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Raus aus dem Korsett: Vorsorge-Systeme müssen neu gedacht werden

Die Attraktivität der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland sinkt. Die Pensionsanleger in Deutschland leiden unter den Folgen der anhaltenden Zinslosigkeit sowie einem zu engen Anlagekorsett. Nun legt Lupus alpha einen Fünf-Punkte-Plan für eine Reform der betrieblichen Altersvorsorge vor.

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Ein enges Korsett mag zwar ein optisches Highlight sein, im Vorsorgegeschäft ist es der Rendite und damit der späteren Rentenhöhe aber abträglich.  
© gftrirz / stock.adobe.com

Unter dem gültigen regulatorischen Regime ist es den mehr als 400 Versorgungseinrichtungen in Deutschland auf Dauer unmöglich, eine Rendite von im langfristigen Durchschnitt vier Prozent zu erwirtschaften. Renditeergebnisse in dieser Größenordnung werden aber benötigt, soll über den reinen Werterhalt hinaus zusätzliches Altersvorsorge-Vermögen aufgebaut werden. Ralf Lochmüller (Bild), Managing Partner und CEO von Lupus alpha, hat die notwendigen Änderungen in einem Plan zusammengefasst.

Gefordert sind Anpassungen im regulatorischen Leitbild
In einer Welt, in der über ein Drittel aller Staatsanleihen eine negative Rendite ausweist, in der es kaum eine Bundesanleihe mit einer positiven Rendite mehr gibt und in der selbst Unternehmensanleihen negative Renditen bringen, lassen sich vier Prozent Rendite mit Renten nicht mehr verdienen. Doch die Regulierung zwingt die Einrichtungen weiterhin in die Zinsanlage: Die Anlageverordnung beschränkt für betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen den Anteil an Risiko-Assets regulär auf 35 Prozent.

Zu enge Anlagekorsette
Für die Lebensversicherungen erweist sich Solvency als ähnlich restriktiv; sie halten immer noch knapp 85 Prozent ihrer Gelder in Rentenanlagen. Die Vorsorge-Systeme in Deutschland werden daher so, wie die Systeme vor 30 Jahren oder früher konzipiert worden sind, in Zukunft nicht mehr funktionieren. Wie es gehen könnte, zeigen große institutionelle Investoren im Ausland wie der norwegische Staatsfonds Oljefondets, der niederländische Pensionsfonds ABP oder auch die US-Universitäten Harvard und Yale.

Harvard und Yale machen vor, wie es geht
Ihre Anlagestrategien haben einige Gemeinsamkeiten, die Vorbild für deutsche Vorsorgeeinrichtungen sein sollten: a) eine breite und internationale Vermögensallokation, b)  hohe Quoten bei Aktien und alternativen Anlagen, c) ein substanzieller Anteil an Real Assets (Immobilien und Infrastruktur) und d) einen langfristigen Investitionshorizont.

Spielraum für Investition von Vorsorgegeldern in Deutschland muss steigen
Dafür bedarf es einer Altersvorsorge-Reform in zentralen Punkten, ist sich Lochmüller sicher.

1. Die Anlageverordnung muss angepasst werden
"Wir brauchen eine spürbar höhere Risikokapital-Quote von 60 Prozent und mehr. Doch Pensionskassen und Versorgungswerke unterliegen de facto dem Versicherungsaufsichtsgesetz und damit der Anlageverordnung. Diese Verordnung muss geändert werden, denn ihre Anlagegrenzen verhindern eine chancenreiche, langfristig erfolgreiche Asset Allocation", so Lochmüller.

2. Es bedarf einer langfristig ausgerichteten Risiko-Methodik
Die Aktienquoten bei den Versorgungseinrichtungen sind zu niedrig. Die Institute müssen von der stichtagsbezogenen Fokussierung auf den 31.12 befreit werden. Statt das Vorsorgekapital auf 20 Mal Ein-Jahres-Zeiträume zu optimieren, sollten die Pensionsgeldanleger ihre Risikomodelle auf einen 20-jährigen Anlagehorizont ausrichten. Langfristige Simulationen und Szenarien können so zur Basis für neue Risikomodelle werden. In der Bilanzierung ist das strenge Niederstwertprinzip zu vermeiden, um nur voraussichtlich dauerhafte Wertminderungen zu erfassen und der Langfristigkeit der Kapitalanlage Rechnung zu tragen.

3. Die Garantien in der Altersversorgung gehören abgeschafft
Garantien lassen sich nur durch einen risikolosen Cashflow darstellen. Bei Null-Zinsen gibt es diesen sicheren Cashflow nicht. Damit sind in einem Umfeld, in dem der Zins abhandengekommen ist, Garantien schlicht unbezahlbar. Ohne Garantien könnten Pensionsanleger freier anlegen, so, wie sie es als verantwortungsvolle Vorsorge-Manager für sinnvoll erachten. Der zukünftige Pensionär erhält dafür wieder die Chance auf den für die Altersvorsorge unersetzlichen Zinseszinseffekt. Die vier Prozent sind so weiterhin möglich,  wenngleich auch nicht mehr „garantiert“.

4. Regulierung braucht Umsicht und Augenmaß
"Wir dürfen unsere betrieblichen Vorsorge-Systeme nicht mit zu viel Bürokratie überfrachten. Es stehen Befürchtungen im Raum, dass es bei der betrieblichen Altersversorgung zu einer versicherungsartigen Regulierung ähnlich wie Solvency kommen könnte. Im Ergebnis schränkt das Spielräume noch weiter ein und reduziert letztlich die Leistungsfähigkeit unseres bAV-Systems", schriebt Lochmüller. Und weiter: Gefordert seien eine Regulierung mit Augenmaß und ein umsichtiger Gesetzgeber, die nationale Besonderheiten und deren Vorteilhaftigkeit anerkennen. Dies gelte insbesondere bei der Umsetzung europäischer Richtlinien.

5. Vorsorge-Einrichtungen müssen substantiell Personal aufbauen
Eine breite, globale Portfolio-Diversifikation, die auch auf Aktien und alternative Anlagen setzt, braucht Experten-Know-how. Gefordert sind hier die Verwaltungsgremien in den Vorsorgeeinrichtungen: Sie müssen eine Qualifizierungsoffensive mit dem entsprechenden Personalaufbau unterstützen, als Voraussetzung für eine professionelle, diversifizierte Kapitalanlage. Dafür braucht es weitere Ressourcen und zusätzlichen Stellen.

Credo
Dieser Plan ist das Ergebnis aus vielen Gesprächen mit Investoren aus dem Kundenkreis von Lupus alpha. Dafür einzutreten, ist Lupus alpha ein ernsthaftes Anliegen: Eine chancenorientierte Asset Allocation, die bewusst mehr Risiken zulässt, sollte das neue Anlagecredo für die Kapitalanlage von Altersvorsorge-Einrichtungen sein, ist Lochmüller überzeugt. (kb)

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