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Powell lässt keinen Zweifel an seiner Taubenhaftigkeit

Die gestrige Sitzung der Federal Reserve wurde angesichts aufgehellter Konjunkturerwartungen, gestiegener Inflationssorgen und höherer Zinsen mit Spannung erwartet. Die US-Notenbanker halten ihre expansiven Maßnahmen dennoch bei.

Jerome Powell, Chef der US-amerikanischen Notenbank (Fed)
Viel taubenhafter als er kann man sich wahrscheinlich kaum mehr verhalten: Fed-Chef Jerome Powell
© Andrew Harrer / Bloomberg

Viel taubenhafter als am Mittwoch hätte sich Fed-Chef Jerome Powell kaum zeigen können. Eine präventive Straffung der Geldpolitik auf der Grundlage von Prognosen, wie es früher gehandhabt wurde in dern US-Notenbank, ist heute out. Agiert wird in der Federal Reserve zukünftig wohl erst dann, wenn sich Inflation tatsächlich bereits in den Zahlen niederschlägt. Eine Fed, die reaktiv statt präventiv handelt, bedeutet aber, dass die Renditekurve steiler und der US-Dollar kaum stärker werden wird, vermuten die Experten von Bloomberg.

Angehobene Wachstumsprognose
Die Notenbank hielt den Leitzins nahe Null und will das Tempo ihrer Wertpapierkäufe beibehalten. Gleichzeitig hob sie die Wachstumsprognosen an und sieht die Arbeitslosigkeit ab 2022 unter die neutrale Marke fallen. Renditen von Treasuries und Bunds stiegen daraufhin am Donnerstagvormittag, die Renditedifferenz kletterte auf den höchsten Stand seit über einem Jahr.

Im Fokus standen wieder die Projektionen
Hierbei war vor allem jene zu der Fed Funds Target Rate von hohem Interesse für die Fed-Watcher. Auffallend war vor allem, dass nun sieben Mitglieder (Dezember: fünf Mitglieder) von einer Zinsanhebung bereits in 2023 ausgehen, was den Median aber bei unveränderten 0,25 Prozent beließ. Für bereits 2022 tendieren vier Mitglieder (bisher zwei) für eine straffere Zinspolitik. Die Notenbanker unterlassen damit, einen ersten kleinen Schritt beim Signalling einer Veränderung der Zinspolitik zu vollziehen, wohingegen am Markt bereits Zinsanhebungen zumindest in 2023 eingepreist sind. Immerhin hat die Notenbank ihre Projektionen für die Inflationsrate (PCE) für 2021 von 1,8 auf 2,4 Prozentr angepasst – danach erwartet sie diese aber bei der unbedenklichen Zwei Prozent-Marke. Das erkläre auch ihre abwartende Haltung bei den Zinsaussichten, meinten etwa die Experten im NordLB Research. Die Projektionen für das BIP-Wachstum in 2021 wurden von 4,2 auf 6,5 Prozent, für die Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent auf 4,5 Prozent angepasst.

Pressekonferenz
Hier betonte Jerome Powell, dass die Zinsen erst dann angehoben würden, wenn sich die US-Wirtschaft vollständig von der Pandemie erholt zeige. Allein eine Aufhellung in den Prognosen erlaube keineswegs ein Handeln. Derzeit werde nicht einmal darüber nachgedacht, ob man über Zinsanhebungen nachdenken sollte. Falls es kurzfristig im Rahmen der Wiederöffnung der Wirtschaft zu einem Anstieg der Inflationszahlen komme, werde die Federal Reserve dies als vorübergehendes Phänomen ansehen. Zum staatlichen Ausgabenpaket hielt er sich bedeckt. Offenbar will die Fed jede Unsicherheit in der Öffentlichkeit über einen potentiellen restriktiveren Schwenk der Notenbank vermeiden, um nicht die nun vorhandene Chance einer wirtschaftlichen Erholung noch zu gefährden. Damit riskiert sie (kurzfristig), hinter der Kurve zu geraten. Das Risiko geht sie wohl sehenden Auges ein.   

Morgentlicher Renditeanstieg
Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries mit über 1,70 Prozent stieg auf den höchsten Stand seit Januar 2020 an. Zu diesem (Markt-)Thema hielt sich die Federal Reserve reserviert. Sie muss die Risiken einerseits einer unterlassenen Wirtschaftshilfe sowie andererseits einer überzogenen expansiven Geldpolitik eingehen und jederzeit im Blick behalten. Rechtzeitig richtig zu reagieren. wird die Kunst sein. Zunächst einmal wird sie unverändert eine sehr expansive Geldpolitik verfolgen. Ein Tapering ist nach Ansicht der Analysten der NordLB frühestens in 2022 angesagt. Die Diskussionen darüber könnten aber je nach Konjunkturverlauf natürlich auch bereits im 2. Halbjahr 2021 an Fahrt aufnehmen. (kb)

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