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| Theorie

Analyse: Was macht der S&P 500, wenn der Dollar schwächelt?

In der Vergangenheit war eine deutliche Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro kein schlechtes Omen für den S&P 500. Das zeigt eine Auswertung von Shijiao You, Analystin bei HQ Trust.

© shchus / stock.adobe.com

Was macht eigentlich der US-Aktienmarkt, wenn der Dollar schwächelt? Das lässt sich für die Zukunft nicht mit Sicherheit sagen. In der Vergangenheit war eine deutliche Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro aber kein schlechtes Omen für den S&P 500. Ganz im Gegenteil, zeigt eine Auswertung, die Shijiao You, Analystin aus dem Bereich strategische Asset-Allokation beim Multi-Family-Office HQ Trust, erstellt hat.

You betrachtet in ihrer Untersuchung den Verlauf des Euro-Dollar-Wechselkurses sowie die Wertentwicklung des S&P 500 in US-Dollar seit der Euro-Bargeld-Einführung. Basierend auf rollierenden Zwei-Jahres-Fenstern hat die Expertin alle Zeiträume identifiziert, in denen der US-Dollar gegenüber dem Euro um mehr als zehn Prozent zurückging. Für diese Phasen ermittelte sie anschließend die jeweilige kumulierte Performance des S&P 500 in US-Dollar. Die Analyse umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 2002 bis zum 15. Juli 2025.

Zehn Phasen
"Seit der Euro-Einführung gab es zehn Phasen, in denen der US-Dollar gegenüber dem Euro um mehr als zehn Prozent abwertete", schreibt You. In all diesen Phasen habe der S&P 500 eine positive Rendite erzielt. "Der durchschnittliche Verlust des US-Dollar betrug rund 17?Prozent pro Jahr, gleichzeitig stieg der S&P 500 im Schnitt um jährlich 27?Prozent", so die Analystin.

Selbst in den beiden längsten und stärksten Dollar-Abwertungsphasen konnte der US-Aktienindex zulegen. Zwischen Januar 2002 und Januar 2004 rutschte der Greenback gegenüber dem Euro um 33?Prozent ab, der S&P 500 gewann aber zwei Prozent. Im Zeitraum zwischen März 2006 und März 2008 wertete der Dollar um rund 24?Prozent ab, der S&P 500 jedoch gewann fünf Prozent hinzu.

Die jüngste Abwertung
Die jüngste Abwertungsphase des US-Dollar trat zwischen Januar und Juli 2025 auf. Ausgelöst wurde sie durch geldpolitische Divergenz, politische Unsicherheiten und nachlassende Nachfrage nach dem Dollar. "Trotz eines Rückgangs des US-Dollar um 13 Prozent verzeichnete der S&P 500 auch in diesem Zeitraum eine positive Entwicklung von sieben Prozent", schreibt You.

Ihr Fazit: In Zeiten nachlassender Dollar-Stärke – etwa aufgrund geldpolitischer Lockerung, fiskalischer Risiken oder globaler Umschichtung – entwickelten sich die US-Aktienmärkte dennoch robust. "Seit 2002 wurde jede Phase mit einer starken Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro von einem positiven Kursverlauf des S&P 500 begleitet", konstatiert die Analystin. Dabei habe der S&P 500 in sechs von zehn Fällen deutlich mehr gewonnen als der Wechselkurs nachgegeben hat. (am)

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