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Amundi: Rechnet sich ESG bei Fixed Income?

Die französische Fondsgesellschaft untersuchte, ob eine ESG-Integration bei Euro-Investment-Grade-Unternehmensanleihen Investoren eine Outperformance brachte oder nicht. Die Ergebnisse sind ermutigend – zumindest im kurzfristigen Zeitfenster.

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© Dmitry / stock.adobe.com

Nachhaltigkeit hat sich in den vergangenen sechs Jahren für Renteninvestoren gerechnet – zumindest im IG-Corporate-Bond-Bereich. Das zeigt eine jüngst von Amundi veröffentlichte Studie.

Messbare Outperformance
Laut Amundi habe die Integration von ESG-Kriterien seit 2014 Alpha für in Euro denominierte Rentenportfolios geschaffen. Tatsächlich erreicht die jährliche Überschussrendite (Die überschüssige Kreditrendite ist der Teil der Performance nach der Neutralisierung des Zins- und Ertragskurvenrisikos) der Long/Short-Strategie bei einem Portfolio bestehend aus auf Euro lautenden Investment-Grade-Anleihen (IG) 37 Basispunkte zwischen den besten Anleihen der Klasse (20 Prozent beste Bewertung nach ESG-Scores) und den schlechtesten Anleihen der Klasse (20 Prozent schlechteste Bewertung nach ESG-Scores). Dies gilt sowohl für den ESG-Gesamtwert als auch für die einzelnen Werte E (Umwelt), S (Soziales) oder G (Unternehmensführung).

Bei der Kontrolle des Tracking Error-Risikos, bezogen auf die Benchmark, zeigen sich ähnliche Muster: Die Amundi-Analysten haben festgestellt, dass sich ESG-optimierte Portfolios vor 2014 um 36 Basispunkte schlechter als der Markt entwickelten. Dagegen bewirkte die ESG-Integration seit 2014 bei einem angestrebten Tracking Error von 25 Basispunkten im Durchschnitt ein Plus von drei Basispunkten pro Jahr gegenüber dem Markt.

Vorsicht bei US-Emittenten
Bei IG-Anleihen, die in US-Dollar ausgegeben wurden, sind die Ergebnisse in absoluten Zahlen enttäuschender, aber die Korrelation zwischen ESG und Performance ist positiv. ESG-Investments erreichten von 2010 bis 2019 eine schlechtere Performance als der Markt und das sowohl beim Long/Short-Ansatz, als auch bei Best-in-Class versus Worst-in-Class-Strategien oder Benchmark-gesteuerten optimierten Portfolios.

Dennoch stellt Amundi fest, dass die starke Underperformance der Jahre 2010 bis 2013 in der jüngeren Vergangenheit deutlich zurückgegangen sei: Die jährlichen Kosten für ESG-Investments betragen seit 2014 neun Basispunkte pro Jahr für Benchmark-Strategien gegenüber 24 Basispunkten in den Jahren 2010 bis 2013.

Die Studie zeigt auch, dass die Region der Emittenten wichtiger ist als die Emissionswährung. So waren ESG-Investments für IG-Anleihen europäischer Emittenten gut für die Performance, wirkten sich dagegen negativ auf die von IG-Anleihen amerikanischer Emittenten aus – unabhängig von der Währung.

Kapitalvorteil für Emittenten
Die Studie verdeutlicht die positiven Auswirkungen von ESG-Kriterien auf die Kapitalkosten von Emittenten. Amundi schätzet beispielsweise, dass im Falle von IG-Unternehmensanleihen in Euro der theoretische Unterschied von Finanzierungskosten zwischen einem Unternehmen mit der schlechtesten und einem Unternehmen mit der besten Bonität im Zeitraum von 2014 bis 2019 bei 31 Basispunkten liegt – nach Kontrolle der Kreditqualität.

Im Falle von IG-Unternehmensanleihen in US-Dollar ist die Differenz geringer, bleibt aber mit 15 Basispunkten signifikant. Diese Ergebnisse zeigen die Korrelation zwischen ESG-Investments und ESG-Finanzierungen und unterstreichen, dass ESG bei der Bewältigung ökologischer und sozialer Probleme ein Gewinnfaktor für die Emittenten ist.

Mehr ESG-Screenings gefragt
Während die ESG-Integration eine nachvollziehbare Strategie für Aktienanleger auf der Suche nach geringeren nichtfinanziellen Risiken ist, so stellt sich die Analyse von festverzinslichen Anlagen etwas komplexer dar. Amundi hat beobachtet, dass die ESG-Integration hier weniger entwickelt ist, weil diese Filter zu erheblichen Ausschlüssen oder Untergewichtungen, z.B. bei Staatsanleihen, führen können.

Das schränkt die Liquidität ein, weil die Auswahl der Anleihen hauptsächlich von drei Faktoren abhängt (Laufzeit, Spread und Liquidität). Aber angesichts der Überschussrendite, die die ESG-Integration in festverzinslichen Portfolios bietet, müssten laut Amundi Manager von Anleiheportfolios über die bloße Ergänzung ihrer Anlagen durch grüne oder soziale Anleihen sowie die Umsetzung einer Ausschlusspolitik hinausgehen.

Wendepunkt
„Im Anleihesegment befindet sich ESG an einem Wendepunkt“, sagt Eric Brard, Leiter des Bereichs Fixed Income bei Amundi: „Um ein echter ESG-Investor zu sein, muss man ESG-Screenings vollständig in Bond-Portfolios integrieren. Einfache Ausschlusskriterien oder Investments in Green und Social Bonds reichen dafür nicht aus. Investoren können im Fixed-Income-Universum einen Effekt auf Unternehmen ausüben. Es ist an der Zeit, bei der Auswahl von Anleihen und dem Aufbau von Bond-Portfolios neu über ESG nachzudenken. Sowohl Vermögensinhaber als auch Vermögensverwalter haben die treuhänderische Pflicht, ESG in ihren Anlageprozess zu integrieren.“

„Als verantwortungsvoller Vermögensverwalter haben wir die Dynamik im Bereich ESG engmaschig zu verfolgen“, ergänzt Thierry Roncalli, Leiter des Quantitatives Researchs bei Amundi. „Es ist unser Anspruch, führend bei verantwortungsbewussten Investments zu sein und unser Research sowohl zu aktualisieren als auch auf Bonds auszudehnen, für die in der Branche kaum robuste Daten verfügbar sind." (aa)

Über die Methodik
Die Forschung basiert auf quantitativen Daten von Januar 2010 bis Juni 2019 unter Verwendung von ESG-Messwerten, die von der Amundi ESG Research-Abteilung zur Verfügung gestellt werden. Für jedes Unternehmen wurden die ESG-Gesamtpunktzahl und die Bewertungen für die Kategorien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung von Amundi-ESG-Analysten bewertet, die jedes Unternehmen anhand eines von vier externen Anbietern festgelegten Punktesystems bewerteten. Die Amundi-ESG-Analysten überprüften und finalisierten die Gesamtbewertung jedes Unternehmens. Best-in-Class (Worst-in-Class) bezieht sich auf Unternehmen, die im Vergleich zu ihren Branchenkollegen die beste (schlechteste) ESG-Bewertung haben.


Amundi zählt zu den Sponsoren des 13. Institutional Money Kongresses (25. bis 26. März 2020 im Wiesbadener Congress Center). Amundis Timothée Jaulin hält einen Workshop zum Thema Green Bonds. Interessiert? Nähere Informationen sowie eine Anmeldemöglichkeit finden Sie nachfolgend.

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