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Quo vadis Tech-Regulierung?

Datenschutz, Content-Management, Kartellrecht: Die Tech-Branche wird von der Regulierungslandschaft vor neue Herausforderungen gestellt. Tracy Li, Investment Analyst bei Capital Group, erläutert, warum die großen Technologieunternehmen dadurch einen Wettbewerbsvorteil haben könnten.

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Tracy Li, Investment Analystin bei der Capital Group
© Capital Group

Es sei beinahe unmöglich vorauszusagen, welche Auswirkungen die Regulierung auf die Unternehmen der Tech-Branche haben wird. Eins sei jedoch klar: Der Druck der Behörden und weitreichende Regulierungsmassnahmen hätten zugenommen: „Es ist wichtig, dass man sich den neuen Gegebenheiten anpasst,“ sagt Li. Die Analystin sieht drei Bereiche, in denen die Technologieunternehmen von der Regulierung stark betroffen sein könnten: Privatsphäre und Datenschutz, Content-Überwachung und Moderation, sowie kartellrechtliche Maßnahmen. 

Branche reguliert sich selbst
„Beim Datenschutz wird die Gesetzgebung langsam sein“, so Li. „Dies ist ein nuanciertes Thema mit vielen Kompromissen.“ Dabei werde oft übersehen, dass die von den Unternehmen selbst erlassenen Einschränkungen des Datenschutzes und der Datentransparenz das Potential haben, die Branche stärker zu beeinträchtigen als die staatliche Regulierung. „Unternehmen, die Zugang zu First-Party-Daten oder Daten haben, die auf ihren eigenen Plattformen oder Ökosystemen gesammelt wurden, werden wahrscheinlich Wettbewerbsvorteile haben.“ Auch Unternehmen mit Fähigkeiten in den Bereichen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, wie Google oder Facebook, könnten im Vorteil sein. 

In Sachen Content-Überwachung und Moderation geht Li davon aus, dass sich in den USA ein parteiübergreifender Konsens bilden wird, der Internetplattformen dazu verpflichtet, die Transparenz und Berichterstattung über die Verwaltung von Inhalten zu erhöhen und Inhalte innerhalb von 24 Stunden zu entfernen, sollte dies von einem Gericht angeordnet werden. „Das bedeutet, dass die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften steigen und Geldstrafen häufiger vorkommen könnten,“ sagt Li. „Diese steigenden Kosten werden den Wettbewerbsvorteil der großen Unternehmen noch verstärken.“

Kartellrecht großes Thema für Internetunternehmen
Laut Li sei das Kartellrecht das wichtigste systemische Problem, das die Regulierungsbehörden sehen. Ähnlich dem „too big to fail“ Rahmenwerk für Banken könnte es auch Grundsätze für Internetunternehmen geben, in dem differenzierte Wettbewerbsregeln basierend auf der Größe angewendet werden. „Ich sehe keine signifikanten Aufspaltungen von Unternehmen, aber ich denke, dass es in Zukunft viel schwieriger werden wird, Fusionen und Übernahmen in einem sinnvollen Umfang durchzuführen,“ so Li. Die Untersuchungen des Repräsentantenhauses über die Monopolmacht von Apple, Amazon, Google und Facebook und die anschließenden Kartellverfahren gegen Facebook und Alphabet im Jahr 2020 seien ein Beispiel dafür, dass künftige Fusionen und Übernahmen genauer unter die Lupe genommen werden.

Selbstregulierung?
Allerdings seien die Gesetzgebungsprozesse im Kartellrecht sehr aufwendig und viele Kartellrechtsprozesse enden mit Vergleichen oder Geldstrafen anstatt mit der Zerschlagung eines Unternehmens. „Die großen Unternehmen können in der Zwischenzeit daran arbeiten, mögliche Auswirkungen abzumildern und sich selbst zu regulieren,“ analysiert Li. Außerdem sei es erwähnenswert, dass die M&A-Aktivitäten der Vergangenheit es vielen kleineren Unternehmen ermöglicht haben, unter dem Dach der großen Muttergesellschaften zu wachsen und zu reifen. Zum Beispiel habe Facebooks Messaging-Dienst WhatsApp mehr als zwei Milliarden durchschnittliche monatliche Nutzer in 180 Ländern, liefere aber nur einen Bruchteil des Umsatzes des Unternehmens. Alphabet erwirtschafte den Großteil seiner Umsätze und Erträge mit Werbung, während die autonome Fahreinheit Waymo und die Gesundheitssparte Verily praktisch keine Umsätze hätten. „Diese Zukunftstechnologien könnten für Investoren als eigenständige Unternehmen dennoch Milliarden von Dollar wert sein,“ so Li. Dies könne die Unternehmen unabhängig von zukünftigen regulatorischen Maßnahmen zu attraktiven Investitionen machen, basierend auf dem säkularen Wachstum der Branchen, in denen sie tätig sind. (kb)

 

 

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