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Weltgrößter Pensionsfonds fordert besseren Markt für Green Bonds

Grüne Anleihen können ein wirksames Instrument sein, um Investitionen in Umweltprojekte voranzutreiben. Doch wenn der Markt weiter wachsen soll, muss er reformiert werden, sagt Colin Purdie, CIO Credit bei Aviva Investors, angesichts der Kritik des japanischen Government Pension Investment Fund.

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Colin Purdie, CIO Credit bei Aviva Investors
© Aviva Investors

Wenn der größte Pensionsfonds der Welt eine Botschaft hat, hören alle genau hin – etwa als Hiro Mizuno (Bild links) Skepsis gegenüber grünen Anleihen äußerte. Der CIO des 1,4 Billionen US-Dollar schweren japanischen Government Pension Investment Fund (GPIF) sagte Anfang Juli gegenüber der Financial Times, dass die Anlageklasse ohne grundlegende Reformen Gefahr laufe, „eine vorübergehende Modeerscheinung“ zu werden.

Modeerscheinung oder doch mehr?
Eigentlich sind Green Bonds – Schuldtitel zur Kapitalbeschaffung für konkrete, umweltfreundliche Projekte – weit mehr als eine Modeerscheinung. Ende der 2000er Jahre hat die Weltbank die ersten grünen Anleihen ausgegeben, seitdem ist der Markt exponentiell gewachsen. Nach Schätzungen der gemeinnützigen Climate Bonds Initiative dürfte das
Gesamtvolumen im Jahr 2019 die Grenze von 250 Milliarden US-Dollar überspringen. 2012 lag das Volumen noch bei gerade einmal 3,5 Milliarden US-Dollar.

Argumente für grüne Anleihen gibt es viele
So können Unternehmen und Regierungen mit Green Bonds Klimaprojekte finanzieren. Zudem eigenen sich die Anleihen für Investoren, die sich verstärkt im Themenfeld Umwelt, Soziales und Governance (ESG) positionieren möchten. Aber: Es bleiben grundlegende Probleme, die einer weitergehenden Etablierung dieser Anleihen entgegenstehen – und auf die Mizuno zu Recht hingewiesen hat. 

Problem: Preisgestaltung und Liquidität
Eines dieser Probleme ist, dass grüne Anleihen in der Regel relativ kleine Volumen haben: Das Emissionsvolumen ist im Durchschnitt etwa fünfmal geringer als bei vergleichbaren ‚Standardprodukten‘. Zudem dominieren Emittenten mit AAA-Rating. Das schränkt die Diversifikations- und Auswahlmöglichkeiten für die Anleger ein. Unter dem Strich sind Green Bonds also schwerer zu handeln als herkömmliche Wertpapiere mit gleicher Bonität. Aus Sicht der Emittenten kann die Platzierung grüner Anleihen zudem teurer sein: So schlagen etwa Kosten für arbeitsintensive Berichtspflichten und die Überprüfung durch Dritte zu Buche. Hinzu kommt: Die Aufmerksamkeit richtet sich oft nur auf prestigeträchtige Emissionen. Diese sind dann stark überzeichnet, so dass die Emittenten die Fremdkapitalkosten senken können. Ein gutes Beispiel dafür ist die Green Bond-Emission des US-Telekommunikationsriesen Verizon  im Februar 2019. Diese hatte ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar. Analysen
der Ratingagentur S&P haben jedoch wenig Hinweise auf eine allgemeine ‚grüne Prämie‘ gefunden. Auf jeden Fall ist es für Investoren schwierig, für grüne Anleihen mehr zu bezahlen als für traditionelle oder ‚braune‘ Anleihen desselben Emittenten.

GPIF sieht Lose-Lose-Situation
Mizuno würde die Bestände von GPIF an grünen Anleihen gerne aufstocken, um Umweltprojekte zu unterstützen. Gegenwärtig sind es aus seiner Sicht jedoch „Lose-Lose“-Produkte. Diese müssten neu gestaltet werden, um sie für Emittenten und Investoren gleichermaßen attraktiver zu machen.

Vereinheitlichung der grünen Standards eingemahnt
Diese wäre zunächst eine freiwillige Richtlinie, doch durch die Einbindung der EU würden die Emittenten die Norm de facto einhalten müssen. Gleichzeitig würde dies eine globale Harmonisierung fördern. China hat bereits signalisiert, den EU Green Bond Standard verwenden zu wollen, um europäisches Kapital anzuziehen. Zudem wird Peking die so genannte ‚saubere Kohle‘ aus der Liste der anerkannten Projekte für grüne Anleihen in
naher Zukunft streichen – ein Schritt in die richtige Richtung. 

Sicherheitsnetz: Was passiert, wenn Standardsnicht eingehalten werden?
Drittens sollten Green Bond-Kontrakte mit einem „Sicherheitsnetz“ ausgestattet werden. Denn die meisten Verträge enthalten keine Bestimmungen für den Fall, dass ein Emittent gegen seine Zusagen verstößt – und für die Anleger herrscht Unsicherheit, welche Rechtsmittel möglich sind. Um dieses Risiko zu verringern, sollten Verträge standardisierte Regelungen enthalten, wie bei Verstößen gegen den vereinbarten Verwendungszweck vorzugehen
ist. Diese Regelungen sollten zudem die Interessen von Investoren und Emittenten in Einklang bringen. Auch Mechanismen zur Beilegung von Streitigkeiten sind wichtig. 

ESG zählt
Diese drei Punkte können dazu beitragen, das Wachstum grüner Anleihen zu beschleunigen – und dadurch Klimaschutzprojekte zu fördern und „Green Finance“ als seriöse Geldanlage zu etablieren. Doch das wird nicht ausreichen, um das Kapital für die Bekämpfung des Klimawandels aufzubringen. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass jährlich weltweit rund eine Billion US-Dollar benötigt werden, um den Übergang zu einer CO2-freien Wirtschaft  zu finanzieren. Wenn grüne Anleihen wirklich etwas bewirken sollen, dürfen sie nicht als „Deckmäntelchen“ für Emittenten und Investoren genutzt werden, die Umweltbewusstsein zeigen möchten, ohne ESG-Kriterien wirklich in ihren Organisationen zu verankern.

Vorbild Aktionäre
"Genau wie die Aktionäre sollten auch die Anleiheinvestoren mit allen emittierenden Unternehmen und Regierungen zusammenarbeiten. Sie sollten den Einsatz bewährter Vorgehensweisen hinsichtlich ESG sicherstellen – nicht nur bei den ausgewählten Projekten, die durch grüne Anleihen finanziert werden. Grüne Anleihen müssen Teil der breiteren
Bewegung zur Beachtung von ESG-Kriterien im gesamten globalen Finanzbereich sein. Nur dann können wir sicherstellen, dass Green Bonds mehr als nur eine vorübergehende ‚Modeerscheinung‘ sind", sagt Colin Purdie. (kb)

 

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