UBS-Chef Ermotti warnt: Schweizer Bankenreformen gehen "zu weit"
Die von der Schweiz geplanten, hohen Eigenkapitalunterlegungen für die UBS Group zur Vermeidung zukünftiger finanzieller Schieflagen gehen zu Lasten der Rentabilität und werden daher vom UBS-Top-Management abgelehnt.

Die von der Schweiz geplanten neuen Bankenreformen gehen nach Einschätzung von UBS-Chef Sergio Ermotti “zu weit”. Das Institut sei für weiteres Wachstum auf einen wettbewerbsfähigen Regulierungsrahmen angewiesen, wie Bloomberg berichtet.
“Dies ist nun ein politischer Prozess”, sagte Ermotti am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg TV in Shanghai. “Wir hoffen, dass wir in der zweiten Jahreshälfte mehr Klarheit bekommen.”
Ermotti, der in China eine jährliche Konferenz für Investoren und Kunden ausrichtete, äußerte sich zugleich optimistisch zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Bank habe ihr Kapital in China erhöht und plane, in ganz Asien, einschließlich Japan, breit einzustellen, sagte er.
Mit Blick auf die Schweiz erklärte Ermotti, er könne “nicht zuversichtlich sein”, dass es eine für die UBS akzeptable Lösung geben werde. Zugleich sei er “froh zu sehen, dass es politisches Interesse gibt, tiefer einzusteigen und die Details vollständig zu verstehen”.
Zudem sagte er, die UBS sei “stolz darauf, eine Schweizer Bank zu sein”.
Noch viel Überzeugungsarbeit notwendig
Die Führung der Bank versucht, die Schweizer Regierung davon zu überzeugen, geplante regulatorische Änderungen abzuschwächen, die der Bank zusätzliche Kapitalanforderungen von bis zu 26 Milliarden Dollar auferlegen könnten. Die UBS prüft seit dem vergangenen Jahr Optionen im Zusammenhang mit den Schweizer Kapitalvorgaben und soll Berichten zufolge Gespräche mit dem US-Finanzminister Scott Bessent über eine mögliche Verlagerung des Hauptsitzes geführt haben.
Im vergangenen Monat legte eine Gruppe Schweizer Parlamentarier einen Kompromissvorschlag vor, der es der UBS erlauben würde, für 50 Prozent der Mittel zur vollständigen Absicherung ihrer Auslandseinheiten AT1-Anleihen zu nutzen, statt teureres hartes Kernkapital (Common Equity Tier 1).
Die UBS erklärte am Vortag, die geplanten Schweizer Reformen stellten eine Bedrohung für die nationale Wirtschaft dar. In der derzeitigen Form würde der Plan zudem “die Fortführung des erfolgreichen UBS-Geschäftsmodells gefährden”.
Wachstum in Asien
In Asien will die Bank in diesem Jahr rund 100 Mitarbeiter im Wealth Management einstellen und hat das Kapital ihres China-Geschäfts zur Unterstützung einer Expansion erhöht, sagte Ermotti. Zudem plane die Bank die Emission einer sogenannten Panda-Anleihe in China zur Kapitalaufnahme.
“Wir sehen mehr Interesse aus dem Ausland, was auf die Dynamik des chinesischen Marktes hinweist”, sagte er. “Wir glauben, dass sich dies fortsetzen wird. Der strukturelle Trend, der China beim Wachstum in den Bereichen Innovation, Technologie und Biotechnologie unterstützt, ist gekommen, um zu bleiben.”
Integration der Credit Suisse schreitet voran
Die UBS schließt zudem die Integration der Credit Suisse ab und strebt an, alle globalen Kunden bis zum Ende des ersten Quartals auf das UBS-System zu migrieren, sagte Ermotti. In einem nächsten Schritt würden einige IT- und Rechenzentren geschlossen, um Synergien zu schaffen, was zu einem Personalabbau führe.
“Wir werden dies mit weniger als 3.000 Stellenstreichungen zwischen jetzt und Anfang 2027 bewältigen”, sagte er.
Der CEO plane, im April 2027 zurückzutreten, berichtete die "Financial Times" am Dienstag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Ermotti hatte 2024 erklärt, er wolle an der Spitze der Bank bleiben, bis die Übernahme der Credit Suisse abgeschlossen sei, was Ende 2026 oder Anfang 2027 der Fall sein könnte. (aa)

