Aon: Dax-Pensionspläne profitieren von höheren Zinsen
Die Dax-Konzerne sind nach einer Analyse des bAV-Spezialisten Aon bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) gut aufgestellt. Der Rechnungszins ist gestiegen, damit sinken die Pensionsverpflichtungen. Der Deckungsgrad erreicht mit 87 Prozent einen neuen Höchststand.
Eckpunkte:
- Dax-Konzerne bei Pensionsplänen gut aufgestellt
- Pensionserpflichtungen sinken um 29 Milliarden Euro
- Wesentlicher Treiber ist höheres Zinsniveau
- Rechnungszins steigt 2025 auf 4,11 Prozent (2024 bei 3,44 Prozent)
- Ausfinanzierungsgrad mit neuem Rekordhoch
Der Gesamtumfang der Pensionsverpflichtungen der DAX Konzerne ist einer Analyse des bAV-Spezialisten und Beratungsunternehmens Aon im Geschäftsjahr 2025 von rund 325 Milliarden Euro auf etwa 296 Milliarden Euro stark gesunken – ein Rückgang um rund 29 Milliarden Euro. Wesentlicher Treiber dieses Rückgangs um rund neun Prozent ist demzufolge das gestiegene Zinsniveau: Zukünftige Renten- und Leistungszahlungen werden mit dem Rechnungszins auf ihren heutigen Wert umgerechnet.
Steigende Zinsen bedeuten weniger Rückstellungen in den Bilanzen
Steigt der Zinssatz, sinkt der heutige Wert dieser Zahlungen. Dadurch verringern sich die in den Bilanzen ausgewiesenen Pensionsrückstellungen. Für die deutschen Pensionsverpflichtungen beträgt der durchschnittliche Rechnungszins 4,11 Prozent (Vorjahr 3,44 Prozent), bei einer Bandbreite von 3,85 bis 4,60 Prozent.
Im Unterschied zur umlagefinanzierten gesetzlichen Rente wird die bAV kapitalgedeckt beziehungsweise kapitalbasiert finanziert, so Aon. Zusagen würden über eine in der Unternehmensbilanz gebildete Pensionsrückstellung erfasst, die durch eine Absicherung über ein separiertes Planvermögen, aus dem später die Betriebsrenten gezahlt werden, entsprechend reduziert werden könne.
Weitgehend ausfinanziert
Der Deckungsgrad der Pensionspläne mit Planvermögen stieg von 81 auf 87 Prozent und erreicht damit einen der höchsten Werte der vergangenen Jahre. Bereits rund jeder vierte DAX-Konzern hat seine Pensionsverpflichtungen vollständig durch Planvermögen abgesichert. Dies unterstreiche die weiterhin hohe Stabilität und Finanzierungsstärke der bAV in Deutschland, so Aon.
Gut aufgestellte deutsche Corporates
„Die DAX-Konzerne sind bei der bAV gut aufgestellt: Hohe Ausfinanzierungsgrade und an den Verpflichtungen orientierte Anlagestrategien sorgen dafür, dass ein für viele Mitarbeitende zentrales Benefit langfristig solide abgesichert ist“, sagt Angelika Brandl, Partner und Head of Retirement Germany bei Aon.
Die Dax-Geschäftsberichtsanalyse 2025 von Aon beruht auf den nach International Financial Reporting-Standards (IFRS) veröffentlichten Geschäftsberichten der zum 31.12.2025 im DAX gelisteten Unternehmen; vier Konzerne bilanzierten zum 30.09.2025.
Ausblick auf 2026: Die Babyboomer gehen in Rente
Seit Jahresbeginn 2026 ist der Rechnungszins dem Aon-Bericht zufolge erneut rund 25 Basispunkte angestiegen. Dies führe zu einer spürbaren weiteren Verringerung der Pensionsverpflichtungen im Milliardenbereich. Gleichzeitig beginne eine neue Phase für die bAV, denn die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer erreichen das Rentenalter.
„Sollte sich das Zinsniveau bis Jahresende auf hohem Niveau stabilisieren oder sogar weiter steigen, werden wir weitere DAX-Konzerne mit vollständig ausfinanzierten Pensionsverpflichtungen sehen“, prognostiziert Christoph Tellmann, Senior Consultant bei Aon Wealth Solutions Germany. „Vollständig gedeckte Pensionsverpflichtungen sind sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmende positiv, denn sie stabilisieren die Liquidität, erhöhen den Insolvenzschutz und steigern das Vertrauen der Beschäftigten in die bAV.“
16 Milliarden Euro in 2025 mit steigender Tendenz
2025 wurden im DAX insgesamt knapp 16 Milliarden Euro an Renten und sonstigen bAV-Leistungen ausgezahlt. Aufgrund des vermehrten Renteneintritts der Babyboomer sei für 2026 mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, so Aon. Der Dienstzeitaufwand der aktiven Mitarbeitenden lag 2025 bei rund 5,5 Milliarden Euro und ist damit gegenüber dem Vorjahr um rund 0,4 Milliarden Euro gesunken. Inwieweit diese Reduzierung neben dem Anstieg des Zinsniveaus auch in einem Rückgang der Anzahl der Begünstigten oder einem sukzessiven Rückgang des Leistungsniveaus begründet ist, lasse sich aus den veröffentlichten Informationen nicht unmittelbar ableiten, so Aon.
Asset-Liability-Analysen
Die Anlagestrategien der Unternehmen zielten dabei nicht auf eine maximale Rendite, sondern auf eine verlässliche, risikoadäquate Finanzierung der Zusagen. Das Planvermögen bestehe überwiegend aus Unternehmens- und Staatsanleihen, ergänzt um Aktien und Fonds, Versicherungsprodukte und Immobilien. Mithilfe von Asset-Liability-Analysen würden Struktur und Laufzeiten der Anlagen regelmäßig eng an die erwarteten Zahlungsströme aus den Pensionsplänen angepasst.
DC-Systeme gewinnen an Fahrt
Neben den direkten unmittelbar von den Konzernen angebotenen Pensionsplänen können die Unternehmen Beiträge an externe Versorgungssysteme (Pensionskassen, Pensionsfonds, Unterstützungskassen oder Versicherungen) zahlen. Diese würden oftmals als sogenannte Defined-Contribution-Aufwände gezeigt, die jedoch keine Rückstellungsbildung erforderten. In den Geschäftsberichten zeigten sich dafür bedeutende Beträge, die insbesondere auch auf außerhalb Deutschlands weit verbreitete Beitragszusagen zurückzuführen seien, so der bAV-Dienstleister Aon. (de)


