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LIBOR: Wie geht es ohne dieser Billionen-Dollar-Benchmark weiter?

Der LIBOR (London Interbank Offered Rate) steht vor einer äußerst ungewissen Zukunft. Das liegt u.a. am anachronistischen Festsetzungsprozedere und den damit zusammenhängenden Skandalen. Allfällige Änderungen könnten jedoch große Auswirkungen haben, glaubt die Franklin Templeton Fixed Income Group.

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Reema Agarwal, Franklin Templeton Fixed Income Group: „Am institutionellen Kreditmarkt gibt es Bedenken, dass CLOs und variabelverzinsliche Kredite angesichts der Unsicherheit um die Ablösung des LIBOR weniger attraktiv sein werden."
© Axel Gaube

Vertrauen ist geraden an den Finanzmärkten ein hohes Gut, das man nicht verspielen sollte. Das zeigt sich eindrucksvoll am LIBOR, der London Interbank Offered Rate. Über viele Jahrzehnte vertrauten Marktteilnehmer weltweit auf diesen Referenzzinssatz um auf diesen ein breites Spektrum an Finanzinstrumenten basieren zu lassen. Es herrschte die verbreitete Ansicht, dass der LIBOR den durchschnittlichen Zinssatz abbilden würde, den ein Panel führender Londoner Banken sich gegenseitig für einen Kredit berechnen würde. „Ändert sich der LIBOR, tun dies auch die Zinszahlungen für rund 350 Billionen US-Dollar in Finanzsicherheiten“, schreibt Reema Agarwal, Vice President, Director of Research bei der Floating Rate Debt Group von Franklin Templeton, in einer aktuellen Analyse.

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Manipulationen untergruben Glaubwürdigkeit
Skandale haben das Vertrauen in den LIBOR in den vergangenen fünf Jahren jedoch untergraben. 2012 deckten die Aufsichtsbehörden in den USA und Europa eine betrügerische Absprache zwischen einigen Banken zur Manipulation des LIBOR auf (Institutional Money berichtete damals als eines der ersten Medien darüber). Bis Ende 2016 hatten zwölf Banken Strafen in Höhe von rund zehn Milliarden US-Dollar gezahlt.

Nun fordert die britische Finanzaufsicht „Financial Conduct Authority“ (FCA) das Aus für den LIBOR als Referenzsatz bis Ende 2021. Im Juli zeigte sich der LIBOR-Regulierer besorgt über die fehlende Liquidität im zugrunde liegenden Markt. „Überdies brachte die FCA ihre Bedenken über die erhebliche Fluktuation bei den Panel-Mitgliedern zum Ausdruck“, erklärt Agarwal.

Die FCA rechnet daher laut Agarwal damit, dass der Markt in den nächsten vier Jahren zu einer alternativen Benchmark übergeht. Die Banken stimmten zu, die Zinssätze mitzuteilen, um den LIBOR auf freiwilliger – und nicht verpflichtender – Basis bis Ende 2021 aufrechtzuerhalten und so den Übergang zu einer neuen Benchmark zu erleichtern.

„Halten Wegfall des LIBORs für sehr wahrscheinlich“
„Es ist noch nicht absehbar, ob der Termin der FCA im Jahr 2021 in Stein gemeißelt ist, aber wir halten den Wegfall des LIBOR für sehr wahrscheinlich“, erklärt Agarwal. Die Skandale der Vergangenheit und der Mangel an derzeitiger unbesicherter Kreditvergabe zwischen den Banken hätten die Glaubwürdigkeit des LIBOR-Satzes verringert. „Der Kern des Problems besteht aus unserer Sicht darin, dass der LIBOR abhängig ist von den Einschätzungen von Branchen-Insidern darüber, wie hoch die Sätze für Interbankenkredite sein sollten, und nicht von den tatsächlichen Handelsniveaus“, bringt es Agarwal auf den Punkt.

Billionen US-Dollar von Änderung betroffen
Agarwal hält einen etwaigen Wechsel vom LIBOR zu einem alternativen Referenzzinssatz für bedeutsam. Kreditinstitute weltweit nutzen den LIBOR, um die Zinssätze für eine Vielzahl von Finanzprodukten festzusetzen, darunter Zinsswaps, Kredite für Studenten, Hypotheken, Collateralized Loan Obligations (CLOs) und variabelverzinsliche Kredite. „Eine Ablösung würde bei Kontrakten und Kreditverträgen, bei denen es weltweit um Billionen von Dollar geht, Änderungen erfordern“, erklärt Agarwal, und verweist auch die Folgen: Die Zinssätze vieler dieser Kontrakte und Verträge werden auf Basis des LIBOR zuzüglich eines Aufschlags festgesetzt. Falls der alternative Referenzzinssatz die Vergütung, die der LIBOR bietet, nicht abbildet, dürfte dies zu einer Neufestsetzung der Aufschläge, die Kreditgeber berechnen und Kreditnehmer zu zahlen bereit sind, führen.“

Alternativen gefragt
In Im Juni dieses Jahres schlug laut Agarwal das Alternative Reference Rates Committee (ARRC) der Federal Reserve Bank of New York eine Alternative zum LIBOR vor: den Repo-Finanzierungssatz „Broad Treasury Repo Financing Rate“ (BTFR). Dieser Satz soll ab dem ersten Halbjahr 2018 täglich veröffentlicht werden.

Der BTFR unterscheidet sich laut Agarwal in vielerlei Hinsicht vom LIBOR. Er ist ein besicherter Zinssatz. Dies bedeutet für einen Anleger ein niedrigeres Risiko, und er ist daher in der Regel niedriger als der unbesicherte LIBOR-Satz. Der BTFR ist ein Tagesgeldsatz. Der LIBOR dagegen wird für fünf Währungen vorgelegt und hat sieben verschiedene Laufzeiten: Tagesgeld, eine Woche und ein, zwei, drei, sechs und zwölf Monate. Für die einzelnen Laufzeiten müsste eine Anpassung dieser Sätze erfolgen.

„Am institutionellen Kreditmarkt gibt es Bedenken, dass CLOs und variabelverzinsliche Kredite angesichts der Unsicherheit um die Ablösung des LIBOR weniger attraktiv sein werden. Diese Vermögenswerte bieten den Anlegern in einem Umfeld mit steigenden Zinsen unter Umständen nicht mehr den gewünschten oder erwarteten Zinsschutz. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Anlageklasse zu festverzinslichen Anleihen und insbesondere Hochzinsanleihen“, warnt Agarwal.

Es ist nach Ansicht der Franklin-Templeton-Expertin allerdings nicht klar, welcher Referenzsatz den LIBOR ablösen könnte. Der Prozess stecke noch in den Kinderschuhen, und das Ergebnis sei äußerst ungewiss. „Wir halten es noch für verfrüht, um konkrete Theorien aufzustellen, welcher Satz oder welche Methode den LIBOR ablösen wird, wie sanft ein solcher Übergang verlaufen und wie er sich auf die Märkte, die von diesem Referenzzinssatz abhängig sind, auswirken wird“, erklärt Agarwal abschließend. (aa)

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