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IM-Spezial-Podiumsdiskussion: Eine Frage der Gerechtigkeit

Auf dem 12. Institutional Money Kongress wurde im Rahmen von IM-Spezial zum Thema „Rente“ über Gerechtigkeit, Risiken und die Rolle des Kollektivs in den großen Rentenfragen diskutiert. Die Ansichten dazu waren vielfach konträr, was der Diskussion äußerst gut tat.

Jürgen Rings, Dr. Helmut Aden, Moderator Dr. Georg Thurnes, Goetz Neumann und Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (v.l.n.r.) führten eine interessante Podiumsdiskussion am 12. Institutional Money Kongress.
Jürgen Rings, Dr. Helmut Aden, Moderator Dr. Georg Thurnes, Goetz Neumann und Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (v.l.n.r.) führten eine interessante Podiumsdiskussion am 12. Institutional Money Kongress.
© Christoph Hemmerich / Institutional Money

Die Paneldiskussion zum Thema „Zukunft der Rente – Status quo Sozialpartnermodell, und wie geht es weiter?“ wurde kurzweilig und mit großer Sachkunde von Dr. Georg Thurnes, Chefaktuar bei Aon Hewitt und stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) moderiert.

Kritik an doppelter Haltelinie
Den Auftakt machte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen mit einem Statement-Vortrag. Schon die Nahles-Rente fand der Demografie-Experte fehlgeleitet, weil sie die Leistungsgerechtigkeit der Rente beende. „Aber was Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit seiner Grundrente vorschlägt, ist wirklich Unfug. Wenn die Bedürftigkeit nicht geprüft wird, bekommen 3,4 Millionen Menschen eine Aufstockung ihrer Rente. Mit der doppelten Haltelinie macht er die Tragfähigkeit unseres Rentensystems kaputt“, so sein Resümee.

Goetz Neumann, Vorsitzender des Vorstands der Pensionskasse Wacker Chemie, stellte hingegen das Axiom der Leistungsgerechtigkeit in Frage. „Wir stehen an einer fundamentalen Umwälzung durch Künstliche Intelligenz (KI), und das bringt uns auch in Sachen Leistungsgerechtigkeit an einen Scheideweg. Die Arbeitsplätze, die durch KI geschaffen werden, sind anspruchsvoll und können nicht von jedem ausgefüllt werden. Wenn wir den sozialen Frieden wollen, ist das bedingungslose Grundeinkommen von Heil nur folgerichtig.“

Bedarfs-, Leistungs- oder Verteilungsgerechtigkeit?
Dr. Helmut Aden warf ein, dass zu Fragen der Leistungsgerechtigkeit immer stärker auch Fragen der Verteilungsgerechtigkeit kämen. „Der Anteil der Erwerbseinkommen an der Wertschöpfung nimmt in dem Maße ab, wie der Anteil des Kapitaleinkommens zunimmt. Da müssen wir uns schon mit Fragen nach der Verteilungsgerechtigkeit auseinandersetzen“, gibt Aden zu bedenken.

Das wollte Raffelhüschen so nicht stehenlassen. „Mit der Heil-Rente soll ein leistungsloses Recht auf Einkommen eingeführt werden. Das ist ein Deichbruch. Wir bekommen damit zwangsläufig ein Akzeptanzproblem bei unseren Kindern.“ Ohne Akzeptanz bei den Beitragszahlern ist aber kein Rentensystem nachhaltig aufrechtzuerhalten.

Thurnes lenkte die Diskussion Richtung Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG), das von den Diskussionsteilnehmern im Paket als richtig, aber in Einzelheiten kritisch gesehen wurde. Jürgen Rings, Vorstandsvorsitzender der Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe, erklärte: „Das generelle Problem in der bAV ist nicht die Haftung des Arbeitgebers, sondern ihre Komplexität.“ Aden legt den Finger in die Wunde der Unverbindlichkeit: „Die Lücke im gesetzlichen Rentensystem lässt sich nicht durch ein System an freiwilligen Leistungen ergänzen. Die Mitarbeiter sind ja gar nicht auf Altersvorsorge getriggert.“

Neumann sieht die enorme Risikoaversion der Deutschen in Sachen Altersvorsorge kritisch: „Seitens der Gewerkschaften herrscht eine ganz große Angst vor einer nominalen Rentenkürzung. Aber die ist nun mal das Gegenstück zur Rendite-Möglichkeit.“

Ganz ohne Risiken gibt es keine Rendite
Thurnes nahm diesen Gedanken nach Aktuar-Manier auf: „Wenn wir überhaupt keine Risiken bei der Kapitalanlage eingehen können, bekommen wir unser eingezahltes Geld lediglich verteilt über die Zeit der Restlebenserwartung ausbezahlt, aber eben nicht mehr.“

Immerhin in einem Punkt waren sich bei der Paneldiskussion alle einig: Dass das Kollektiv in der bAV hilfreich ist und sowohl die Risiken besser abfedert als auch die Kosten gering hält. (ad)

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