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US-Fondsriese ersetzt Stimmrechtsberater durch KI

J.P. Morgan Asset Management verlässt sich nicht mehr auf das Urteil von Stimmrechtsberatern. Die Fondsgesellschaft setzt bei Abstimmungen auf Hauptversammlungen künftig auf ein KI-gestütztes Werkzeug. Der Schritt gilt jedoch nur für den Heimatmarkt – und hat eine politische Dimension.

© fotomek / stock.adobe.com

Die US-Fondsgesellschaft J.P. Morgan Asset Management beendet die Zusammenarbeit mit externen Stimmrechtsberatern. Ab der kommenden Hauptversammlungs-Saison will das Haus stattdessen eine interne, durch künstliche Intelligenz (KI) gestützte Plattform namens Proxy IQ einsetzen. Dies berichten übereinstimmend der Nachrichtensender "CNBC" sowie die Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal". Eine Sprecherin von J.P. Morgan AM teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass dieser Schritt nur für den US-Markt gelte.

Stimmrechtsberater wie Institutional Shareholder Services (ISS), die mehrheitlich der Deutschen Börse gehört, oder Glass Lewis unterstützen Investoren bei der Frage, wie sie zu den einzelnen Tagesordnungspunkten bei Hauptversammlungen abstimmen sollen. Auch viele Fondsgesellschaften beziehen die Urteile dieser Ratgeber ein. Manche Investoren verlassen sich in vielen Punkten auch weitgehend auf die Empfehlungen der Berater, da sie aufgrund der Fülle an einzelnen Abstimmungsfragen nicht alle einzeln selbst prüfen können.

Analyse von 3.000 Hauptversammlungen
J.P. Morgan AM nimmt in den USA diese Prüfung nun aber komplett in die eigene Hand, heißt es in den Berichten. Einer internen Mitteilung des Hauses zufolge soll das KI-Werkzeug auf den Daten von mehr als 3.000 Hauptversammlungen fußen, die jedes Jahr stattfinden. Das Tool soll daraus Empfehlungen für die Portfoliomanager der Gesellschaft ableiten. J.P. Morgan AM ist demzufolge der erste große Vermögensverwalter, der komplett auf externe Stimmrechtsberater verzichtet.

Zuletzt waren die Stimmrechtsberater in den USA von der Regierung unter Präsident Donald Trump angegriffen worden. Trump sagte etwa, die Stimmrechtsberater würden "regelmäßig ihre beträchtliche Macht nutzen, um radikale, politisch motivierte Agenden voranzutreiben und zu priorisieren". Dazu zählen für Trump Themen wie Diversität, Inklusion oder Umweltbelange. (ert)

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