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Chinas Ikarus-Effekt

Das Phänomen der Selbstüberschätzung und seine unerfreulichen Folgen sucht die Finanzmärkte mit schöner Regelmäßigkeit heim. Eine Studie hat die Geschehnisse an Chinas Börsen im Jahr 2015 untersucht und dabei bemerkenswerte Fortschritte bei der Messung von „Overconfidence“ erzielt.

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Ideale Rahmenbedingungen zur Erforschung von Selbstüberschätzung:
Chinas Leitindex wurde 2015 zum Schauplatz eines klassischen Boom-and-Bust-Szenarios. Anhand der Geschehnisse wurden Daten erhoben, aus denen man den Faktor „Selbstüberschätzung“ herleiten kann.

Die drei Tabellen in den folgenden Bildern schlüsseln die Veränderunger der Markteffizienz vor und nach dem Crash 2015 auf.
©Institutional Money

Kann man den Faktor „Selbstüberschätzung“ an den Märkten überschätzen? Eher nicht, wenn es nach Kent Daniel und David Hirshleifer geht. In ihrem Paper „Overconfident Investors, Predictable Returns, and Excessive Trading“ argumentieren die Autoren, dass „Selbstüberschätzung wahrscheinlich eines der Schlüsselelemente bei der Entscheidungs­findung an den Finanzmärkten darstellt“. Diese Selbstüberschätzungsannahmen werden „durch einen kognitiven Prozess verstärkt, der dazu führt, dass es zu selbstbezogenen Rückkoppelungseffekten kommt, im Rahmen derer vergangene Erfolge den eigenen Talenten und Fähigkeiten zugeordnet, während Misserfolge auf Pech oder andere ­unbeeinflussbare Effekte zurückgeführt werden“, wie Kent Daniel, Professor für Finanzwissenschaften an der ­Columbia University und Research Associate für das National Bureau of Economics in Cambridge, Massachusetts, erklärt.

Selbstüberschätzung als Liquiditäts-Treiber

Diese Selbstüberschätzung führt zu erhöhten Trading-Aktivitäten, zum Eingehen unbelohnter höherer Risiken und höherer Transaktionskosten, die wiederum direkt die Netto-Erträge reduzieren. Das zeigen laut Daniel und Hirshleifer unter anderem Daten von Barber und Odean (2000), die individuelle Investoren in den S&P 500 von 1991 bis 1997 nach ihrer Trading-Häufigkeit in Quintile geteilt haben. Den mit Abstand höchsten Jahresnetto­ertrag von rund 18 Prozent erzielte dabei das Quintil mit der niedrigsten Trading-Frequenz. Eine hohe Umsatzhäufigkeit führte hingegen nicht zuletzt aufgrund der viel­fachen Transaktionskosten zu einer Nettorendite, die rund ein Drittel unter der des ­ersten Quintils lag.

Testlabor China

Das an sich wäre schon bemerkenswert genug. In einem weiteren Paper „The Danger of Investor Overconfidence“ orten die Autoren ­„eine deutliche ­Verzerrung der Markteffizienz im Umfeld von Markteinbrüchen." Die Autoren haben in diesem Kontext den chinesischen Aktienmarkt von November 2014 bis Mai 2015 und von Juli bis Dezember 2015 untersucht. Während der ersten Phase „stiegen die wichtigsten ­Indizes des Landes um 70 Prozent, was zweifellos eine Manifestation von Optimismus und Überschätzung darstellt“, wie Mingsheng Li erklärt. Am 12. Juni kam es schließlich zum Crash, der die Initialzündung für einen 50-prozentigen Preisverfall bis Dezember 2015 darstellte.

Für die Autoren stellt der chinesische Markt für diesen Beobachtungszeitraum ein ideales Testlabor dar. Erstens sind Boom and Bust vollständig erfasst, zweitens gibt es zu den untersuchten Märkten detaillierte Informationen zu allen Margin ­Trades, „die in dieser Form in den USA und anderen relevanten Märkten nicht zur Verfügung stehen“. Die Margin Trader bilden aus Sicht der Autoren wiederum das beste Biotop in Sachen „Overconfidence“ und verdienen deshalb besondere Betrachtung.

Ritterschlag durch MSCI

Angesichts der jüngsten Aufnahme chinesischer Aktien in den MSCI verdient der chinesische Markt ohnehin eine noch genauere Beobachtung. Im Rahmen der oben angeführten Bildgalerie haben wir die wichtigsten, wissenschaftlichen Erkenntnisse der Studien zusammengefasst, den kompletten Artikel finden Sie in der Print-Ausgab 2/2017 von Institutional Money oder über diesen Link in Form des E-Papers von Institutional Money. (hw)

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