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Buy-and-Maintain-Aktienstrategie: Über die effiziente Umsetzung

Invesco Quantitative Strategies hat analysiert, in wie weit die aus dem Rentenuniversum bekannte Buy-and-Maintain-Strategie auch bei Aktien anwendbar ist und auf welche Fallstricke institutionelle Investoren achten müssen.

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© NicoElNino / stock.adobe.com

Die Experten von Invesco Quantitative Strategies (IQS) haben die Möglichkeit einer Übertragung des unter Anleiheinvestoren beliebten Konzeptes der Buy-and-Maintain-Strategie auf den Aktienmarkt untersucht. Dabei haben die Investmentexperten festgestellt, dass eine erfolgreiche Umsetzung eine breite Diversifikation des Buy-and-Maintain-Aktienportfolios bedingt und dieses Portfolio von einer Fokussierung auf stabilisierende Aktienfaktoren wie Qualität und Niedrigvolatilität profitiert.

Quality matters
„Buy-and-Maintain-Portfolios lassen sich effizient über faktorbasierte Ansätze konstruieren“, erklärt Erhard Radatz, Portfolio Manager, Invesco Quantitative Strategies, wobei dem Wunsch nach einer geringen Umschlagfrequenz durch eine Betonung des Qualitätsfaktors Rechnung getragen werden könne. Die historische Wertentwicklung zeige eine niedrige Umschlagfrequenz und die Möglichkeit einer Überrendite aus der Vereinnahmung der Qualitätsfaktorprämie. Weitere Anforderungen könnten passgenau im Rahmen der Portfoliokonstruktion verwirklicht werden.

Regelmäßige Kontrollen empfehlenswert
Bei Buy-and-Maintain-Anleihestrategien werden Titel mit dem Ziel eines Haltens bis zur Endfälligkeit erworben. Die Positionen werden nur dann vorher veräußert, wenn es zu einer rapiden Verschlechterung der Kreditqualität und damit letztlich zu einer geringeren Aussicht auf Rückzahlung des Fremdkapitals kommt. „Da Aktien eine unbefristete Laufzeit haben, lässt sich dieses Konzept nicht einfach auf den Aktienmarkt übertragen“, sagt Radatz. „Dementsprechend ändert sich die Fragestellung von ‚Ist das Unternehmen in der Lage, bis zur Restlaufzeit der entsprechenden Anleihe die Coupons und das Nominal zu bedienen‘ zu ‚Ist das Unternehmen in der Lage, dauerhaft positive Cashflows zu generieren.‘“

Hohe Diversifikation führt zu niedrigerer Umschichtungsfrequenz
Bei der Übertragung auf den Aktienmarkt sollten andere Charakteristika, insbesondere eine geringe Umschlagfrequenz, erhalten bleiben. Erforderlich dafür sei eine hohe Ausgangsdiversifikation. „Der Mehrwert eines breit gestreuten Portfolios wurde wieder in der Covid-19-Krise und den damit verbundenen Strukturbrüchen deutlich“, betont Carsten Rother, Research Analyst, Invesco Quantitative Strategies. „Eine breite Streuung vermindert den Einfluss einzeltitelspezifischer, und somit schwierig prognostizierbarer Ereignisse auf das Portfolio und ermöglicht so eine konsistente Partizipation an der Aktienmarktrisikoprämie.“

Factor-Investing reduziert Arbeitsaufwand
Der offensichtliche Nachteil einer breiten Diversifikation sei der notwendige Aufwand, die enthaltenen Wertpapiere aus einem potenziell riesigen Anlageuniversum zu analysieren. Eine effiziente Alternative sei das faktorbasierte Investieren. Factor-Investing-Ansätze zielen darauf ab, durch die systematische Auswertung von Preis- und Fundamentaldaten von Unternehmen einen Mehrwert zu erzielen. Beispiele sind die Faktoren Value (Bewertung) und Momentum (Kurs- und Gewinndynamik) sowie Qualität (solide geführte, bilanzstarke Unternehmen) und niedrige Volatilität (schwankungsarme Aktien).

Radatz zufolge eignen sich diese Faktoren unterschiedlich gut zur Konstruktion von Buy-and-Maintain-Portfolios. So erlaube die geringe Umschlaghäufigkeit dieser Portfolios nur eine sinnvolle Umsetzung von Stilen oder Faktoren, die auch eine geringe Handelsfrequenz mit sich bringen. Während die Faktoren niedrige Volatilität und Qualität diese Vorgabe erfüllten, erzeuge Momentum ein sehr hohes Handelsvolumen.

Kontrolle auf Plausibilität
„Neben den rein quantitativen Argumenten des Umschlagvolumens sollten in die Portfoliokonstruktion aber auch Plausibilitätskontrollen einfließen“, betont Radatz. Dabei entspreche gerade der Qualitätsfaktor der gewünschten Vorgabe nach langfristig wertstabilen Investments, die die benötigten Erträge generieren können. Dementsprechend solle die Portfoliokonstruktion wesentlich auf diesem Faktor beruhen. Zusätzlich zum Qualitätsfaktor helfe der Niedrigvolatilitätsfaktor, das Gesamtportfolio zu stabilisieren und auch aus einer Faktorperspektive zu diversifizieren.

ESG-Überlegungen für nachhaltigere Portfolios
Zudem ließen sich faktorbasierte Ansätze im Rahmen ihres systematischen Anlageprozesses nahtlos mit Nachhaltigkeitskriterien verknüpfen, sei es durch Ausschlüsse kontroverser Aktivitäten, der Forderung eines Mindestdurchschnittsratings auf Portfolioebene oder zur bloßen Kontrolle gewisser Portfolioeigenschaften (zum Beispiel der CO2-Emissionen).

Zudem korreliere der Qualitätsfaktor mit einer guten Unternehmensführung, sodass gewisse Aspekte der Nachhaltigkeit bereits im Portfolio repräsentiert seien. Darüber hinaus ließen sich andere Kriterien zur kundenindividuellen Implementation einbinden, zum Beispiel ein bestimmtes Ertragsziel.

Outperformance - zumindest in der Rückrechnung
Die Ergebnisse der Modellrückrechnung einer Buy-and-Maintain-Strategie am Beispiel eines europäischen Universums zeigen, dass die optimierte Invesco-Anlagestrategie den MSCI Europe mit einer annualisierten Wertentwicklung von 5,99 Prozent um 0,97 Prozent p.a. nach Transaktionskosten schlagen konnte. Sie brauchte dafür pro Jahr einen Umschlag von 11,57 Prozent des Portfoliovolumens. Durch die Nutzung des eher defensiven Qualitätsfaktors ließ sich trotz der Bedingung eines Beta-1-Portfolios mit einer Volatilität von 15,3 Prozent p.a. eine leichte Risikoreduktion gegenüber dem Index mit 15,8 Prozent p.a. erreichen. (aa)

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