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Analyse: Was Jackson Hole für den Markt bedeutet

Wie jedes Jahr wird das Notenbankertreffen in Jackson Hole mit Spannung erwartet. Etwas entspannter dürfte Sebastian Dörr sein. Der Kapitalmarktstratege von HQ Trust hat den Markteffekt der Treffen über fast 50 Jahre untersucht und ist zu klaren Ergebnissen gekommen.

Sebastian Dörr, HQ Trust: "Im historischen Schnitt ist Jackson Hole für Aktien, Gold und Zinsen ein erstaunlich unspektakuläres Ereignis."
Sebastian Dörr, HQ Trust: "Im historischen Schnitt ist Jackson Hole für Aktien, Gold und Zinsen ein erstaunlich unspektakuläres Ereignis."© Philippe Ramakers / HQ Trust

Eckpunkte:

  • Das Notenbankertreffen in Jackson Hole ist für vor allem ein mediales Event, die Märkte zeigen sich vorher und auch nachher statistisch gesehen unbeeindruckt
  • Eine große Ausnahme war hingegen das Jahr 2022

Ende dieser Woche schaut die gesamte Finanzwelt für drei Tage nach Wyoming. In Jackson Hole treffen sich wie jedes Jahr die wichtigsten Notenbanker der Welt. Wer aber erwartet, dass ein derart prominent besetztes Treffen auch die Märkte kräftig durchschüttelt, wird von den Daten überrascht. Sebastian Dörr, Kapitalmarktstratege beim Family Office HQ Trust, hat nachgerechnet und kommt zum Ergebnis: "Im historischen Schnitt ist Jackson Hole für Aktien, Gold und Zinsen ein erstaunlich unspektakuläres Ereignis."

Zeitreihe über fast 50 Jahre
Dörr hat die Entwicklung von S&P 500, Goldpreis und zweijährigen US-Zinsen jeweils fünf Handelstage vor und nach dem Jackson-Hole-Meeting unter die Lupe genommen. In seiner Untersuchung analysiert der Kapitalmarktstratege sämtliche Termine seit 1978 und zeigt die Bandbreite der Bewegungen für alle drei Anlageklassen.

Dabei kam er zu folgenden Ergebnissen: Im Mittel verlor der S&P 500 in der Woche vor dem Meeting 0,78 Prozent, in der Woche danach stieg er um 0,87 Prozent. Über beide Phasen hinweg gleichen sich die Bewegungen also weitgehend aus.

Die Ausnahme bestätigt die Regel
Eine Ausnahme bildet 2022, als der damalige Fed-Chef Jerome Powell in seiner Rede ungewöhnlich direkt vor den mit einer restriktiven Geldpolitik verbundenen Schmerzen warnte. "In diesem Jahr wurde die Fed-Kommunikation selbst zum Markttreiber", sagt Dörr.

Bei Gold und zweijährigen US-Zinsen fielen die durchschnittlichen Ausschläge noch geringer aus. Nach dem Meeting ist die Schwankungsbreite an den Märkten meist etwas größer als davor. "Das passt zu einem bekannten Muster bei geldpolitischen Großereignissen: Vorher wird abgewartet und Risiko reduziert, danach wird auf Basis des Gesagten tatsächlich gehandelt", so Dörr.

Kein Handeln erforderlich
Für ihn ist klar: "Investoren sollten bei Großereignissen wie Jackson Hole einen kühlen Kopf bewahren." Das Treffen der Notenbanker liefere zwar wichtige Orientierungspunkte für die langfristige Geldpolitik, tauge aber selten als Anlass für kurzfristige hektische Umschichtungen im Portfolio. (jh)

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