Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Regulierung

| Märkte
twitterlinkedInXING

Krypto-Investitionen deutscher Fonds bergen Liquiditätsrisiken in sich

Regulatorische Änderungen, die es bestimmten deutschen Fonds erlauben, bis zu 20 Prozent ihres Vermögens in Kryptos zu investieren, könnten die Nachfrage nach Kryptowährungen erhöhen. Es bestehen jedoch erhebliche Risiken - insbesondere das Liquiditätsrisiko - für diese Fonds, sagt Fitch Ratings.

lautsprecher_in__der_hand.jpg
© Fotolia

Die neuen Vorschriften, die am 2. August in Kraft getreten sind, gelten nur für Spezialfonds, die institutionellen Anlegern vorbehalten sind. Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds dominieren die Investorenbasis für Spezialfonds. Die Änderungen bringen Kryptowährungen in das traditionelle und stärker regulierte Finanzsystem und könnten zu einem erhöhten, wenn auch indirekten Engagement in Krypto-Assets für Kleinanleger führen, deren Vermögen, Altersvorsorge oder Versicherungspolicen von den institutionellen Playern verwaltet werden.

Spezialfonds dürfen bis zu einem Fünftel in Kryptos investieren
Offene Spezialfonds verfügten Ende März 2021 über ein verwaltetes Vermögen von  zwei  Billionen Euro beziehungsweise rund 1,8 Billionen Euro ohne Immobilienfonds, Dachfonds und Feeder-Fonds. Dies könnte maximale Investitionen in Krypto-Assets von bis zu 360 Milliarden Euro bedeuten - im Vergleich zu der aktuellen Marktkapitalisierung von Bitcoin von rund 860 Millairden US-Dollar (rund 730 Milliarden Euro).

Fitch glaubt an Zurückhaltung
Das Ratingahus glaubt jedoch nicht, dass die Allokation in Krypto-Assets auch nur annähernd die 20-Prozent-Schwelle erreichen wird, wenn man die traditionell risikoaversen Asset Allocation-Muster der wichtigsten institutionellen Investoren in Spezialfonds sowie andere regulatorische Beschränkungen für ihre Asset Allocation berücksichtigt.

Asset Allocation deutscher berufsständischer Versorgungswerke 2020

Management des Liquiditätsrisikos ist gefragt
Die Volatilität der Kryptomärkte wird Fondsmanager, die Kryptowährungen in Spezialfonds investieren, vor besondere Herausforderungen stellen. Die Volatilität von Kryptowährungen deutet darauf hin, dass die Preisgestaltung und die Rücknahmebedingungen für Anleger in kryptowährungsexponierten Spezialfonds wichtig sein werden. Fitch glaubt, dass das Management des Liquiditätsrisikos von Investmentfonds, die in solche hochvolatilen Vermögenswerte investiert sind, eine wichtige Überlegung für Fondsmanager sein wird.

Vola Breaks als Herausforderung
Wenn die Volatilität Handelsunterbrechungen für börsengehandelte Kryptowährungswerte auslöst, könnte es für Manager von kryptowährungsexponierten Spezialfonds schwieriger werden, Anteilsrücknahme-Anträge von Investoren oder andere Verpflichtungen zu erfüllen. Dies würde jedoch auch von verschiedenen Faktoren abhängen, wie dem Umfang des Kryptowährungsengagements, der Dauer und dem Ausmaß der Marktunterbrechung, der Verfügbarkeit anderer liquider Vermögenswerte innerhalb des Fonds und dem Grad der den Investoren angebotenen Liquidität.

Herdentrieb führt zu noch mehr Volatilität bei Kryptos in Krisenzeiten
Die Liquiditätsrisiken könnten sich erhöhen, wenn die Krypto-Investitionen des Spezialfonds in der Anlageklasse größer werden. Das erhöht die Schwierigkeiten bei Positionsmanagement, ohne den Marktstress in Zeiten der Volatilität zu verschärfen. Unter solchen Umständen könnte das Risiko eines sich gegenseitig verstärkenden Ausverkaufs von Kryptowährungen und den in sie investierten Fonds die Volatilität der Kryptomärkte erhöhen.

Reputationsschäden bei notwendigem Gating
Wenn diese Faktoren zu einer vorübergehenden Aussetzung von Fondsrücknahmen (bekannt als "Gating") oder zum Scheitern von Fonds führen, könnte dies zu einem Reputationsschaden für die betreffenden Fondsmanager führen, insbesondere wenn das Gating beispielsweise als schädlich für die Ersparnisse von Kleinanlegern wahrgenommen wird (Verbraucherschutz). Dies wiederum könnte die Fähigkeit der Asset Manager beeinträchtigen, neue Fonds aufzulegen respektive Assets-Zuflüsse in bestehende Fonds zu erhalten oder Abflüsse zu verhindern. Möglicherweise ruft das dann die Aufsichten auf den Plan, was zur Verschärfung der aufsichtsrechtlichen Kontrolle fürhen kann.

Liquiditätsrisiken sind nicht auf Krypto-Asset-Fonds beschränkt
Mehrere europäische Fonds, die in traditionelle Assets investieren, wurden beispielsweise im März 2020 geschlossen. Diese Fonds wurden vor allem deshalb ausgesetzt, weil sie aufgrund erheblicher Preisschwankungen vorübergehend nicht in der Lage waren, ihre Assets zu bewerten.

Fazit
Fitch erwartet in den nächsten ein bis zwei Jahren keine großen Volumina in Kryptowährungsfonds, aber wenn andere Aufsichtsbehörden dem Beispiel Deutschlands folgen und institutionellen - und potentiell auch Privatanlegern - den Zugang zu Kryptowährungsfonds gestatten, könnten die verwalteten Vermögen schließlich ein Niveau erreichen, das größere Risiken für die Finanzmarktstabilität mit sich bringt. Wenn die Assest under Management in Kryptowährungsfonds deutlich über 100 Milliarden Euro anstiegen, wären die Ansteckungsrisiken für das breitere System, die durch Fondsgatings im Krypto-Asset-Sektor entstehen, wesentlich größer. Banken oder andere Kreditgeber könnten ebenfalls betroffen sein, wenn die betroffenen Fonds diese Institutionen für Leverage- oder Liquiditätsfazilitäten nutzen, gibt Fitch zu bedenken. (kb)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren