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Weidmann: EZB wird nicht bewusst Inflation über zwei Prozent anstreben

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann betonte am Freitag, dass die Europäische Zentralbank (EZB) seiner Auffassung nach nicht bewusst versuchen werde, Inflationsraten von über zwei Prozent herbeizuführen, um damit vorangegangene Perioden mit geringerer Teuerung auszugleichen.

Jens Weidmann
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann
© Bundesbank

In einem Kompromiss zwischen den verschiedenen geldpolitischen Standpunkten in ihrem Entscheidungsgremium hatte die EZB gestern nach 18-monatiger Debatte ihr neues Inflationsziel von zwei Prozent bekanntgegeben und dabei eingeräumt, dass es in Zukunft vorübergehend überschritten werden kann wenn die Zinsen, wie derzeit, nahe der unteren Grenze sind. Vor der Bekanntgabe hatten Volkswirte und Investoren gemutmaßt, die Währungshüter könnten der Fed folgen und die durchschnittliche Inflation als Ziel festlegen, was das Überschießen nach Phasen niedrigerer Preissteigerungen automatisch zur Folge hätte. Dem erteilte Weidmann eine Absage.

Nach vorne schauen
“Wir streben weder niedrigere noch höhere Raten an. Das war mir wichtig”, so Weidmann in einer schriftlichen Stellungnahme. “Vorübergehend kann es zu Abweichungen vom Ziel in die eine oder andere Richtung kommen. Aber wir machen unsere Geldpolitik nicht von Zielverfehlungen in der Vergangenheit abhängig.”

Zeitenwechsel
Die EZB plant nach einer Dekade der Nichterreichung des Inflationsziels einen Ausweg.

“Unsere Strategie bleibt nach vorne gerichtet und berücksichtigt die neue Herausforderung der effektiven Zinsuntergrenze”, fügte Weidmann hinzu.

Eiertanz
Die Bemerkung zeigt, wie Präsidentin Christine Lagarde beiden Seiten der Debatte die Möglichkeit eingeräumt hat, ihren Punkt anzubringen. Das sollte ein gewisses Grad an Harmonie in den 25-köpfigen Rat von Mitgliedern aus 19 Ländern zurückbringen. Lagarde selbst hob gestern explizit hervor, dass die EZB keine Durchschnittsinflation anstrebe.

Symmetrisches Ziel wie die Fed
Allerdings sagte das finnische Ratsmitglied Olli Rehn am Freitag, auch wenn die Ziele unterschiedlich seien, werde die daraus resultierende Politik der EZB im Angesicht von Schocks wohl ähnlich der der Fed aussehen. “Wir haben beide ein symmetrisches Ziel”, sagte Rehn. Das neue Ziel erlaube es außerdem, auch andere Ziele wie etwa Vollbeschäftigung einzubeziehen. Der französische Gouverneur Francois Villeroy de Galhau sagte in einem Interview mit Boursorama, dass die genaue Bedeutung der Formulierung von einem vorübergehenden Überschießen noch diskutiert werden müsse. “Wir haben diese Dauer nicht besprochen, keine Zahlen. Es ist alles eine Sache des Kontexts.” (kb)

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