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Corporates zeigen sich mit Banken unzufrieden

Eine weltweite Befragung unter Corporates zeigt, dass noch zu Beginn des Jahres 85 Prozent der Firmenkunden planten, bei Finanzierungen auf den Privatmarkt auszuweichen. Viele haben Zweifel an der Verlässlichkeit von KI-Dienstleistungen der Banken.

© MAJIDULISLAM / stock.adobe.com/KI-generiert

Eckpunkte:

  • 85 Prozent der Firmenkunden wollen auf Privatmarktfinanzierungen ausweichen
  • Weltweite Umfrage unter Corporates, Banken und Nicht-Banken
  • 89 Prozent der Kunden stellen Verlässlichkeit KI-generierter Bankdienstleistungen infrage

Steigende Kundenerwartungen und enttäuschende Tech-Initiativen bringen Corporate und Investmentbanken (CIBs) in härteren Wettbewerb mit Nicht-Banken. Wie eine neue Studie von Capgemini zeigt, wollen 85 Prozent der Firmenkunden innerhalb der nächsten zwölf Monate auf Nicht-Bank-Finanzinstitute für transparentere und reaktionsschnellere Dienstleistungen ausweichen.

„Nicht-Banken schließen die Wettbewerbslücke zu etablierten Corporate und Investmentbanken. Die Kundenanforderungen haben sich dramatisch verändert, und obwohl Corporate und Investmentbanken stark in KI investiert haben, tun sich viele schwer, über die Pilotphase hinauszukommen. Ein wichtiger Grund dafür ist Governance – nur 26 Prozent der Banken arbeiten mit einer zentralisierten KI-Governance, was Teams zögern lässt, geschäftskritische Prozesse zu automatisieren“, sagte Andreas von Kahlen, Leiter Corporate and Investment Banking bei Capgemini Invent in Deutschland. „Um erfolgreich zu sein, müssen die Banken einen disziplinierten Ansatz verfolgen: Sie müssen unternehmensweit skalierbare Plattformen schaffen und ein Ökosystem aus vertrauenswürdigen Partnern aufbauen. Frühe Anwender werden konkrete Vorteile in Form einer stärkeren Kundenbindung, höherer Gebühreneinnahmen und deutlich geringerer Kosten erzielen.“

Für den „Capgemini World Corporate and Investment Banking Report 2026“ wurden zu Beginn des Jahres 2026 insgesamt 750 Führungskräfte von Corporates, Banken und Nicht-Banken aus Nordamerika, Europa, Asien-Pazifik und dem Nahen Osten befragt. Die befragten Entitäten haben einen Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Thema der Befragung waren die digitale Transformation, Wettbewerbsdruck und Innovationsherausforderungen im Corporate- und Investmentbanking.

KI und regulatorische Verlässlichkeit
Der Studie zufolge müssen CIBs an mehreren Fronten gleichzeitig vorgehen, um sich dem Wettbewerbsdruck anzupassen. Banken müssen ihre Betriebsmodelle kritisch hinterfragen, ihre Daten- und Technologiegrundlagen neu aufbauen, um die Geschwindigkeit zu verbessern und KI-Governance in alle wichtigen Entscheidungen einbetten. Ebenso wichtig sei das Vertrauen der Kunden, das sich CIBs durch jahrzehntelange regulatorische Verlässlichkeit aufgebaut haben. Dies stelle jedoch im Hinblick auf KI-getriebene Innovationen weiterhin eine zentrale Herausforderung dar. So stellten viele Kunden (89 Prozent) der Studie zufolge die Verlässlichkeit KI-generierter Ergebnisse für Bankdienstleistungen infrage.

Klagen über manuelle Workarounds
Kunden von Corporate und Investmentbanken erwarten Echtzeit-Reaktionsfähigkeit (58 Prozent), personalisierte Betreuung (49 Prozent) und innovative Lösungen (40 Prozent) – aber weniger als jeder Vierte (23 Prozent) ist der Meinung, dass CIBs diese Anforderungen derzeit erfüllen. Stattdessen bemängeln viele der Kunden, dass CIBs nur eine begrenzte Integration zum Beispiel mit Treasury-Systemen böten. Das mache manuelle Workarounds erforderlich (92 Prozent). Es fehle CIBs an Personalisierung und Flexibilität (89 Prozent). Zudem seien ihre Fähigkeiten im Bereich der fortgeschrittenen Analytik und Prognose unzureichend (68 Prozent).

Konservative Unternehmenskultur als Hemmnis
Die Studie zeige zudem, dass kulturelle Aspekte ein bedeutendes Hindernis für die Einführung von KI darstellen können, schreibt Capgemini. So gaben 39 Prozent der Befragten an, dass eine konservative Kultur die Erprobung neuer Technologien verlangsame. Darüber hinaus hätten Banken Schwierigkeiten, ihre Mitarbeiter weiterzubilden: 40 Prozent der Befragten sagen, dass sie externe Fachkräfte einstellen wollen, um ihre KI-Kompetenzen zu stärken, während nur 23 Prozent in interne Umschulungen investieren.

Corporate Banking wächst langsamer
Die Ergebnisse der Befragung stehen im Einklang mit einer Analyse von Capgemini, wonach sich das Umsatzwachstum im CIB-Bereich verlangsamt und für die nächsten fünf Jahre eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 5,4 Prozent prognostiziert wird – nach 6,5 Prozent zwischen 2022 und 2024.

Mehrheit der Innovationsprogramme enttäuscht
Zu den Herausforderungen kommt hinzu, dass Führungskräfte im CIB-Bereich berichten, dass aktuelle Innovationsprogramme nicht die erwarteten Ergebnisse liefern. Eine große Mehrheit (82 Prozent) gibt an, dass diese Bemühungen nicht zu Umsatzsteigerungen durch neue Produkte führten, während 51 Prozent der Befragten sagten, dass sie nicht die erwarteten Kosteneinsparungen gebracht haben.

CIB-Führungskräfte untersuchen tokenisierte Produkte
Trotz struktureller Herausforderungen erweiterten die Banken weiterhin ihr Produkt- und Dienstleistungsportfolio, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 77 Prozent der Führungskräfte im CIB-Bereich legten den Schwerpunkt auf Echtzeit-Treasury-Funktionen für grenzüberschreitende Zahlungsströme. 65 Prozent nutzen Marktprodukte der nächsten Generation mit Künstlicher Intelligenz für den algorithmusbasierten Handel, wie zum Beispiel KI-gesteuertes Hedging sowie Research- und Analyse-Insights. Mehr als die Hälfte untersucht tokenisierte Produkte (51 Prozent), um durch digitale Verwahrung, Token-Ausgabe und Premium-Dienstleistungen neue Einnahmequellen zu erschließen. (de)

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