Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Regulierung
twitterlinkedInXING

"Privatsphäre schützen!": Expertin warnt vor Bargeldabschaffung

Ein Positionspapier von Deutsche Bank Research warnt eindringlich vor der Abschaffung von Bargeld. Vor allem sei Cash ein wirksames Mittel gegen das zunehmende Informations-Ungleichgewicht zwischen Bürgern und Institutionen.

teaser.jpg
Bei unbaren Zahlungen könnte der Staat alle Käufer der Bürger kontrollieren und sanktionieren.
© Bits and Splits / stock.adobe.com

"Ich habe nichts zu verbergen". Mit dieser Haltung wiegeln viele gesetzestreue Bürger Datenschutzbedenken ab. "Das ist jedoch ein Trugschluss", sagt Heike Mai von Deutsche Bank Research. "Mit Hilfe der Datenindustrie können interessierte Parteien Erkenntnisse über die persönliche und finanzielle Situation einer bestimmten Person gewinnen. Dies kann dem Einzelnen durchaus schaden", warnt Mai in einem Positionspapier zu dem Thema.

Sie spricht sich in diesem Zusammenhang insbesondere gegen eine Abschaffung von Bargeld aus und macht darauf aufmerksam, wie heikel die Verwendung digitaler Zahlmethoden geworden ist. "Früher wurden die Details einer elektronischen Zahlung lediglich für die Abwicklung verwendet, inzwischen sind die Zahlungsdetails jedoch selbst zu einem wertvollen Produkt geworden", so Mai. Aus Zahlungen gewonnene personenbezogene Daten können durch Informationen aus der Facebooknutzung oder aus dem Einkaufsverhalten bei Amazon ergänzt werden. Aus vermeintlich anonymisierten Daten wird dann rasch ein eindeutig identifizierbarer gläserner Nutzer. Politische Parteien, Händler, oder andere Interessierte können sich dann gezielt an die Person wenden, über die sie einen enormen Wissensstand haben.

90 Prozent der Kreditkartentransaktionen sind zurechenbar
Wenn Datenhalter behaupten, dass personenbezogene Daten lediglich in anonymisierter Form verwendet werden, sollte man dem nicht zu viel Bedeutung beimessen. Untersuchungen zeigen nämlich, dass oft nur eine "Pseudonymisierung" stattfindet und die einzelne Person leicht ausgemacht werden kann. "Forscher konnten 90 Prozent von 1,1 Millionen Kreditkarteninhabern allein anhand ihrer 'anonymisierten' Kartentransaktionen im Zeitraum von drei Monaten korrekt identifizieren. Dabei griffen sie auf Tag und Ort des Einkaufs zurück, nicht jedoch auf personenbezogene Daten wie Namen oder Kartennummern", verdeutlicht Mai die Problematik.

Das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen oder Interessensparteien und dem Einzelnen hat sich laut Mai deutlich zum Nachteil Letzterer verschoben. Die Anbieterseite weiß dank der digitalen Tiefenanalyse ungleich mehr über die Einstellungen und Gewohnheiten der Bürger als diese über die Händler, politische Parteien oder Wettbewerber. Die Kunden seien sich kaum bewusst, dass ihre Daten zu einem Wirtschaftsgut geworden sind, für das sie selbst nicht entlohnt werden.

"Gegen Behördenmacht und Einschüchterung"
Eindrücklich warnt Mai auch vor staatlichem Missbrauch. "Wenn Bargeld nicht mehr oder nur unter starken Einschränkungen verwendet werden dürfte, bestünde das Risiko eines ernsthaften Vertrauensverlusts in staatliche Behörden", so Mai. Selbst in einem demokratischen Rechtsstaat könne bei einer Abschaffung von Bargeld ein unrechtmäßiger Missbrauch der Informationsasymmetrie nicht ausgeschlossen werden. "Erkenntnisse über die private und finanzielle Situation einzelner Bürger verleihen staatlichen Behörden zusätzliche Macht. (…) Wenn umfassende Daten über Einzelpersonen verfügbar sind, besteht die Versuchung, diese aus persönlichen oder politischen Gründen zu missbrauchen – sei es durch einen einzelnen Beamten oder durch in- oder ausländische Geheimdienste", so Mai.

Bargeld helfe, sich gegen illegitime Übergriffe von Behörden zu schützen, etwa gegen Überwachung und Einschüchterung. Es bietet im Zahlungsverkehr einen hohen Grad an Privatsphäre und könne so das Zunehmen der Informationsasymmetrie verlangsamen. "Da Wissen über die Gegenseite Macht ist, spielt die Privatsphäre für den Einzelnen eine entscheidende Rolle, wenn es um den Schutz der eigenen Position geht im Umgang mit Organisationen, die mächtiger sind als das Individuum", so Mai. (eml)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen