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Zentralbankchef: PEPP-Ausweitung wegen Deflationsrisiko gerechtfertigt

Spaniens Notenbankchef Pablo Hernandez de Cos verteidigt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, ihr Pandemie-Notfall-Kaufprogramm für Anleihen zu verstärken, und verweist dabei auf die Gefahr fallender Preise.

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Pablo Hernandez de Cos, der Gouverneur der spanischen Notenbank
© Bloomberg / Bloomberg News

“Die deflationären Risiken haben zugenommen, und das ist einer der Gründe, warum die Europäische Zentralbank die von ihr ergriffenen Maßnahmen beschlossen hat - um sicherzustellen, dass dieses Risiko nicht eintritt”, sagte das EZB-Ratsmitglied de Cos in einem Interview mit Bloomberg News in Madrid. “Ich gehöre zu denjenigen, die denken, dass diese Krise im Wesentlichen disinflationär ist, in dem Sinne, dass sich einige der Probleme häufen, die wir mit der niedrigen Inflation hatten.”

Drei Szenarien
Das EZB-Basiszenario geht von einem schrumpfenden Bruttosozialprodukt im Euroraum von 8,7 Prozent aus.

Depressionsähnliche Spirale aus fallenden Preisen und Löhnen bekämpft 
De Cos Äußerungen verdeutlichen die Befürchtung, dass die Coronavirus-Pandemie den Euroraum in eine depressionsähnliche Spirale aus fallenden Preisen und Löhnen treiben könnte, wenn dem konjunkturellen Einbruch nicht entgegengewirkt wird. Staaten und Notenbanken haben beispiellose Hilfsmaßnahmen eingeleitet, um Arbeitsplätze zu retten und Unternehmen am Leben zu erhalten.

Nachfrage bleibt wohl fürs erste schwach
Hernandez de Cos erwartet, dass die Nachfrage in den kommenden Monaten schwach bleiben wird, selbst wenn die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie aufgehoben werden. Die Verbraucher dürften vorsichtig bleiben und weiterhin sparen, da sie sich Sorgen über den Verlust ihres Arbeitsplatzes oder die Gefahr eines neuen Coronavirus-Ausbruchs machten, sagte der Notenbanker und verwies auf eine hohe Korrelation zwischen Arbeitslosigkeit und Sparquoten in Spanien.

Muss die EZB bei PEPP noch einmal nachlegen?
Die EZB stockte ihr Pandemie-Kaufprogramm PEPP am Donnerstag um 600 Milliarden Euro auf und verlängerte die Laufzeit bis mindestens Juni 2021. Die Anleihekäufe werden einen großen Beitrag dazu leisten, die massiven Schuldenlasten aufzufangen, die die Regierungen im Kampf gegen die Viruskrise aufbauen. Allerdings sagen einige Ökonomen bereits, dass im Laufe dieses Jahres wohl noch nachgelegt werden muss.

The earlier, the better
“Wenn die Unsicherheit sehr hoch ist - zum Beispiel wenn das Risiko einer niedrigen Inflation oder sogar einer Deflation besteht - muss die geldpolitische Reaktion noch energischer und noch schneller sein”, sagte Hernandez de Cos. “Es hat keinen Sinn gemacht, damit bis zur letzten Minute zu zögern, wann und um wieviel sie erweitert werden. Je früher desto besser.”

PEPP hat zwei Ziele
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte auf der Pressekonferenz am Donnerstag betont, dass das Pandemie-Anleihekaufpogramm zwei Ziele verfolgt: die Marktvolatilität zu beruhigen, die zu einer Zersplitterung des Euroraums führen könnte - zum Beispiel in angeschlagenen Ländern wie Italien -, und um das Risiko zu verringern, dass die Inflation zu niedrig bleibt.

Italien gestützt
Das Problem der Marktfragmentierung “ist immer noch vorhanden, hat sich jedoch gerade als Folge dieses Programms mehr oder weniger stabilisiert”, sagte der 49-jährige Hernandez de Cos, der als künftiger Kandidat für den Präsidentenposten gehandelt wird. Die EZB hat insbesondere ihre Käufe italienischer Schuldverschreibungen verstärkt, und Hernandez de Cos sagte, die Institution werde das Programm weiterhin so flexibel wie nötig durchführen.

Kapitalschlüssel ist Benchmark, aber keine Zwangsjacke
Die Regel, dass sich die Anleihekäufe der Notenbank am Kapitalschlüssel orientieren - also im Verhältnis zur relativen Größe jeder Volkswirtschaft liegen - sollen, sei eine Richtlinie, aber keine Zwangsjacke. Dies ist eine möglicherweise kontroverse Haltung, da mit dem Kapitalschlüssel weitgehend sichergestellt werden soll, dass die EZB nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstößt. Hernandez de Cos zufolge könnte sich die Zentralbank zu einem späteren Zeitpunkt des Programm-Laufzeitfensters wieder am Kapitalschlüssel ausrichten, doch jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, um das zu entscheiden. “Der Kapitalschlüssel ist eine bestehende Benchmark, aber kurzfristig keine Beschränkung”, sagte er. “Jetzt ist es wichtig, dass wir weiterhin die volle Flexibilität des Programms ausüben, ohne den Kapitalschlüssel als Einschränkung zu betrachten.” (kb)

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