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GDV-Chefökonom kritisiert EU-Pläne zum ESG-Zwang beim Investieren

Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), kritisiert in einem Interview die Pläne für Zwangsanlagen der Versicherer in Öko-Investments.

Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
© GDV

Die EU-Kommission plant, für Fonds- und Versicherungsgesellschaften verbindliche Kriterien für nachhaltige Investments einzuführen. Sehr zum Missfallen von Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Ökonom erklärt in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel", dass er klar gegen eine regulatorische Pflicht sei, Geld in Ökoanlagen zu stecken.

Seinen Erläuterungen zufolge sollen Versicherer unter anderem für Investments in nachhaltige Anlagen, die auch unter dem Stichwort "ESG" laufen, weniger Eigenkapital vorhalten beziehungsweise für Anlagen in fossile Energien mehr zurückstellen müssen. "Das wäre schon ein deutlicher Eingriff in das Portfolio der Versicherer", so Wiener gegenüber der Zeitung. "Aber Klimaziele zu erreichen, indem man Kapitalströme umlenkt, ist nicht die beste Lösung für den Klimaschutz." Stattdessen sollte man seiner Meinung dort ansetzen, wo die Probleme entstehen, etwa beim CO2-Ausstoß. "Die Menschheit hat wahrscheinlich nur noch einen Versuch, den Klimawandel zu verhindern. Den sollten wir nicht mit zweitbesten Lösungen verplempern." 

ESG-Vorschläge nicht demokratisch legitimiert
Ferner stört sich der GDV-Ökonom in dem Gespräch daran, dass die EU-Kommission und ihre Experten die Nachhaltigkeitskriterien für Investments definieren, und nicht die Parlamente, die dazu demokratisch legitimiert seien.

Zudem räumt er mit einem Missverständnis auf und stellt klar, dass Nachhaltigkeit nicht auf ökologische Aspekte verengt werde dürfe. "Wir sprechen ja über ESG-Kriterien, das heißt, auch soziale und Genderkriterien könnten künftig eine stärkere Rolle für unsere Geldanlage spielen. Etwa indem wir nur Aktien von Unternehmen kaufen dürfen, die möglichst viele Frauen in ihren Vorständen haben oder die Mindestlohn zahlen oder die faire Wertschöpfungsketten haben." 

Geld in Tresore!
Das Interview drehte sich aber nicht nur um nachhaltige Investments. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank war natürlich auch ein Thema. Wiener wiederholt gegenüber der Zeitung die Kritik anderer Experten wenn er meint, dass die EZB Staatsfinanzierung auf Kosten der Sparer und der Versicherten betreibe.

Und nicht zuletzt sind ihm die Strafzinsen auf Einlagen bei den Banken ein großer Dorn im Auge. Ein Ausweg laut Wiener: Geld in eigenen Tresoren bunkern! "Einige Versicherer schauen sich das derzeit sehr genau an. Wir brauchen das Geld ja gar nicht so häufig. Wir müssen unseren Kunden zwar Schäden ersetzen, aber gemessen am Gesamtportfolio sind das überschaubare Summen. Und Auszahlungen an Lebensversicherungskunden sind sehr gut planbar. Wenn die Zinsen weiter sinken und man das Bargeld nicht verbietet, ist es für die Versicherer zunehmend attraktiv, Geld in den Tresor zu legen." (jb)

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