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Geno-Präsidentin will Ausschluß aus Sicherungseinrichtung vereinfachen

Nach Stützungsfällen unter genossenschaftlichen Banken hat Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, im Interview mit Bloomberg die von manchen Instituten eingegangenen Risiken kritisiert und ein härteres Durchgreifen in Aussicht gestellt.

Marija Kolak, BVR - Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
Marija Kolak, BVR - Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken© BVR

Die wichtigsten Eckpunkte

  • Riskante Strategien von Geno-Banken werden künftig bestraft
  • Im Großen und Ganzen ist der Sektor allerdings solide aufgestellt
  • Das Demographieproblem stellt eine multiple Herausforderung dar

In dem umfassenden Gespräch mit Bloomberg äußerte sich Marija Kolak zu mehreren Themen. Darunter ist etwa der demografische Wandel, der Start des Kryptohandels und die Entscheidung, Apple bei bestimmten Handy-Bezahlvorgängen auszuschließen.

Teure Solidarität
Einzelne Banken hätten “das Fahrwasser unseres Verbundes verlassen”, erklärte Kolak. “Es gab Missmangement, es wurden unverantwortliche Risiken eingegangen.” Das könnte für die übrigen Genossenschaftsbanken teuer werden. Denn über ihre gemeinsame Sicherungseinrichtung haben sie versprochen, sich in Krisenfällen gegenseitig zu stützen.

Kolak zufolge werden kriselnde Banken in Zukunft schneller und effektiver begleitet
Demnach sollen Eingriffsrechte der Sicherungseinrichtung gestärkt, bestimmte Banken unter Umständen mit höheren Beiträgen belegt und Institute zügiger aus der Geno-Solidargemeinschaft herausgelöst werden können.

Letzter Schritt ist der Ausschluss aus der Sicherungseinrichtung
“In letzter Instanz wollen wir, dass der Verbandsrat die Möglichkeit hat, ein Institut als ultima ratio aus der Institutssicherung auszuschließen”, erklärte Kolak. “Diesen Mechanismus gibt es zwar bereits, allerdings dauert die Umsetzung lange, weil die Mitgliederversammlung dies entscheiden muss.“ Bislang hat es noch nie einen Ausschluss gegeben.

Einige Stützungsfälle hatten zuletzt für Schlagzeilen gesorgt
So war bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden im Jahr 2024 bekannt geworden, dass ein hoher Wertberichtigungsbedarf bei Krediten, Immobilien und Beteiligungen entstanden ist. Die Volksbank Dortmund-Nordwest geriet wegen Immobilienfonds in eine Schieflage, in die sie investiert hatte. Und die Volksbank Düsseldorf Neuss sah sich einer Forderung von 100 Millionen Euro ausgesetzt, weil sie eigener Lesart zufolge Opfer “betrügerischer Machenschaften” wurde.

Auffangen riskanter Geschäftsstrategien ist nicht intendiert
Kolak machte deutlich, dass die Sicherungseinrichtung nicht zum Auffangen riskanter Geschäftsstrategien gedacht ist. “Es wird auch in Zukunft Banken geben, denen unsere Solidargemeinschaft aufgrund schwieriger Wirtschaftslagen vorübergehend unter die Arme greifen muss. Für solche Fälle ist das System gemacht”, sagte sie.

Grosso modo solide aufgestellt
Insgesamt seien die meisten Geno-Primärbanken solide aufgestellt, erklärte Kolak. Das zeige sich auch in den Zahlen. So würden sowohl das Zins- als auch das Provisionsergebnis im Jahr 2025 voraussichtlich über den Werten von 2024 liegen. Die Risikovorsorge der Ortsbanken bewege sich 2025 trotz steigender Firmen-Insolvenzen wohl auf Vorjahresniveau. Details will die Gruppe bei einer Pressekonferenz im März nennen.

Initiativen wie Bitcoin-Kundenhandel und mehr
Derweil treiben Volks- und Raiffeisenbanken Initiativen voran, die vor allem junge Kunden ansprechen dürften. So hat das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank etwa eine Lösung entwickelt, mit der Primärbanken ihren Kunden nun den Handel von Kryptowährungen ermöglichen können. Jede Bank entscheidet aber selbst, ob sie das tun möchte. “Wir sehen ein reges Interesse unserer Primärbanken, ihren Kunden den Handel von Kryptowährungen anzubieten”, verriet Kolak. Sie betonte aber, dass Bitcoin & Co. ein “hochspekulatives Anlageinstrument” blieben.

Bereits breit eingeführt haben die Genobanken die Funktion, an der Kasse per iPhone ganz ohne Apple Pay zu bezahlen. Die Girocard ist in die eigene Banking-App der genossenschaftliche Gruppe integriert. In der Vergangenheit waren solche Drittanbieterlösungen auf dem iPhone nicht umsetzbar, da Apple nur das mobile Bezahlen über Apple Pay zuließ. “Der Schritt hat vor allem strategische Bedeutung: Wir sichern die digitale Souveränität der Girocard, auch beim mobilen Bezahlen”, sagte Kolak. Es gehe darum, die “Abhängigkeiten von internationalen Plattformen zu reduzieren”. Zugleich würden die Banken die Kontrolle über Funktionalität, Weiterentwicklung und Kundenschnittstelle in der eigenen Banking-App behalten. Die Resonanz der Kunden sei sehr gut.

Was wollen die Kunden der Zukunft von Genobanken?
Um besser zu verstehen, was sich junge Menschen von Genobanken wünschen, hat die Gruppe mit Neonblau einen eigenen Thinktank geschaffen. Er setzt sich zu 50 Prozent aus jungen Mitarbeitern der Genobanken und zu 50 Prozent aus externen, jungen Menschen zusammen. Es finden regelmäßige Treffen statt, auch um selbst Angebote und Lösungen zu erarbeiten.

Demografie beschäftigt Kolak auch mit Blick auf die Beschäftigten
“Bis 2032 werden rund 25 Prozent der Mitarbeiter bei den genossenschaftlichen Primärbanken in Rente gehen. Das sind rund 30.000 Menschen”, erklärte Kolak. Das stelle die Gruppe, wie andere Banken auch, vor Herausforderungen. “Wir werden die Lücke schließen durch steigende Neueinstellungen, aber auch mit Hilfe von Produktivitätsgewinnen durch KI.”

Relativ gelassen zeigte sich Kolak darüber, dass verstärkt ausländische Banken auf den deutschen Retailmarkt drängen, beispielsweise BBVA und J.P. Morgan Chase. “Wir beobachten die Markteintritte sehr genau, und haben auch schon in der Vergangenheit Wettbewerber kommen und gehen sehen”, so Kolak. Letztlich sei es eine Bestätigung dafür, wie attraktiv der deutsche Markt sei. (kb)

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