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Unternehmen verklagt Ratingagentur wegen mieser Nachhaltigkeitsnote

Ein Darmstädter Optikkonzern setzt sich juristisch gegen ein miserables Nachhaltigkeitsrating zur Wehr. Dabei geht es auch um die Frage, ob Ratingagenturen Unternehmen einen Mangel an öffentlichen Informationen automatisch negativ auslegen dürfen.

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Die auf Nachhaltigkeit spezialisierte Ratingagentur ISS ESG ist in einen Rechtsstreit verwickelt, der ein Schlaglicht auf die boomende Branche der "Öko"-Ratings wirft. Die Agentur hatte einen Brief an den Darmstädter Optikkonzern Isra Vision geschrieben, berichtet das "Handelsblatt". Darin fragte ein Analyst, ob sich das Unternehmen an der Erstellung eines Ratings beteiligen wolle. Isra Vision ignorierte die Nachricht – und bekam zwei Wochen später das Bewertung "D-" verpasst – die schlechteste Note, die ISS ESG an Unternehmen vergibt.

Der Optikkonzern sah sich ungerecht behandelt und erwirkte mit Hilfe seiner Anwälte im Schnellverfahren ein Verbot des Ratings. Am Dienstag (10. März) begegneten sich das Unternehmen und die Ratingagentur vor dem Landgericht München. Das Urteil fällt erst in zwei Wochen, bis dahin bleibt das Verbot bestehen. "Uns geht es nicht darum, Nachhaltigkeitsratings zu verhindern. Aber wir wollen, dass sauber und sinnvoll berichtet wird", erklärte Jens Matthes, Anwalt von Isra Vision, dem "Handelsblatt".

Braucht man Schutz vor Giftstoffen, die es nicht gibt?
Der Zeitung zufolge handelt es sich bei dem laufenden Rechtsstreit um das erste Mal, dass sich in Deutschland ein Unternehmen juristisch gegen ein ESG-Rating wehrt. Der Fall könnte ein Fanal setzen. Im Zuge des Nachhaltigkeitsbooms gewinnen Öko-Noten von Anbietern wie Sustainalytics, ISS ESG und MSCI für Investoren – und auch für die benoteten Unternehmen respektive ihre Wertpapiere –  immer stärker an Bedeutung. Die Münchner Richter müssen nun beurteilen, ob die schlechte Bewertung für Isra Vision womöglich unbegründet ist, das Rating damit nicht aussagekräftig.

ISS ESG hat nach der Abmahnung der Darmstädter die Note auf "D" angehoben. Diese immer noch schlechte Bewertung steht den Anwälten von Isra Vision zufolge aber auf tönernen Füßen: So hagelte es miese Noten in Kategorien, die im Tagesgeschäft des Unternehmens angeblich überhaupt keine Rolle spielen. Es gebe keine oder nur unzureichende Informationen darüber, ob Arbeiter vor giftigen Stoffen geschützt würden, urteilte etwa eine ISS-Analystin. Bei Isra Vision werde aber überhaupt nicht mit giftigen Stoffen gearbeitet, kontern die Anwälte.

Fehlende Angaben schlagen sich im Gesamtergebnis nieder
Der Hinweis auf fehlende Informationen sei für professionelle Anleger ebenso wichtig wie die Informationen selbst, argumentiert ISS ESG. Berücksichtige man fehlende Informationen nicht, verfälsche man das Gesamtergebnis. Letztlich werden die Richter wohl die Frage klären müssen, ob es gerechtfertigt ist, dass Firmen meist automatisch die schlechteste Note bekommen, wenn sie zu bestimmten Kategorien keine öffentlichen Angaben machen. (fp)

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