der traditionellen Kapitalmärkte abhänge.
Auch ereignisorientierte Strategien wie Merger Arbitrage hätten sich in jüngeren geopolitisch geprägten Marktphasen als vergleichsweise robust erwiesen. Da ihre Erträge überwiegend aus Fusionen, Übernahmen oder Restrukturierungen resultierten, seien sie deutlich weniger von allgemeinen Börsenschwankungen abhängig als klassische Aktien- oder Rentenportfolios.
"Die Konsequenz für Investoren liegt auf der Hand: Künftig werden ausgewogene Portfolios weniger aus der klassischen Kombination von Aktien und Anleihen bestehen", so Brückner.
Renditechancen beibehalten
Klassische Multi-Asset-Portfolios stünden dabei allerdings vor einem Zielkonflikt. Wer alternative Strategien beimischen wolle, müsse häufig Aktien- oder Anleihequoten reduzieren und verzichte damit unter Umständen auf langfristige Renditechancen.
Als Lösung empfiehlt First Private eine Overlay-Struktur. Dabei werden marktneutrale Strategien, Long-Short-Konzepte oder Merger-Arbitrage-Positionen zusätzlich implementiert, ohne das strategische Kernportfolio wesentlich zu verändern. Nach Einschätzung des Asset Managers lassen sich so neue Diversifikationsquellen erschließen, ohne Opportunitätskosten durch Umschichtungen in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig könne ein solcher Ansatz kosteneffizient umgesetzt werden.
Brückner begründet die Empfehlung für eine breitere Portfoliokonstruktion mit veränderten Marktstrukturen. Zwar hätten sich die Kapitalmärkte zuletzt trotz geopolitischer Krisen und Inflationssorgen robust gezeigt. Gleichzeitig habe sich jedoch erwiesen, dass Staatsanleihen ihre traditionelle Rolle als sicherer Hafen nicht mehr in jeder Marktphase erfüllten. "Wenn der größte Anleihenmarkt der Welt seinen Safe-Haven-Charakter verliert, sollte die klassische Portfoliokonstruktion grundsätzlich infrage gestellt werden", schreibt der CIO.
Mit dem 2024 aufgelegten Fonds First Private Quantum setzt das Haus diesen Ansatz nach eigenen Angaben um. Ziel sei es, die Abhängigkeit von der klassischen Aktien-Anleihen-Korrelation zu reduzieren und Portfolios robuster gegenüber unterschiedlichen Marktregimen aufzustellen. (dv)



