Verluste des VZB lösen Aufsichtsdebatte aus
Die zum Teil schiefgegangenen Investments des Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) rufen nicht nur Kritiker, sondern auch die Politik auf den Plan.

Eckpunkte:
- Verluste des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB) machen Aufsicht und Politik hellhörig
- Regierung denkt Reformen an
Berliner Zahnärzte vertrauten ihre Altersversorgung einer Gruppe von Kollegen an, die wohl mehr Erfahrung mit der Behandlung von Karies als mit der Verwaltung von Geld hatten. Von ihren gesammelten 2,2 Milliarden Euro an Pensionsgeldern ist nun die Hälfte weg. Das ist einem Bloomberg-Kurzbericht zu entnehmen.
Alternative Investments gingen vielfach schief
Ein Gremium aus Zahnärzten und Kieferchirurgen segnete ab, dass das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) mehr als 70 Prozent seines Kapitals in Privatkredite, nicht börsennotierte Unternehmen und Immobilien steckte – und ignorierte dabei laut Bloomberg alle gängigen Investitionsempfehlungen.
Mehrere Engagements scheiterten, darunter ein kalifornisches Kunststoffrecyclingunternehmen, eine norddeutsche Garnelenzucht und ein Berliner Versicherungs-Startup. Teilweise wurde weiteres Kapital nachgeschossen, um den Unternehmen Zinszahlungen auf andere Schulden zu ermöglichen. "Kein No-Go, das nicht ausgelassen wurde, so scheint es", merkt Bloomberg an.
Aufarbeitung
Während der VZB rechtliche Schritte gegen seinen ehemaligen Wirtschaftsprüfer, die beratende ApoBank, das Land Berlin als Aufsichtsbehörde und gegen frühere Mitglieder der Leitungsgremien eingeleitet hat, ist eine Debatte um Governance und Kontrolle berufsständischer Versorgungswerke in Deutschland entfacht.
Niedrigst- und Negativzinsen nötigen Institutionelle zu höheren Risiken
Es gibt mehr als 90 von ihnen in Deutschland, sie verwalten rund 300 Milliarden Euro. Historisch agierten sie risikoavers und investierten vor allem in festverzinsliche Wertpapiere. Doch in der Niedrigzinsphase weiteten viele ihre Anlagen in Immobilien sowie private Firmenbeteiligungen und Kredite aus. Ihre durchschnittlichen Renditen lagen laut Gesellschaft für Analyse und Consulting in den vier Jahren ab 2021 bei etwa 3,2 Prozent. Im Vergleich dazu lag die durchschnittliche Renditeerwartung öffentlicher US-Pensionskassen seit 2021 bei sieben Prozent.
Regierung denkt "Paradigmenwechsel" an
Bundeskanzler Friedrich Merz möchte Blooomberg zufolge noch in diesem Jahr Reformen auf den Weg bringen, um das gesamte System, wie in Deutschland für das Alter gespart wird, nachhaltiger zu gestalten. Dazu gehöre ein “Paradigmenwechsel”, bei dem mehr Gewicht auf private und betriebliche Altersvorsorge gelegt werde. Die Versorgungswerke werden bislang von den Bundesländern beaufsichtigt. Doch nun gibt es erste Rufe, diese Aufgabe der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zu übertragen. (aa)

