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Wie gewonnen so zeronnen: Die türkische Lira taumelt

Nachdem der türkische Notenbankpräsident Naci Agbal der Lira-Schwäche mit Zinserhöhungen begegnete, kehrte das Vertrauen der Märkte zurück. Die türkische Lira erholte sich seit Mitte November deutlich. Dank Präsident Erdogan sieht die Situation jetzt komplett anders aus.

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Im Sinkflug: die türkische Lira
© Fotolia

Die Zinserhöhung am vergangenen Donnerstag von 200 Basispunkten war Staatspräsident Erdogan dann doch zu viel. Er entließ den türkische Notenbankpräsidenten Naci Agbal nach nicht einmal fünf Monaten aus dem Amt. Das Vertrauen in die türkische Geldpolitik und deren Unabhängigkeit nahm mit dem Beschluss des Staatsoberhauptes bitteren Schaden.

Märkte goutieren die Einmischung der Politik nicht 
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Kein Wunder, dass die Lira heute Morgen mit einem ordentlichen Tritt in den Handel entlassen wird", sagt Dr. Thomas Gitzel (Bild), Chefökonom der VP Bank Gruppe. "Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, ehe die Marke von acht gegenüber dem US-Dollar wieder überschritten wird. Agbals Nachfolger ist Sahap Kavcioglu. Er ist Befürworter einer Niedrigzins-Politik und wird das Vertrauen mit einer lockeren Geldpolitik kaum zurückgewinnen."

Bald ist das Verhältnis von 8:1 bei der türkischen Lira zum US-Dollar erreicht

Quelle: Bloomberg

Hohe Fremdwährungsschulden werden so bald unbezahlbar
Da das Land unter einem großen Berg von Fremdwährungskrediten leidet, wird die Währungsschwäche zu einem akuten Problem. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegt die Auslandsverschuldung bei 62 Prozent. Laut dem Zahlenwerk der türkischen Notenbank lauten davon 57 Prozent auf den US-Dollar, 30 Prozent entfallen auf den Euro. Das Gros der Schulden liegt wiederum im türkischen Privatsektor. Vor allem Unternehmen und Banken greifen zur Refinanzierung gerne auf Auslandskredite zurück. Der größere Kapitalmarkt im Bereich des US-Dollar oder auch des Euro und die damit einhergehende größere Investorenbasis spielen dabei eine zentrale Rolle, aber natürlich auch das tiefere Zinsniveau.

Lira gleitet nun weiter südwärts und verschlimmert die Schuldendienst-Probleme
Das Problem ist: Je schwächer die Lira ist, desto größer wird der Berg an Fremdwährungsschulden. "Gerade deshalb waren die Zinserhöhungen so wichtig, denn diese stoppten die Abwertungen und stabilisierte die in heimischer Währung umgerechneten Fremdwährungsverbindlichkeiten", so Dr. Gitzel weiter. "Wir wollen es beim Namen nennen: Kehrt kein nachhaltiges Vertrauen in die türkische Geldpolitik zurück, bleibt das Risiko eines Zahlungsausfalls bestehen." Diese Gefahr sehen auch die Ratingagenturen. Bei S&P liegt die Note des Landes mit B+ am unteren Ende der Bonitätsskala. (kb)

 

 

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