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Finanzmarkt-Ausblick 2020

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CFS-Umfrage kommt zu einem besorgniserregenden Ergebnis

Die deutsche Finanzbranche rechnet nun klar mit einem „harten Brexit“. Trotz erwarteter Marktverwerfungen ist keine Einräumung weiterer Kompromisse erwünscht. Viel Anpassungszeit darauf bleibt den Marktteilnehmern nun nicht mehr.

Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies
Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies
© CFS

Die neue britische Regierung unter Premierminister Boris Johnson bereitet sich darauf vor, die EU am 31. Oktober ohne Abkommen zu verlassen. Auch die deutsche Finanzindustrie rechnet nun größtenteils mit einem harten Brexit. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies (CFS). Dabei halten 55 Prozent der Befragten einen ungeordneten Austritt Großbritanniens für wahrscheinlich, 31 Prozent halten ihn sogar für sehr wahrscheinlich. Lediglich elf Prozent sind in dieser Hinsicht optimistischer.

Die Mehrheit der Befragten (63%) erachtet den deutschen Finanzsektor im Falle eines harten Brexits als ausreichend vorbereitet, während 36 Prozent die Meinung vertreten, dass hier noch mehr Handlungsbedarf besteht.

Besorgniserregend: Zeit wird knapp
„Wenn man die inzwischen hohe Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit berücksichtigt, sind die Umfrageergebnisse eher besorgniserregend. Denn viel Zeit für Anpassungsmaßnahmen bleibt den Marktteilnehmern nicht mehr“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Hard Brexit ist nicht vollständig eingepreist
Die EU hat Nachverhandlungen des Brexit-Deals ausgeschlossen und sollte nun auch keine neuen Kompromisse anbieten, um einen harten Brexit eventuell noch zu vermeiden. Diese Meinung wird mehrheitlich (70%) von der deutschen Finanzbranche vertreten. Dennoch sind sich die Befragten ebenso einig (61%), dass die Finanzmärkte das Szenario eines harten Brexit noch nicht vollständig antizipiert haben und es demzufolge auch zu Marktverwerfungen kommen könnte.

„Die Umfrage verdeutlicht, dass man mögliche Nachteile eines harten Brexit in Kauf nimmt, um endlich Klarheit über die künftigen Rahmenbedingungen zu haben“, erläutert Brühl weiter.

Bei den Befragten besteht auch geschlossen Einigkeit (88%) darin, dass es im Falle eines ungeordneten EU-Austritts der Briten zu vermehrten Verlagerungen von Geschäftsaktivitäten und Beschäftigten nach Kontinentaleuropa kommen wird.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, und die Mehrheit der Befragten geht offensichtlich davon aus, wird es darauf ankommen, dass die Finanzplätze in Kontinentaleuropa ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Gelänge es dann noch länderübergreifend zu kooperieren, könnte Europa gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.“ (aa)

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