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Bericht von der Invesco-Investorenkonferenz + Fotogalerie

Anlässlich des „Invesco Thanksgiving Investment Forums“ gab Prof. Elroy Dimson von der Cambridge Judge Business School einen Überblick über seine jüngsten Forschungsergebnisse und erklärte, welche Lehren Investoren aus der Vergangenheit ziehen können und welche Renditen zukünftig zu erwarten sind.

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Prof. Elroy Dimson hielt die Keynote-Speech beim Invesco Thanksgiving Investment Forum 2017. Was der Cambrigde-Professor sagte, wie stark Anleihen im Wert fallen können und welche Renditen Investoren in den kommenden Jahren erwarten können, finden Sie u.a. auf den folgenden Grafiken: ->
© www.photo-simonis.com

„Die Finanzgeschichte kann uns bei der Planung der Zukunft helfen“, sagte Prof. Elroy Dimson am Beginn seines Vortrages mit dem Titel „Financial market history: Reflection on the past for investors today“. Neben einer kurzen Übersicht über sein jüngst publiziertes Buch, dessen Titel dem des gehaltenen Vortrags entsprach, zeigte Dimson anhand von auf wissenschaftlicher Basis erhobenen Daten die interessantesten Entwicklungen der wichtigsten Assetklassen der der letzten 107 Jahre und gab darauf basierend eine Renditeprognose für die kommenden Jahre ab.

Redaktioneller Hinweis: Die Highlights dieser perfekt organisierten Invesco-Veranstaltung in Wien können Sie einer exklusiven Fotogalerie entnehmen.

Invesco kooperiert mit Cambrigde
Invesco hat seit kurzer Zeit eine Kooperation mit der Cambridge University. Das erleichterte dem Fondshaus für das in Wien stattfindende „Invesco Thanksgiving Investment Forum“ das Engagement von Prof. Elroy Dimson, emeritierter Oxford-Professor und nunmehriger Chairman des Centre for Endowment Asset Management an der Cambrigde Judge Business School in London

Prof. Dimson werden viele institutionelle Investoren u.a. von seiner vielbeachteten Keynote-Speech am Institutional Money Kongress 2013 in Erinnerung haben. Aber auch am Institutional Money Kongress 2018, bei dem u.a. Invesco als Sponsor einen der vielen interessanten Workshops hält, werden einige namhafte Starreferenten Gehaltvolles zu Gehör bringen. Neugierig geworden, welche bekannten Experten vortragen? HIER erfahren Sie mehr.

Risk an Return over the Long Run
Aufbauend auf Daten von 23 Ländern in den Jahren von 1900 bis 2017 zeigte Dimson für diesen langen Zeitraum die unterschiedlichen Entwicklungen der Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkte sowohl in absoluten, als auch in inflationsbereinigten Zahlen. Erhebung und Berechnung dieser Daten waren von ihm und seinem Forschungsstab aber andere als leicht in die Praxis umzusetzen. Denn einerseits sind viele Daten von 1900 bis in die 1960/70er Jahre nur schwer oder unvollständig erhalten. Andererseits sind viele Vergleiche erschwert, weil Börsenplätze aufgrund historischer Umstände an Bedeutung verlieren (zum Beispiel die altehrwürdige Wiener Börse durch den Untergang der Donaumonarchie) oder ganz verschwinden und erst Jahrzehnte später geöffnet werden. So entwickelte sich beispielsweise das zaristische Russland im 20. Jahrhundert zu einer Sowjet-Diktatur, die viele Länder Osteuropas eroberte, um dem dortigen Volk zuerst den Sozialismus und bald darauf Mangel und Not zu bringen. Interessantes Detail: Auch die deutsche Börse zählte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den größten Börsen der Welt und war damals sogar größer als die US-Börse (siehe die erste Grafik in der obigen Bildergalerie).

Aber nicht nur Börsenplätze selbst gewinnen oder verlieren gegenüber ihrer Peer Group an Bedeutung. Selbiges gilt auch auf Branchenebene. So zeigte Dimson anhand eines Tortendiagramms anhand des US-Markts, wie der um 1900 extrem dominante Eisenbahnsektor bis Ende 2016 stark an Bedeutung verlor, während andere Branchen wie Banken oder Versorger ihren Stellenwert halten konnten. Wie sich Branchen wie beispielsweise der Einzelhandel oder Rohstoffe über die Jahrzehnte vor dem Hintergrund aufstrebender Technologiekonzerne halten konnten, sehen Sie in der zweiten Grafik oben.

Drawdowns werden unterschätzt
Den Investoren wurde auch anhand von US-Daten eindrucksvoll durch Grafiken veranschaulicht, wie stark Rücksetzer, vor allem wenn diese Inflations-bereinigt betrachtet werden (also inklusive Geldentwertung), bei Aktien und auch Anleihen ins Kontor schlagen können. Während heutige Investoren einen Rückgang bei Aktien von mehr als 70 Prozent anlässlich des Großen Crash 1929 und dem darauf folgenden Bärenmarkt der 1930er-Jahre  wohl auf der Rechnung haben, überraschte der kaufkraftbereinigte Wertrückgang von „sicheren“ Anleihen während der späten 1970 und frühen 1980er Jahre in Höhe von mehr als 65 Prozent (sic!) dann doch den einen oder anderen Investor (siehe Grafik oben).

Dividenden langfristig entscheidend
Dimson zeigte anhand verschiedenster Grafiken, wie entscheidend Dividenden und deren konsequente und laufende Investitionen in den Aktienmarkt für die langfristige Performance sind. Dabei hat die USA im Vergleich zu Großbritannien seit 1900 bei der Performance klar besser abgeschnitten. Das spricht dafür, dass höheres Wirtschaftswachstum sehr langfristig über höhere Unternehmensgewinne zu einer deutlich besseren – in diesem Fall um den Faktor drei - Aktienperformance führt.

Im Anschluss erklärte Dimson, dass in vielen Fällen einzig Aktien die Eigenschaft aufweisen, inflationsbereinigt positive Renditen zu generieren, während Anleihen vielfach kaufkraftbereinigt zu Verlusten führen. Das gilt insbesondere für jene Länder, die aufgrund verlorener Kriege an Hyperinflation litten und/oder eine Währungsreform, also eine Enteignung der Sparer, durchführen mussten.  

Wie viel Rendite gibt es wohl zukünftig?
Nachdem Dimson auf die Auswirkungen von Währungsveränderungen sowie kurz auf die Entwicklung von Aktien und Anleihen in Inflations- und Deflations-Szenarien einging, gab er eine Prognose darüber ab, welche Renditen Investoren bei Anleihen und insbesondere bei Aktien wohl zukünftig an den Märkte erwarten können. Unter der Annahme, dass Unternehmen ihre Dividendenausschüttungen inflationsbereinigt nicht weiter erhöhen und auch die Ausschüttungsquoten einigermaßen konstant halten, werden zukünftige Aktienmarktrenditen zwar nicht mehr hoch sein wie in der Vergangenheit, aber zumindest – dank der Dividenden - im positiven Bereich sein. „Wir schätzen die langfristige Aktien-Risikoprämie gegenüber US-Schatzscheinen zwischen 3,0 und 3,5 Prozent“, erklärte Dimson.

Diese gut drei Prozent bei Aktien sind um etwa 50 Prozent wenig als die historisch erzielten knapp über sechs Prozent Aktienmarktrendite der Vergangenheit. Dimson erklärte auch mit einem Blick auf den Rentenmarkt, warum Aktieninvestoren zukünftig mit wesentlich niedrigeren Renditen leben müssen:  „Der Blick in die Zukunft signalisiert aufgrund der sehr niedriger Anleihezinsen eine Welt mit insgesamt niedrigeren (Aktien)-Renditen“.

Vor dem Hintergrund dieser eher mauen Renditeaussichten gab Dimson abschließend Anlegern den guten Rat, sehr genau auf die Kostenbelastung ihrer Investments zu achten und daher auf möglichst kostengünstige Anlagelösungen zu setzen. Auch erwartet Dimson, dass die Emerging Markets aufgrund der eher mauen Performance der letzten Jahre in den kommenden Jahren Investoren höhere Renditen einbringen sollten (siehe die letzte Grafik oben). (aa)

 

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