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163-Millionen-Euro-Mistrade: Spannendes Verfahren gestartet

Vor dem Landgericht Frankfurt begann der Prozess um einen millionenschweren Mistrade mit Zertifikaten. Ein peinlicher Schitzer eines ihrer Mitarbeiter könnte die BNP Paribas teuer zu stehen kommen.

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Das Landgericht Frankfurt hat sich am 15. Mai in einer mündlichen Verhandlung mit dem Fall eines möglichen Bankirrtums zugunsten eines Kunden in Höhe von 163 Millionen Euro befasst. Ein Urteil ist aber noch nicht gefallen, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) schreibt.  

Der Fall ist einigermaßen skurril: Eine Kunde der BNP Paribas hatte an einem Freitag im vergangenen Jahr über die Bank 3.000 Zertifikate gekauft. Der Preis für das strukturierte Papier war zum Zeitpunkt der Ordereingabe im Handelssystem mit 108 Euro angegeben worden. Später stand der Preis aber bei 54.000 Euro, sodass der glückliche Anleger zumindest kalkulatorisch rund 163 Millionen Euro besaß.

"Fat finger"
Ursache des Fehlers war ein sogenannter "Fat-finger error": Ein Mitarbeiter der Bank hatte das Papier freitags zu einem falschen Preis ins Handelssystem gestellt – 108 Euro statt der korrekten 54.000 Euro. Der Fehler war über das anschließende Wochenende nicht aufgefallen, und auch nicht bis 11 Uhr am folgenden Montagmorgen. Dann lief nämlich die Frist ab, innerhalb derer die Bank den Fehler hätte melden und rückgängig machen können. Da sie das versäumte, klagte der Kunde auf Erfüllung des Kaufes oder auf Zahlung von Schadensersatz.

Bei dem Gerichtstermin stand laut der FAZ die Frage im Vordergrund, welches Gericht überhaupt zuständig ist. Die Bank, vertreten durch die internationale Rechtsanwaltskanzlei Linklaters, hält das Gericht in Frankfurt für nicht zuständig und möchte ein Verfahren nach französischem Recht am Sitz der Bank in Paris führen. 

Der Kläger wiederum poche auf ein deutsches Gericht, da der Kauf mit Gerichtsstand Frankfurt und nach den oben beschriebenen deutschen "Mistrade"-Regeln erfolgt sei. Offenbar befürchtet er, dass die Regeln in Frankreich die Bank bevorzugen würden. Im August oder September geht es weiter – vorerst in Frankfurt. (jb)

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