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SFDR: Was der "Nachzügler"-Artikel 7 für die Fondsbranche bedeutet

Was der "Nachzügler"-Artikel 7 laut EU-Offenlegungsverordnung insbesondere für Immobilienfonds bedeutet, erläutert Robert Bluhm, Sustainability Officer von Universal Investment.

Robert Bluhm, Sustainability Officer, Universal Investment
Robert Bluhm, Sustainability Officer, Universal Investment
© Habermehl für Universal-Investment

Seit März vergangenen Jahres gilt die EU-Offenlegungsverordnung beziehungsweise Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), und sowohl die Fondsbranche als auch die Investoren haben sich inzwischen an die Begriffe Artikel-6-, Artikel-8- und Artikel-9-Fonds gewöhnt. "Die gesamte Offenlegungsverordnung? Nein, und das fehlende Element in der Reihe fällt gleich auf: Artikel 7 der SFDR. Dieser findet erst zum Jahreswechsel 2022/23 Anwendung. Die Fondswirtschaft muss aber schon jetzt an die Umsetzung gehen", schreibt Robert Bluhm, Sustainability Officer bei Universal Investment in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Beitrag.

Zur Erinnerung: Mit der EU-Offenlegungsverordnung hat die Europäische Union ein Regelwerk geschaffen, das in erster Linie für mehr Transparenz im wachsenden Dschungel der grünen Fondsprodukte sorgen und Anlegern ein besseres Bild von der Nachhaltigkeit ihres Investments liefern soll. Zahlreiche Asset-Manager und Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) haben seither die Möglichkeit genutzt, um einzelne Fonds als nachhaltig und transparent im Sinne von Artikel 8 SFDR oder Artikel 9 SFDR zu klassifizieren.

Darin ist unter anderem geregelt, dass Fondsanbieter Anleger auf ihren Webseiten sowie in den vorvertraglichen Informationen ihrer Produkte über Nachhaltigkeitsrisiken aufklären müssen. Wenn Nachhaltigkeitsrisiken im Fondsmanagement berücksichtigt werden, ist man dazu verpflichtet, zu erläutern, wie diese bei Investmententscheidungen einbezogen werden und wie sich diese Risiken auf die Rendite auswirken können. Dies betrifft alle Anbieter – egal ob sie den Anspruch hegen, nachhaltige Produkte anzubieten, oder nicht.

"Lückenfüller" kommt hinzu
Mit Artikel 7 SFDR kommt laut Bluhm nun der „Lückenfüller“ hinzu, bei dem Fondsanbieter erklären müssen, (i) ob und wenn ja wie sie die wesentlichen nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen der Investments in ihrem Portfolio berücksichtigen und (ii) ob Informationen über die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren verfügbar sind, die nach Artikel 11 SFDR offenzulegen wären.

"Artikel 7 SFDR ist im Grunde die Übertragung von Artikel 4 auf die Fondsebene", betont Bluhm.

Man spricht bei diesen nachteiligen oder gar gegenteiligen Auswirkungen auch von „Principal Adverse Impact“-Indikatoren (PAI). Denn die Berücksichtigung von bestimmten Nachhaltigkeitsfaktoren kann Bluhm zufolge unter Umständen dazu führen, dass einige Nachhaltigkeitsfaktoren negativ davon beeinflusst werden. Bluhm nennt ein einfaches Beispiel: Eine Windkraftanlage kann zum Klimaschutz beitragen, Arten- oder Landschaftsschutz jedoch beeinträchtigen.

PAI sollen für mehr Transparenz sorgen
Die PAI sind aus der Offenlegungsverordnung bereits bekannt, und zwar aus Artikel 4 SFDR. Finanzmarktteilnehmer legen – entweder verpflichtend aufgrund ihrer Unternehmensgröße oder freiwillig – in einer Unternehmenserklärung offen, ob sie die wichtigsten negativen Nachhaltigkeitsauswirkungen berücksichtigen und wie sie ihrer Sorgfaltspflicht im Zusammenhang mit PAI nachkommen. "Dabei muss erklärt werden, wie die PAI im Einzelnen gewichtet sind und welche Maßnahmen geplant sind oder ergriffen werden, um diese nachteiligen Auswirkungen möglichst zu reduzieren", betont Bluhm.

Diese Verpflichtung wird mit dem Artikel 7 SFDR auf die Fondsebene übertragen und ist eng mit dem PAI-Statement auf Unternehmensebene verknüpft. Werden auf Unternehmensebene PAI berücksichtigt, muss folglich auch auf Fondsebene erläutert werden, ob und wenn ja, inwieweit Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigt werden. Folglich werden in den Jahresberichten der Fonds ab 2023 künftig Indikatoren zu PAI inkludiert. Während sich die Unternehmenserklärung kumuliert auf alle Finanzprodukte bezieht und für den einzelnen Anleger weniger Aussagekraft für seine konkreten Fondsinvestments besitzt, werden durch Artikel 7 SFDR die PAI für die einzelnen Fondsprodukte ausgewiesen. Entschließt man sich zur Nichtanwendung auf Unternehmens- oder Fondsebene, muss man dies begründen, betont Bluhm.

Die große Herausforderung ist die Datenbasis
Was bedeutet dies konkret für Immobilien und Immobilienfonds? Für das PAI-Statement auf Unternehmensebene sind zwei Pflicht- und ein Wahlindikator vorgesehen. Die Pflichtmerkmale für Immobilien sind zum einen Investitionen in Objekte mit direktem Bezug zum Verbrauch fossiler Energieträger und zum anderen Investitionen in energieeffiziente Objekte.

Als Drittes kann noch ein Wahlindikator aus dem Bereich Ökologie oder Soziales gewählt werden. Allerdings sehen die aktuellen technischen Regulierungsstandards nur ökologische Wahlindikatoren vor. Viele Immobilienfonds werden hierbei wahrscheinlich auf die Energieverbräuche beziehungsweise CO2-Emissionen zurückgreifen, da man dazu bereits vorhandene Energieausweise zur Berechnung heranziehen kann.

Eine große Herausforderung bedeutet Artikel 7 SFDR laut Einschätzung Bluhms vor allem mit Blick auf den Aufwand des Sammelns und Aufbereitens der hierfür benötigten Daten. Wie erhalte ich Zugang zu diesen Daten, ohne mit dem Datenschutz zu kollidieren? Wie kann ich diese Daten zu einer konsistenten Datenbasis für einen Fonds aggregieren? Welche einheitlichen Kriterien lege ich dafür zugrunde?

Dabei kommt erschwerend hinzu, dass es auch mit den technischen Regulierungsstandards noch Auslegungsfragen zu den Berechnungsgrößen und -methoden der einzelnen Indikatoren gibt. Die teils weich formulierte Regulatorik schafft somit in Teilen eine rechtliche Grauzone, die neben Unklarheiten und fehlenden Standards auch Restrisiken für die betroffenen Fondsanbieter birgt.

Artikel 7 SFDR duldet keinen Aufschub mehr
Für größere Fondshäuser beziehungsweise Service-KVGs mit stark diversifizierten Fonds oder einer breiten Fondspalette bedeutet dies ganz erheblichen administrativen Aufwand, gerade angesichts der teilweise noch bestehenden definitorischen Unklarheiten. Dies ist auch der wesentliche Grund, weshalb der Gesetzgeber der Branche für die Umsetzung wesentlich mehr Zeit eingeräumt hat als für das Gros der Offenlegungsverordnung – Zeit, die sie nutzen sollte, merkt Bluhm an.

Viel Zeit bleibt Bluhm zufolge nicht mehr, um diese administrative Mammutaufgabe zu bewältigen. Zumal das Reporting auch rückwirkend und damit bereits ab einem wesentlich früheren Zeitraum als „erst“ ab 30. Dezember 2022 erfolgen wird. Denn das Datum des Inkrafttretens bezieht sich auf den Veröffentlichungstermin des Jahresberichts – und die PAI müssen damit für das zurückliegende Geschäftsjahr ausgewiesen werden. Es gibt Bluhm zufolge also viele gute Gründe dafür, sich schnellstmöglich mit dem „Nachzügler“-Artikel 7 SFDR intensiv auseinanderzusetzen. (aa)

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