Nach Skandal-Häufung: BVR setzt auf strengere Frühwarnsysteme
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat vor dem Hintergrund von Verfehlungen bei einzelnen Volksbanken eine Reform seiner Sicherungssysteme bekanntgegeben. Zugleich wurde ein neuer Vorstands- und Aufsichtsratskodex auf den Weg gebracht.
Eckpunkte:
- Maßnahmen verbesserten Frühwarnsysteme und verschärften Durchgriffsmöglichkeiten
- Kolak: „Hochriskante Geschäfte, Missmanagement oder grob fahrlässiges Verhalten“ bei Verantwortlichen einzelner Banken
- Governance-Kodex soll 2027 kommen
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat anlässlich der Präsentation seines gruppenweiten Jahresabschlusses eine Reform seiner Sicherungssysteme bekanntgegeben. Wie auch der Bankenverband berichtete, wurde zugleich ein neuer Vorstands- und Aufsichtsratskodex auf den Weg gebracht.
Man habe diese Schritte unternommen als Konsequenz aus dem Fehlverhalten einzelner Institute. BVR-Präsidentin Marija Kolak verwies auf einen entsprechenden Beschluss der Mitgliederversammlung aus dem Juni zu den neuen Regeln: „Wir haben 'Geno Next Level' angestoßen und umgesetzt, weil wir bei Verantwortlichen in einzelnen Banken hochriskante Geschäfte, Missmanagement oder grob fahrlässiges Verhalten gesehen haben. Die Folgen werden meist Jahre später sichtbar – und kommen unsere Solidargemeinschaft teuer zu stehen. Unsere Maßnahmen verbessern unsere Frühwarnsysteme und verschärfen unseren Durchgriff deutlich.“ Als Verband einer dezentralen Organisation könne der BVR damit Fehlverhalten Einzelner und übermäßige Risiken nicht abschließend verhindern. Diese Aufgabe hätten die Vorstände und Aufsichtsräte vor Ort. „Wir haben aber sichergestellt, dass wir als BVR im Interesse unserer Mitglieder bei einzelnen Banken sehr konsequent durchgreifen können“, sagte Kolak laut Redeprotokoll.
Volksbank Köln Bonn und Volksbank Brawo in den Schlagzeilen
Wie unter anderem das Handelsblatt im Juli berichtete, hatte zuletzt ein Kredit der Volksbank Köln Bonn zur Finanzierung der Bordellimmobilie „Pascha“ den BVR beschäftigt. Nach Informationen der Zeitung nehme der Verband den Vorgang genau unter die Lupe. Auch die Braunschweiger Volksbank Brawo war zuletzt in die Schlagzeilen geraten. Investments in Start-ups und Immobilienprojekte führten dazu, dass der Vorstand entlassen wurde und die Bank die Sicherungseinrichtung der Genossenschaftsbanken um Notfall-Hilfe bitten musste.
Immer wieder Skandale
Seit einigen Jahren treten im Genossenschaftssektor immer wieder Fälle von hohen Wertverlusten wegen umstrittener Investments auf: So war im Jahr 2024 von der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden bekannt geworden, dass ein hoher Wertberichtigungsbedarf bei Krediten, Immobilien und Beteiligungen entstanden war. Die Volksbank Dortmund-Nordwest geriet wegen Immobilienfonds in Schieflage, in die sie investiert hatte. Und die Volksbank Düsseldorf Neuss sah sich einer Forderung von 100 Millionen Euro ausgesetzt, weil sie eigener Lesart zufolge Opfer „betrügerischer Machenschaften“ wurde.
BVR will Corporate Governance mit Kodex verbessern
Auf den Weg bringt der BVR nun einen Vorstands- und Aufsichtsratskodex. Er sei kein „nice to have“, sondern „eine wichtige Richtschnur für unser Handeln“, betonte Kolak. Im Mittelpunkt stünden Integrität, wirksame Kontrolle durch den Aufsichtsrat und eine nachhaltige Unternehmensführung. „In den kommenden Monaten werden sich die Gremien aller Genossenschaftsbanken mit dem Kodex auseinandersetzen und ihn formell verabschieden“, so Kolak in ihrer Rede. 2027 würde dann die Mitgliederversammlung darüber abstimmen. „Wir sind sicher: So wie die Verschärfung der Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung bereits vor ihrer offiziellen Verabschiedung Wirkung entfaltet hat, wird dies auch beim Kodex der Fall sein“, so Marija Kolak.
Wie auf der Konferenz auch berichtet wurde, hat die Genossenschaftliche Finanz-Gruppe 2025 ein Ergebnis von 11,6 Milliarden Euro erzielt. „Das war nicht einfach. Aber auch kein Zufall“, so die BVR-Präsidentin. „Unsere Banken haben solide gewirtschaftet und sind für ihre Kunden in diesen anspruchsvollen Zeiten da. Das zahlt sich aus: in langjährigen Beziehungen zu Millionen von Menschen und Unternehmen und in einem weiter gewachsenen Kundengeschäft.“ (de)