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Stellt die EZB die Zwei-Säulen-Strategie zur Disposition?

Die EZB denkt offenbar daran, eine ihrer Traditionslinien zur Geldpolitik der Bundesbank abzuschwächen oder ganz zu kappen. Das Geldmengenwachstum - eine Hälfte der Zwei-Säulen-Strategie der EZB zur Beurteilung der Wirtschaftslage - habe sich als schlechter Indikator für die Inflation erwiesen.

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Ex-EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing entwickelte die Zwei-Säulen-Strategie der EZB, die nun offenbar auf den Prüfstand kommt.
© Archiv

Eine Fokussierung auf die Kreditvergabe oder die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Finanzstabilität sei möglicherweise angemessener, hieß es aus gut informierten Kreisen, die Bloomberg News um Anonymität baten. 

Geldmengenwachstum in der Eurozone führt nicht zum Anstieg der Inflation
Die Debatte über die Zwei-Säulen-Strategie, entwickelt vom früheren EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing, veranschaulicht, dass bei der anstehenden Überprüfung der Notenbankstrategie tatsächlich wie von EZB-Präsidentin Christine Lagarde angekündigt “jeder Stein umgedreht wird”. Dabei soll das Inflationsziel der Zentralbank unter die Lupe genommen, aber auch andere Themen wie Klimawandel und digitalen Währungen werden erörtert.

Formeller Start der Überprüfung erfolgt wohl im Januar
Der EZB-Rat werde die Strategie-Überprüfung voraussichtlich im Januar formell vereinbaren, erklärten die Personen und wiederholten damit, was Lagarde vergangene Woche gesagt hatte. Noch sei keine Entscheidungen darüber gefallen, wie der Prozess strukturiert werden soll, hieß es weiter. Der Ausschuss für Geldpolitik, ein Gremium aus Vertretern der EZB und der Euroraum-Zentralbanken, werde dabei wahrscheinlich federführend sein, verlautet aus Insider- Kreisen.

Abwertung/ Herabstufung der monetären Analyse wäre große technische Veränderung
Es hätte auch Symbolkraft, wenn diese seit der Gründung der Zentralbank bestehende Verbindungen zur Bundesbank aufgehoben würde. Die deutsche Notenbank, Vorbild für weite Teile des EZB-Konzepts, setzte sich ab Mitte der 1970er Jahre ein Geldmengenziel, um die Inflation zu kontrollieren.

Nützlichkeit des Prinzips wird von manchen schon lange in Frage gestellt
Dennoch hat die monetäre Analyse noch ihre Anhänger, nicht zuletzt bei der Bundesbank selbst. Deren Präsident Jens Weidmann erklärte in einer Rede im Jahre 2017, dass Geldmengen- und Kreditaggregate “gute Indikatoren für finanzielle Ungleichgewichte” seien und die monetäre Säule der geldpolitischen Strategie des Eurosystems daher “nichts an Bedeutung verloren” hätte. (kb)

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