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Libor: Nach 35 Jahren ist nun (fast) Schluss

Der Libor für Euro, Pfund, Franken und Yen steht vor dem Aus. Zum Jahresende werden die wichtigen Leitsätze nicht mehr berechnet. Lediglich der Dollar-Version bleibt noch eine Gnadenfrist von weiteren 18 Monaten. Für die Finanzbranche bedeutete dies eine gewaltige Umstellung.

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© gena96 / stock.adobe.com

Die wichtigen Libor-Referenzzinssätze für Euro, Britisches Pfund sowie Schweizer Franken und Japans Yen laufen aus. Zum Stichtag 31. Dezember 2021 berechnen die beteiligten Banken die Geldmarktsätze zum letzten Mal. Für den US-Dollar-Satz gilt der 30. Juni 2023. Diese Fristen hatte die britische Finanzaufsicht FCA im Frühjahr festgelegt. Die London Interbank Offered Rate, so die vollständige Bezeichnung, war zum 1. Januar 1986 erstmals offiziell berechnet worden. Die Wurzeln reichen aber bis in die 1960er-Jahre zurück.

Für die Finanzbranche bedeutet die Abschaffung einen gewaltigen Kraftakt. Denn Derivate und Anleihen, aber auch Fonds, die sich an den Referenzzinsen messen, müssen auf neue Leitsätze umgehievt werden. Der Umbau ist weit vorangeschritten, sagte Edwin Schooling Latter, der bei der FCA die Marktregulierung verantwortet, jüngst in einer Rede. So seien etwa 89 Prozent des Swap-Umsatzes in Pfund im November auf die Libor-Ablöse SONIA referenziert gewesen. Anfang Dezember seien zudem sämtliche Swaps bei LCH-Clearnet auf Euro, Franken und Yen auf einen Schlag umgestellt worden.

Kein Kater nach Libor-Abschied
"Viele, für die der Libor früher so etwas wie ein Grundnahrungsmittel war, haben es erfolgreich geschafft, ihren Konsum dieses Schmiermittels für das Finanzsystem zu reduzieren oder ganz einzustellen", sagte Schooling Latter. "Obwohl es realistisch ist, dass nach der Silvester-Party ein wenig aufgeräumt werden muss, verringerten die jahrelangen Vorbereitungen der Branche die Aussicht auf einen allzu großen Kater deutlich."

Gleichwohl hakt die Umstellung in bestimmten Bereichen, etwa bei Anleihen oder Unternehmenskrediten. So seien erst zwei Drittel der nach Jahresende 2021 fälligen Bonds auf neue Geldsätze umgestellt, berichtet der FCA-Mann. Zudem hinke die Umstellung bei den US-Dollar-Sätzen hinterher, weshalb hier eine längere Übergangsfrist eingeräumt wurde. Dennoch ist der Brite optimistisch: "Alle diese Zahlen sind jetzt besser, als ich es vor einem Jahr zu prognostizieren gewagt hätte. Sie sind ein Beweis für die Arbeit, die so viele Unternehmen geleistet haben."

Massive Manipulation
Die London Interbank Offered Rate wurde in den 1980er-Jahren von einer britischen Bankenvereinigung entwickelt, um ein international einheitliches Maß für Geldmarktsätze zu schaffen. Im Sommer 2012 wurde jedoch bekannt, dass die Leitsätze massiv manipuliert wurden. Zahlreiche Großbanken waren in den Skandal verwickelt und mussten zum Teil hohe Strafen zahlen. Der London Stock Exchange wurde die Verantwortung für den Libor entzogen und auf die NYSE Euronext übertragen.

Zudem leiteten die Regulierer eine umfassende Reform ein, wonach die Leitsätze durch neue Barometer wie €STR, SONIA oder SOFR ersetzt werden. Diese sollen weniger anfällig für Manipulationen sein. Leitsätze wie Libor, Euribor oder Eonia dienen rund um den Globus als Grundlage für Kreditverträge, Anleihen, Sparverträge und andere Finanzmarktinstrumente im Wert von Billionen von Euro. Im Zuge der Reform wird zum Jahreswechsel auch der Eonia eingestellt und durch €STR ersetzt. Der Euribor hingegen wurde überarbeitet und wird weiterhin berechnet. (ert)

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