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Zinsschritt der EZB um 75 Basispunkte spiegelt Ernst der Lage wider

Steigende Energiepreise treiben die Inflation auf immer neue Höhen. Das setzt die EZB massiv unter Druck und zwingt sie, die Zinsen schneller und kräftiger zu erhöhen, als sie sich dies noch zu Beginn dieses Jahres hätte träumen lassen, meint Dr. Jörg Zeuner, Chefökonom von Union Investment.

Dr. Jörg Zeuner
Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Union Investment
© Union Investment

Mit einer Zinserhöhung um 75 Basispunkte nimmt die EZB nun den größten Zinsschritt in ihrer Geschichte vor. Nur in der Finanzkrise 2008 gab es etwas vergleichbares, allerdings in die Gegenrichtung. Das zeigt den Ernst der Lage. Gleichzeitig geben die Währungshüter auch den Sparern ein deutliches Signal: Die Nullzinspolitik ist zu Ende! In den nächsten zwei Sitzungen bis zum Jahresende dürfte die EZB die Zinsen dann um weitere 50 beziehungsweise 25 Basispunkte anheben.

Zugeständnis an die Falken im EZB-Rat
Der heutige Rekord-Zinsschritt dürfte ein Zugeständnis an die Falken im EZB-Rat sein, so Zeuner weiter, damit diese nicht auf ein baldiges Ende der Refinanzierungen fälliger Anleihen aus dem APP-Wertpapierkaufprogramm drängten. Denn ein Bilanzabbau würde die Anleihen aus Euro-Peripherieländern in einer angespannten Marktlage belasten und käme darum ungelegen.

Die Aussichten für die Geldpolitik im Euroraum bleiben schwierig
Trotz des großen Zinsschrittes habe sich die Notenbank nicht sonderlich viel Spielraum verschafft. An den Märkten sei der heutige Schritt zwar bereits weitgehend eingepreist worden und habe darum vorerst kaum zu Reaktionen geführt. Zu groß seien aber die Inflationsrisiken, die von den Energiepreisen ausgingen. "Die Kapitalmärkte könnten daher über den Winter hindurch weiter von Spekulationen getrieben sein, dass die Notenbank doch noch stärker an der Zinsschraube dreht als bisher eingepreist ist. Entsprechend volatil bleibt es an den Börsen", ist Zeuner überzeugt. (kb)

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