Dax-Pensionswerke: Ausfinanzierungsgrad auf Allzeithoch
Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen stieg 2025 auf 87 Prozent, das ergibt eine Auswertung des Pensionsdienstleisters WTW. Der Anstieg entspricht einem Plus von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und stellt den bislang höchsten Wert dar.

Eckpunkte:
- Der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Unternehmen liegt so hoch wie nie zuvor
- Gleichzeitig sank der Wert der Pensionsverpflichtungen auf 298 Milliarden Euro
Pensionswerke der DAX-Unternehmen haben 2025 der Unternehmensberatung WTW zufolge einen historischen Meilenstein erreicht. Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionsverpflichtungen stieg im vergangenen Jahr auf 87 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen und mit einem Plus von fünf Prozentpunkten ein starker Anstieg auf ohnehin schon hohem Niveau. Der Rechnungszins ist demgegenüber im Median um 67 Basispunkte auf 4,10 Prozent gestiegen. Die Kapitalmärkte entwickelten sich robust. In Summe sind die Pensionsvermögen der DAX-Unternehmen im Jahr 2025 aufgrund höherer Auszahlungen als Dotierungen leicht auf 258 Milliarden Euro (-1,1 Prozent) gesunken. Gleichzeitig sank der Wert der Pensionsverpflichtungen auf 298 Milliarden Euro (-6,3 Prozent). Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „DAX-Pensionswerke 2025” von WTW. Der Rekord beim Ausfinanzierungsgrad schaffe finanziellen Spielraum für strategische Entscheidungen im Pensionsmanagement, während die anhaltende Volatilität der Kapitalmärkte dazu führe, dass Unternehmen ihre Investmentstrategien auf den Prüfstand stellten.
„Steigende Zinsen und solide Kapitalmärkte haben die Pensionswerke der Unternehmen erneut deutlich entlastet. Viele Unternehmen stehen heute so gut da wie seit Jahren nicht“, sagt Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW, über die Ergebnisse. Das verschaffe vielen Unternehmen neue strategische Optionen: „Ein Ausfinanzierungsgrad von knapp 90 Prozent verändert die Spielregeln im Pensionsmanagement“, sagt Dr. Johannes Heiniz, Leiter General Consulting Retirement bei WTW. „Viele Unternehmen haben jetzt sehr gute Voraussetzungen, ihre Pensionsrisiken systematisch zu reduzieren.“
Die WTW-Studie „DAX-Pensionswerke 2025“ basiert auf 30 ausgewerteten Geschäftsberichten der 40 DAX-Unternehmen. Das umfasst 94 Prozent der gesamten DAX-Pensionsverpflichtungen und des Deckungsvermögens. Bei zehn Unternehmen, deren aktuelle Daten noch nicht veröffentlicht sind, hat WTW die Vorjahreswerte berücksichtigt und damit Hochrechnungen durchgeführt.
Treiber war Renditeanstieg langlaufender Bonds
Der Ausfinanzierungsgrad stellt das Verhältnis von spezifisch reserviertem Pensionsvermögen zu den Pensionsverpflichtungen dar. Steigen die Pensionsverpflichtungen bei gleichbleibendem Pensionsvermögen, so sinkt der Ausfinanzierungsgrad, und umgekehrt. Der Ausfinanzierungsgrad konnte auf hohem Niveau von 82 Prozent in 2024 um weitere fünf Prozentpunkte auf nun 87 Prozent in 2025 zulegen. Diese Entwicklung beruhe hauptsächlich auf dem deutlichen Anstieg des Rechnungszinses um 67 Basispunkte im Vergleich zum Vorjahr, erläutert WTW auf Nachfrage von Institutional Money. Dieser Anstieg resultierte überwiegend aus höheren Renditen langlaufender Anleihen, während kurzfristige Zinsen dem Leitzinsniveau der EZB folgend zurückgingen. Die Reform der deutschen Schuldenbremse, erwartete konjunkturelle Impulse und veränderte Bonitätseinschätzungen führten zu sinkenden Kursen und damit steigenden Renditen langlaufender Staatsanleihen, so WTW.
Pensionsverpflichtungen, denen kein spezifisches Pensionsvermögen gegenübersteht, seien in den Unternehmen durch andere Vermögenswerte bedeckt. Ökonomisch seien die Pensionsverpflichtungen daher mit einem Gesamtausfinanzierungsgrad von 100 Prozent immer voll ausfinanziert.
Investmentstrategien auf dem Prüfstand
Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen und der Volatilität der Kapitalmärkte überdenken WTW zufolge viele Pensionswerke ihre Investmentstrategien. Eine umfassende Streuung der Anlagen, flexible Steuerungsmodelle und gezielte Absicherungsstrategien stehen dabei im Vordergrund. Besonders Investitionen in Private Markets gewinnen zunehmend an Bedeutung und tragen dazu bei, Erträge zu diversifizieren und Renditeprofile zu stabilisieren. „Eine breite Diversifikation der Investments ist heute unerlässlich“, erklärt Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director Investments bei WTW. „Sie ermöglicht es, Marktschwankungen abzufedern und verlässliche Renditeprofile zu sichern.“
Neben Wachstumsstrategien bleibt die Absicherung der Verpflichtungen ein zentraler Bestandteil des Pensionsmanagements. Viele Unternehmen setzten weiterhin auf Liability-Driven-Investment-Strategien, bei denen Vermögenswerte so strukturiert werden, dass ihre Zinssensitivität möglichst gut zu den eingegangenen Verpflichtungen passe, so WTW. Parallel gewönnen Cashflow-basierte Investmentstrategien an Bedeutung. Anlagen mit stabilen Zahlungsströmen – etwa hochwertige Unternehmensanleihen, Infrastrukturkredite oder Immobilien mit langfristigen Mietverträgen – könnten verlässliche Einnahmen zur Finanzierung von Pensionsleistungen liefern. Das derzeit erhöhte Renditeniveau mache solche Strategien wieder besonders attraktiv, glaubt WTW.
Über De-Risking und Auslagerung nachdenken
Der weitere Anstieg des Ausfinanzierungsgrades eröffne vielen Unternehmen zusätzliche strategische Möglichkeiten im Pensionsmanagement. „Der Rekordanstieg auf nahezu 90 Prozent eröffnet neue Handlungsspielräume“, sagt Hanne Borst. „Unternehmen können jetzt deutlich offensiver über De-Risking, Auslagerungen oder Pension-Buyouts nachdenken.“ Neben Treuhandlösungen, CTA-Strukturen oder Pensionsfonds rückten auch umfassendere Auslagerungsmodelle stärker in den Fokus. Besonders Pension-Buyouts, bei denen Verpflichtungen gegenüber ehemaligen Mitarbeitenden vollständig auf externe Anbieter übertragen werden, würden zunehmend diskutiert. Solche Lösungen könnten Bilanzrisiken reduzieren und gleichzeitig die administrative Komplexität verringern. (de)


