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Mietendeckel: Berliner Stadtregierung und Senat als Immobilienschreck

Die Pläne Berlins, für fünf Jahre die Mieten in der Stadt einzufrieren, haben Investoren verschreckt. Sie erwarten schwächere Renditen angesichts der öffentlichen Repressalien gegen große Wohnungseigentümer, deren Aktien einst zu den Top-Performern gehörten.

Berlin
Berlin
© Marco2811 / stock.adobe.com

Der gesamte Marktwert der 60 börsennotierten Vermieter in Deutschland ist nach Angaben des Immobilienverbands European Public Real Estate Association (EPRA) im zweiten Quartal um rund acht Milliarden Dollar gesunken. Der Rückgang von sieben Prozent gegenüber den letzten drei Monaten war die mit Abstand schlechteste Entwicklung in den europäischen Ländern.

Deutsche Wohnen besonders abgestraft
Zu den größten Verlierern zählte die Deutsche Wohnen SE, Berlins größter Wohungseigentümer, der im Zentrum der Proteste gegen steigende Mieten und das schrumpfende Wohnungsangebot in der deutschen Hauptstadt steht. Die Aktien sind um fast ein Viertel gefallen, seit der Berliner Senat seine Pläne, Vermietern Einhalt zu gebieten, bekannt gegeben hat.

Abverkauf deutscher Immobilienaktien zieht europäischen Markt nach unten

Berlin, wo die Mieter bei weitem die Mehrheit darstellen, war in der Vergangenheit für seine extrem niedrigen Lebenshaltungskosten bekannt. Ein Immobilienboom hat die Mieten seit 2011 jedoch um mehr als 50 Prozent nach oben getrieben und Vermieter wie Deutsche Wohnen und Vonovia SE zu Top-Performern an der Börse gemacht. Nun droht die Aussicht auf einen Mietendeckel den Ruf des Marktes als zuverlässige Renditequelle zu beeinträchtigen.

Erschwinglicher Wohnraum wird zur Mangelware
Städte auf der ganzen Welt haben mit einer Krise für erschwinglichen Wohnungsraum zu kämpfen, nachdem ein Jahrzehnt lockerer Geldpolitik dazu geführt hat, dass die Preise von Vermögenswerten trotz stagnierender Einkommen in die Höhe geschossen sind. Dies führte zu einer Reihe neuer politischer Vorschläge, von der Besteuerung ausländischer Käufer bis hin zur Begrenzung der Mieten in Städten von Vancouver bis Sydney.

Berlin hat im Juni Pläne für einen Mietendeckel angekündigt
Die wahrscheinliche Wirkung der Maßnahme bleibt unklar, bis der Senat der Stadt die Details im Oktober festlegt. Die Unsicherheit könnte noch zunehmen, da auf das geplante Gesetz nach seiner Einführung im Januar noch rechtliche Hürden zukommen könnten, sagen die Bloomberg-Intelligence-Analysten Iwona Hovenko und Sue Munden in einer Notiz.

Fatale Richtung
"Wir bewegen uns in eine fatale Richtung”, sagte Jakob Mähren, ein deutscher Immobilieninvestor, dessen nicht börsennotiertes Unternehmen 2.000 Wohnungen besitzt, im Interview mit Bloomberg. Berlin sei der Heimatmarkt des Unternehmens, aber es habe sich entschlossen, die Investitionen aufgrund dieser Maßnahmen zu reduzieren, was dem Durchschnittsmieter überhaupt nicht helfe. Rund ein Drittel der Immobilien der Mähren AG befindet sich in der Hauptstadt. Der Rest ist in deutschen Städten wie Leipzig, Dresden und Magdeburg.

Stimmen im Markt
Rogier Quirijns, Portfoliomanager bei Cohen & Steers, sagte, er sei seit langem positiv gestimmt für Berliner Wohnimmobilienaktien. „Die Berliner Mieten sind noch relativ günstig und sollten wachsen können, aber wir würden nicht empfehlen”, in Berliner Immobilienfirmen zu investieren, angesichts des politischen Klimas, sagte er in einem Interview. Vermieter mit Objekten in ganz Deutschland seien eine bessere Wahl, fügte er hinzu.

Andere Städte probieren Ähnliches
Peter Papadakos, Senior Analyst bei Green Street Advisors ist optimistischer bezüglich der langfristigen Aussichten des Berliner Marktes. Auch andere europäische Städte, darunter Barcelona und Helsinki, unternehmen Schritte zur Kontrolle der Mieten, was dazu führen sollte, dass deutsche Städte weiterhin Investoren anlocken, sagte er. “Viel Glück beim Versuch, große, liquide Wohnimmobiliengesellschaften außerhalb Deutschlands zu finden”, sagte er. „Bis diese reflexartige Reaktion abgebaut ist, wird einige Zeit verstreichen, aber ich denke, dass die Attraktivität des Landes als Ziel für Wohnimmobilien nicht in Frage gestellt werden dürfte.” (kb)

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