Versorgungswerk zieht wegen Milliardenverlusts vor Gericht
Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) zieht wegen eines Milliardenverlusts gegen Berater und andere Beteiligte vor Gericht. In einem ersten Schritt soll gegen zwölf involvierte Parteien der Rechtsweg beschritten werden. Auch die eigene Aufsicht soll nun für gemachte Fehler büßen.

Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) hat ein gerichtliches Verfahren eingeleitet, um seine Verluste von mehr als einer Milliarde Euro gegen Berater, frühere Verantwortliche und auch gegen das Land Berlin geltend zu machen. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.
Feststellungsklage
Der Pensionsfonds beantragte beim Kammergericht in Berlin, das Landgericht II der Hauptstadt als zuständig zu erklären für eine Feststellungsklage, die sich gegen zwölf Parteien richten soll. In dem Schriftsatz, der Bloomberg News vorliegt, listen die Anwälte des VZB unter anderem die ApoBank in Düsseldorf und die Hamburger Niederlassung von Forvis Mazars als Gegner auf, wie die Nachrichtenagentur in ihrem Bericht anmerkt.
Der Antrag, der sich auch gegen neun ehemalige VZB-Vertreter richtet, wurde Ende Dezember eingereicht. Ein Sprecher des Kammergerichts wollte nichts dazu sagen, ob ein solcher Schriftsatz eingegangen ist. Grundsätzlich äußerten Gerichte sich erst dann zu einem Verfahren, wenn alle Beteiligten benachrichtigt seien, fügte er hinzu.
Sprecher von Forvis Mazars und der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege erklärten, ihnen sei ein solcher Antrag nicht bekannt. Die ApoBank erklärte, sie könne sich nicht zu Kundenangelegenheiten äußern, weise aber die Vorwürfe zurück, das Kreditinstitut sei für etwaige Verluste der VZB verantwortlich.
Milliardenschwerer Verlust
Das VZB, das die Altersversorgung für mehr als 10.000 Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen betreut, hat Verluste von rund 1,1 Milliarden Euro bekanntgegeben. Das ist etwa die Hälfte des Ende 2024 verwalteten Vermögens von rund 2,2 Milliarden Euro.
Das Versorgungswerk hatte die ApoBank beauftragt, zu Anlagerisiken zu beraten, und wirft der Bank nun vor, diese Pflichten verletzt zu haben, wie Bloomberg schreibt.
Forvis Mazars war Abschlussprüfer der VZB und hatte außerdem zu einigen Vermögenswerten beraten, dabei allerdings “Gefälligkeitsgutachten” vorgelegt, heißt es laut Bloomberg in der Antragsschrift.
Laut VZB komme eine Haftung des Landes Berlin in Betracht, weil die Senatsverwaltung das Versorgungswerk nicht entsprechend der gesetzlichen Vorgaben beaufsichtigt habe.
Niedrigzinsphase verführte zu riskanteren Investments
Der Fall der VZB ist das bisher extremste Beispiel für die schleichende Krise, die mehrere deutsche Versorgungseinrichtungen erfasst hat, die in riskante Finanzanlagen investierten, um die durch jahrelange Niedrigzinsen geschmälerten Renditen zu stützen. Einige dieser Anlagestrategien haben seit der Zinswende erhebliche Verluste erlitten.
VZB investierte in Hotels, Ferienanlagen und Start-up-Unternehmen, einschließlich eines digitalen Versicherers und sogar in eine Garnelenzucht. Insolvenzen einiger dieser Unternehmen führten zu Verlusten in Höhe von 274 Millionen Euro, während separate Abschreibungen auf die zwölf größten Beteiligungen des VZB insgesamt 791 Millionen Euro betrugen, wie aus einer internen Präsentation hervorgeht, die Bloomberg vorliegt.
Vorwurf: Nicht genau genug hingesehen
Rund ein Drittel der vom VZB verwalteten Vermögenswerte bestand aus Krediten und Schuldscheinen. Weil die Empfänger nicht kreditwürdig waren oder Sicherheiten fehlten, seien diese Investments nicht zulässig gewesen, so die Versorgungskammer. Forvis Mazars und ApoBank, die Risiken zu analysieren hatten, hätten Alarm schlagen müssen, argumentieren die Anwälte der VZB.
“Hätte der Abschlussprüfer auch nur einzelne wenige stichprobenhafte Untersuchungen aus der Vielzahl von Darlehen vorgenommen, wäre ihm sofort und unmittelbar weil offenkundig die Unzulässigkeit der Darlehensvergaben aufgefallen,” so die Prozessvertreter der VZB. (aa)

