Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Regulierung
twitterlinkedInXING

MiFID II dezimiert Analystenschar: Unternehmensabdeckung wird sinken

Wie gut oder schlecht waren die Bilanzzahlen? Derartige Fragen werden im kommenden Jahr wohl schwerer zu beantworten sein, da Europa seine Regeln, wie Investoren für Analysen bezahlen, neu ordnet.

fragezeichen_mit_hnden.jpg

Die Überarbeitung der Finanzdienstleistungsregeln, die als MiFID II bekannt sind, werden die Banken wohl dazu veranlassen, die Abdeckung einiger Unternehmen zu reduzieren. Denn ein Preiskrieg dürfte sie dazu zwingen, die Kosten zu senken. Das bedeutet, dass die Praxis des Vergleichs der vorgelegten Bilanzzahlen mit dem "Konsens" durch die Neuordnung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Zu den möglichen Folgen zählen dramatischere Schwankungen der Aktienkurse, vor allem bei kleineren Unternehmen.

Mehr Volatilität und weniger Liquidität vor allem bei Small Caps erwartet

"Mit schrumpfender Abdeckung sinkt die Liquidität, steigt die Volatilität und die Bewertungsquoten bewegen sich nach unten", sagt Leigh Drogen gegenüber Bloomberg, dessen Firma Estimize Konsens-Zahlen zusammenträgt, die auf Daten von Fondsmanagern statt von Analysten bei Banken basieren. "Die Abdeckung von Schätzungen der Verkaufsseite ist ein sehr wichtiger Aspekt der Liquidität, vor allem für Small-Cap-Aktien." 

Hunderte von Analysten-Arbeitsplätzen stehen vor dem Aus

So steht es in einem Bericht von McKinsey & Co. Die Berater verweisen darauf, dass Banken 1,2 Milliarden US-Dollar weniger für die Massenproduktion von Analysen ausgeben und sich mehr auf maßgeschneiderte Bewertungen für spezielle Kunden konzentrieren dürften. Bald könnten daher mehr Aktien zu klein sein, als dass sich ihre Abdeckung lohnen würde. Und bei größeren Unternehmen sinkt womöglich die Anzahl der Analysten-Einschätzungen. 

Titel mit Marktkapitalisierung unter zwei Milliarden Euro als Streichungsopfer

Nachdem MiFID in Kraft getreten ist, werden Unternehmen mit einem Marktwert von weniger als zwei Milliarden Euro besonders anfällig sein, da sich die Banken auf die größten, am meisten gehandelten Aktien großer Konzerne fokussieren dürften, hatten Führungskräfte von Bank of America in diesem Sommer vor Investor-Relations-Repräsentanten gewarnt. Auch die US-Investmentbank Jefferies warnte in einer Einschätzung aus dem August vor niedrigeren Handelsvolumina bei Small-Cap-Aktien, sollten sie von Analysten fallengelassen werden.

Konsensus könnte durch ausgedünnte Reihen an Bedeutung verlieren

Auf die Konsenszahlen von Bloomberg, FactSet und Thomson Reuters verlassen sich viele Investoren und Aktienhändler. Sie sind oft ein wichtiger Treiber für die Börsenkursentwicklung. An dem Tag der Bilanzvorlage eines Unternehmen bewegt sich dessen Aktienkurs oft entsprechend der Tatsache, ob die veröffentlichten Zahlen den Mittelwert oder den Median übertreffen oder verfehlen. Damit der Konsens von Bedeutung ist, seien mindestens acht "ernsthafte" Analysten für kleinere Unternehmen erforderlich, meint Geoffrey Mills, ein in London ansässiger Vertriebsdirektor bei Oppenheimer. Ohne diese Breite bei den Einschätzungen gebe es keine Garantie, dass die Einschätzungen unvoreingenommen wären, weil typischerweise vier Banken, die Prognosen produzierten, auch Investmentbanking-Geschäft mit den entsprechenden Unternehmen betreiben würden.

Investoren müssen damit vorsichtiger bei der Frage sein, ob der Konsenswert zuverlässig ist. Sowohl aktive als auch sogenannte quantitative Investmentmanager, die Computerprogramme zur Auswahl von Anlagen verwenden, können dabei unterschiedlich auf Bilanz-Überraschungen reagieren.

Manche Vermögensverwalter berechnen bereits ihre eigenen Konsenszahlen

Das tun sie, indem sie Analysten mit schlechten Einschätzungen in der Vergangenheit ausschließen oder ihnen eine andere Gewichtung zuweisen. "Die Anleger müssen die Qualität der Sell-Side-Beiträge sorgfältig prüfen, um die Relevanz von Konsenszahlen zu beurteilen", sagt Cyrille Collet von CPR Asset Management in Paris gegenüber Bloomberg. "Sowohl Quants als auch aktive Aktien-Auswähler müssen herausfinden, wie man diese neuen Faktoren in ihre Finanzmodelle integrieren kann, falls sich sich weiter überdurchschnittlich entwickeln wollen." (kb)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen