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Startschuss für Projekt "Digitaler Euro" erteilt

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat das Projekt «Digitaler Euro» in Angriff genommen. Es geht nun um die konkrete Ausgestaltung des digitalen Geldes.

Dr. Thomas Gitzel
Chefökonom Dr. Thomas Gitzel
© VP BANK Gruppe

"Je mehr Menschen bargeldlos bezahlen, desto mehr muss die EZB selbst umdenken. Gerade die technik-affine junge Generation steht neuen Geldformen offen gegenüber", merkt Dr. Thomas Gitzel, Chefsvolkswirt der VP Bank, an. "Die Zentralbank möchte privaten Anbietern nicht das Feld überlassen. Noch in diesem Jahr soll die an den US-Dollar gekoppelte und von Facebook initiierte Digitalwährung «Diem» in einem Pilotversuch auf den Markt kommen. Mit der Kopplung an den US-Dollar hebt sich Diem auch von Bitcoin & Co. ab. Er soll zu einem alternativen Zahlungsmittel werden. Gerade deshalb wird der Druck auf die Zentralbanken stärker, selbst in diesem Segment tätig zu werden."

Digitaler Euro darf nicht in einen Topf mit den Krypto-Währungen geworfen werden
Mit ihm wäre es Privaten und Unternehmen möglich, ein Konto bei der Zentralbank zu unterhalten, ähnlich denjenigen der Geschäftsbanken. Das bei der EZB gebuchte Guthaben stünde für bargeldloses Bezahlen bereit. Dies könnte etwa mittels einer Zahlkarte oder eines Smartphones geschehen. Solche Details sind aber noch nicht geklärt.

Überführung des Bargelds in die digitale Welt
Letztlich werde also das Bargeld in Form von Münzen und Scheinen in die digitale Welt überführt, so Dr. Gitzel weiter. Konkret bedeute dies: Private hätte weiterhin eine Forderung gegenüber der Notenbank und nicht etwa gegenüber einer Geschäftsbank, wie es bei Giroguthaben der Fall ist. Liquiditäts-, Kredit- und Marktrisiko würden entfallen.

EZB tut gut daran, dieses Projekt auf die Gleise zu bringen
Die private Konkurrenz schläft nicht. Gitzel dazu: "Der als Zahlungsmittel konzipierte Diem wird vermutlich nicht alleine bleiben. Die europäischen Währungshüter müssen deshalb nicht nur gründlich, sondern auch schnell sein. Die größte Herausforderung ist es, mit dieser neuen Form des Geldes auf eine breite Akzeptanz zu stoßen. Die Funktionsweise muss also einfach sein."

Was die Deutsche Kreditwirtschaft zum Digitalen Euro sagt 
Sie begrüßt die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), ein Projekt zur Vorbereitung eines digitalen Euros zu starten. Diese Initiative stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Euro und seines Währungsraums sowohl gegenüber anderen Währungsräumen, deren Notenbanken bereits intensiv an digitalem Zentralbankgeld / Central Bank Digital Currencies (CBDC) arbeiten, als auch gegenüber privaten Initiativen wie Diem, die herkömmlichem Zentralbankgeld den Rang ablaufen wollen.  

„Ein digitaler Euro ist wesentlich für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und seiner Unternehmen in einer immer stärker digitalisierten Geschäftswelt. Ein digitaler Euro wie ihn die EZB andenkt, reicht dafür nicht aus. Es braucht zusätzlich sowohl tokenisiertes Giralgeld als auch tokenisiertes Zentralbankguthaben, um die Volkswirtschaft sicher in die Zukunft zu begleiten. Banken und Sparkassen in Deutschland und Europa haben eine zentrale Rolle im Wirtschaftskreislauf und leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der effizienten Versorgung von Unternehmen und Verbrauchern mit Finanzmitteln. Diese stabile und wertvolle Liquiditätsversorgung kann nur erhalten bleiben, wenn die EZB alle drei heutigen Geldarten in das Projekt einbezieht“, sagt Dr. Joachim Schmalzl (Bild), Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), des aktuellen Federführers der Deutschen Kreditwirtschaft.

Anforderungen an den Digitalen Euro sind hoch
Der digitale Euro sollte aus Sicht der Deutschen Kreditwirtschaft ein zeitgemäßes, für alle Bürger des Euroraums einfach zugängliches, komfortables und für den Alltagsgebrauch inklusive E-Commerce einsetzbares Zahlungsmittel sein. Er muss für Verbraucher funktionieren wie eine digitale Banknote. Wie Bargeld sollte er weder verzinst noch programmierbar sein. Auch sollte ein digitaler Euro offlinefähig sein, sodass Zahlungen ohne Internetzugang erfolgen können. Der digitale Euro sollte den Menschen in Europa durch Kreditinstitute über elektronische Portemonnaies, sogenannte ‚CBDC-Wallets‘, zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollte die Menge an digitalen Euro durch eine Obergrenze pro Wallet limitiert werden, die sich beispielsweise am typischen Zahlungsbedarf orientieren könnte. Nicht zuletzt muss die EZB in ihrem Projekt die Anonymität des digitalen Euro betrachten, die Verbraucher am Bargeld sehr schätzen.  

Die Deutsche Kreditwirtschaft hatte ihre Vorschläge für ein Ökosystem innovativer Geldformen Anfang Juli 2021 in einem Grundlagenpapier skizziert. Darin hatte sie sich dafür ausgesprochen, bei der Einführung eines digitalen Euro über CBDC für Verbraucher hinaus zu denken und Giralgeldtoken sowie weitere innovative digitale Geldformen einzubeziehen.  (kb)

 

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