Wende im Commerzbank-Poker: Merz macht Weg für Unicredit frei
Bundeskanzler Friedrich Merz stellt klar, dass die Bundesregierung eine Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit nicht verhindern werde. Kritik übt er jedoch weiterhin am Vorgehen der italienischen Großbank.

Die Bundesregierung in Berlin stellt sich einer Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit nach den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz nicht in den Weg. Gleichzeitig erneuerte er seine Kritik am Vorgehen der italienischen Bank bei ihrem Annäherungsversuch.
Mit einem Anteil von weiterhin mehr als zwölf Prozent gehöre der Bund zu den Aktionären, die ihre Anteilsscheine der italienischen Bank nicht angedient haben, betonte Merz am Mittwoch (15.7.) in Berlin auf der Bundespressekonferenz. Zugleich verwies er darauf, dass sich ein "erheblicher Teil" der Investoren anders entschieden habe.
"Wir verhindern nicht diese Fusion oder diese Übernahme", stellte Merz klar. "Wir haben immer nur gesagt, die Art und Weise, wie die Commerzbank attackiert worden ist, stößt nicht auf unsere Zustimmung."
Unicredit rückt näher an die Kontrolle
Die Unicredit ist der Kontrolle über die Commerzbank näher gekommen, nachdem Investoren genügend Aktien angedient hatten, um den potenziellen Anteil der italienischen Bank einschließlich Derivaten auf 47,6 Prozent zu erhöhen. Das hatte das Mailänder Geldhaus in der vergangenen Woche mitgeteilt. Damit bleibt Vorstandschef Andrea Orcel auf Kurs, nach einer turbulenten zweijährigen Übernahmeoffensive maßgeblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen bei der Commerzbank auszuüben.
"Wir erlauben uns, die Frage auch nach dem Geschäftsmodell zu stellen, denn die Commerzbank hat eine wichtige Rolle in der Mittelstandsfinanzierung, in der Außenhandelsfinanzierung für die Bundesrepublik Deutschland", sagte Merz. "Ich würde es sehr ungerne sehen, dass diese Funktion in Zukunft nicht mehr ausgefüllt würde."
Merz sagte, er stimme zu, dass Europa große, wettbewerbsfähige Banken brauche, die in der Lage seien, mit den großen US-Instituten zu konkurrieren. Zudem entschieden die Aktionäre über die Eigentümerstruktur eines Unternehmens, nicht die Regierung. (mb/Bloomberg)