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Werden russische Anleihen ausfallen? Das ist umstritten....

Da ein Großteil der Devisenreserven des Landes nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine eingefroren wurde, ist unklar, ob oder wann die Besitzer von Staats- und Unternehmensanleihen des Landes ihr Geld zurückbekommen.

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© Jo Panuwat D / stock.adobe.com

Krieg, Sanktionen, verwirrende Dekrete und unterbrochene Zahlungsketten haben russische Anleihen im Wert von 150 Milliarden US-Dollar an den Rand des Bankrotts geführt. Bloomberg News gibt einen Überblick über die drängendsten Fragen und liefert erste Antworten.

Ist Russland auf dem Weg zum Zahlungsausfall?
Vermutlich, aber das ist nicht ganz unumstritten. Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, beginnt jedenfalls, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen und nannte einen russischen Staatsbankrott jüngst “ein nicht unwahrscheinliches Ereignis”. Ein wichtiger Test sind zwei Dollar-Bonds, deren Kupons am heutigen Mittwoch fällig werden, mit einer 30-tägigen tilgungsfreien Zeit (Grace Period). Sollte es zu einem Zahlungsausfall kommen, wäre dies das erste Mal seit sich die Bolschewiki nach der Oktoberrevolution weigerten, die Schulden des zaristischen Russland anzuerkennen. Die Sowjetunion unterzeichnete erst 1986 eine Vereinbarung zur Begleichung zumindest einiger dieser Forderungen. Im Jahr 1998 geriet Russland mit 40 Milliarden US-Dollar an Inlandsschulden in Verzug, nicht aber mit Fremdwährungsanleihen.

Was sagt die russische Regierung?
Finanzminister Anton Siluanow hat wiederholt erklärt, dass Russland plant, seine Schulden in Rubel und nicht in Devisen zu begleichen, solange seine Währungsreserven nicht wieder aufgetaut würden. Etwa die Hälfte der 640 Milliarden Dollar sei nicht zugänglich. Russland hat den Prozess der Auszahlung der am 16. März fälligen Kupons eingeleitet, aber aus einer Erklärung des Finanzministeriums ging nicht hervor, ob dies in US-Dollar oder Rubel geschehen würde. Die Angst vor einem Ausfall begann, als Präsident Wladimir Putin am 5. März einen Erlass unterzeichnete, nach dem Gläubiger aus “Ländern, die feindliche Handlungen begehen”, Zins- und Tilgungszahlungen nur in Rubel erhalten können.

Da die USA, die Europäische Union und die meisten ihrer Verbündeten seit Beginn der Invasion ihre Sanktionen verschärft haben, betrifft dies die meisten ausländischen Investoren. Eine Website der Regierung enthält eine Liste von mehr als 50 “unfreundlichen” Ländern, darunter Australien, Großbritannien, Japan, die Schweiz, die USA und Mitglieder der EU wie Deutschland. Gläubiger in Ländern, die keine Sanktionen verhängt haben, können mit einer Sondergenehmigung Zahlungen in Devisen erhalten.

Ist das dann nicht ein Zahlungsausfall?
Im Prinzip ja. Eine Zahlung in einer anderen Währung als der, in der ein Bond begeben wurde, gilt als Ausfall. Immer mehr Anleger sind daher der Meinung, dass das Ereignis wahrscheinlich unvermeidlich ist. Ein Zeichen dafür, dass sich der Markt auf eine russische Zahlungsunfähigkeit einstellt, ist auch, dass die 2023 fälligen Dollar-Bonds, deren Kupon am heutigen 16. März fällig wird, laut den von Bloomberg zusammengestellten Preisen bei etwa einem Viertel ihres Nennwerts notieren.

Warum dann die Verwirrung?
Widersprüchliche Botschaften, voneinander abweichende Erklärungen und unregelmäßige Zahlungen haben Investoren zuletzt auf Trab gehalten. In den Tagen nach Putins Dekret zahlten einige der größten russischen Unternehmen ihre Verpflichtungen noch in Fremdwährungen - Gazprom und Rosneft zahlten Anleihen in Milliardenhöhe in Dollar zurück. Allerdings ist es möglich, dass die Zahlungen schon zu weit fortgeschritten waren, als dass sie von Putins Erlass betroffen gewesen wären. Norilsk Nickel, das den Palladiummarkt dominiert, hat laut Großaktionär Wladimir Potanin die Erlaubnis erhalten, Auslandsschulden in Devisen zu begleichen. Einige russische Eurobonds sehen eine so genannte “Fallback-Option” vor, die es ermöglicht, in anderen Währungen und in einigen Fällen auch in Rubel zu zahlen. Sechs Dollar- und Euro-Anleihen der Regierung verfügen laut J.P. Morgan über diesen Mechanismus - allerdings nicht die beiden, deren Kupons am 16. März fällig werden.

Was sagen die Ratingagenturen?
Russlands Staatsschulden wurden von allen großen Agenturen herabgestuft. Fitch Ratings stufte Russland auf ein C-Rating herab, was die Ansicht der Agentur widerspiegelt, dass ein “Staatsbankrott unmittelbar bevorsteht”. S&P Global Ratings hat erklärt, dass ein Unternehmen, das aufgrund von Sanktionen keinen Zugang zu Fremdwährungen hat und deshalb in einer anderen Währung zahlt, als Zahlungsausfall eingestuft werden kann. Selbst wenn die Anleger der Zahlung zustimmen, könnte dies als Zahlungsausfall gewertet werden, wenn “die Anleger weniger als den Wert der ursprünglichen Zusage erhalten”, heißt es in der Notiz.

Welche Grundsätze stehen auf dem Spiel?
Die Situation Russlands ist insofern ungewöhnlich, als die Unternehmen ihre Schulden womöglich auch dann weiter bedienen könnten, wenn der Staat ausfällt. Grundsätzlich wollen Investoren in den Währungen bezahlt werden, in denen sie Wertpapiere gekauft haben, und sie können argumentieren, dass sie durch die Auszahlung in einer anderen Währung schlechter gestellt werden. Emittenten sind außerdem verpflichtet, Gläubiger fair zu behandeln und müssen den Grundsatz “pari passu” (lateinisch für “gleichberechtigt”) einhalten, dürfen also Inhaber ein und derselben Anleihe nicht unterschiedlich behandeln.

Was können Anleger dagegen tun?
Das ist schwer zu sagen. Angesichts der sich verschärfenden Spannungen zwischen den “unfreundlichen” Staaten und Russland könnten rechtliche Schritte schwierig umzusetzen sein. Jeder Versuch, Ansprüche durchzusetzen, wird russische Vermögenswerte und russische Gerichte involvieren, aber es ist schwer zu sagen, welchen Zugang ausländische Investoren haben werden. Die Anleihen, deren Kuponzahlungen am 16. März fällig sind, unterliegen englischem Recht, was bedeutet, dass die Inhaber die russische Regierung vor einem britischen Gericht verklagen müssten, um ihre Ansprüche nach einem Zahlungsausfall durchzusetzen.

Was ist mit CDS?
Einige Anleiheinvestoren kaufen Credit-Default-Swaps (CDS) als eine Art Versicherung. Wie der Name schon sagt, sollen CDS im Falle eines Ausfalls eine Auszahlung leisten. In den Tagen nach Putins Erlass signalisierten die CDS-Preise eine Ausfallwahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent. Ein Gremium aus Banken und Investoren entschied allerdings am 11. März, dass russische Staatsanleihen im Wert von rund 13 Milliarden US-Dollar aufgrund der Rubel-Fallback-Option in sechs Eurobonds nicht in für eine Entschädigung über CDS Frage kommen könnten. (kb)

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