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Anleihen: Von „risikofreier" Rendite zum „renditefreien" Risiko?

Anleiheportfolio-Besitzer sind mit den Gesamterträgen ihrer Festverzinslichen in der Vergangenheit sehr zufrieden: Fallende Zinsen sorgten zusätzlich zu Zinszahlungen für Kursgewinne. Jedoch hat sich die Zusammensetzung der Anleiheerträge über die Zeit stark verändert, sagt Marcel Müller.

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Marcel Müller von HQ Trust
© HQ Trust

Der Leiter des Portfoliomanagements von HQ Trust, Marcel Müller, hat im Rahmen seiner Analyse den Ertrag des Anleiheindex RexP seit dem Jahr 1977 in seine beiden Bestandteile zerlegt – den Zinsertrag und den Preisertrag. Letzterer spiegelt die Kursgewinne aufgrund fallender Zinsen wider.

Erkenntnisse
„Über Jahrzehnte war der Zins der größte Renditebringer des RexP. In der vergangenen Dekade war der Preisertrag aber höher als der Zinsertrag", weiß Müller. Die folgende Grafik illustriert diesen Zeitenwandel.

Zerlegung der Rendite des RexP in einen Zins- und einen Preisertrag

Quelle: Refinitiv, HQ Trust

Aktuell liege der Zinsertrag über die jüngste Zehn-Jahres-Periode gerade einmal bei 1,2 Prozent p.a. – einem Allzeittief. Über die vergangenen gut 40 Jahre habe der Mittelwert noch 5,8 Prozent p.a. betragen, so Müller weiter. „Für Neuemissionen ist der erwartete Zinsertrag bereits negativ. Wenn die Zinsen nicht weiter sinken, wird es hier auch keinen Preisertrag mehr geben. Beginnen die Zinsen zu steigen, wird der erwartete Preisertrag negativ: Anleger verzeichnen zunächst Kursverluste, bevor es wieder einen Zinsertrag gibt." Unter Berücksichtigung der Inflation seien kaum mehr positive reale Erträge auf Staatsanleihen zu erwarten.

Soll man nun alle seine Festverzinslichen verkaufen?
"Nein", sagt Marcel Müller. "Anleihen stellen trotz niedriger Zinsniveaus weiterhin einen wichtigen Bestandteil des Portfolios in Form von Liquidität, „sicherer Hafen" und zur Reduzierung der Wertschwankung des Gesamtportfolios dar." Für Standardportfolios empfiehlt HQ Trust eine im Vergleich zum Gesamtmarkt leicht verkürze Laufzeit bei höherer Kreditqualität. Anleger sollten Volumen, Laufzeit und Qualität des Anleiheportfolios individuell auf der Basis von Liquiditätsbedarf und Volatilitätsakzeptanz festlegen. Müller abschließend: "Das leicht unterdurchschnittliche Risiko des Anleiheportfolios kann bei entsprechender Risikoneigung durch eine höhere Gewichtung von Sachwerten wie etwa Aktien oder Private Equity ausgeglichen werden." (kb)

 

 

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