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Fondsgesellschaften scheren sich nicht um Taxonomiedaten

Beim Thema Nachhaltigkeitsdaten müsste es eigentlich zu enormen Fortschritten kommen, wenn nicht in diesem, so doch im nächsten Jahr. Denn große Unternehmen müssen künftig offenlegen, welche Anteile ihres Geschäfts taxonomiefähig sind. Bisher interessiert das die Investmentbranche nicht wirklich.

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© beeboys / stock.adobe.com

Europäische Finanzinstitute sowie große kapitalmarktorientierte Unternehmen sind seit diesem Jahr verpflichtet, eine sogenannte nichtfinanzielle Erklärung abzugeben. Darin müssen sie anhand konkreter Kennzahlen ausweisen, inwiefern ihr Agieren "taxonomiefähig" ist. Ab 2024 müssen sie sogar über taxonomiekonforme Umsatzerlöse, Betriebs- und Investitionsausgaben berichten. Darauf weisen die Redakteure des Berliner "Tagesspiegels" hin. Und mutmaßen, dass damit in der Theorie jene Lücke geschlossen werden müsste, die noch immer darin besteht, dass einerseits Finanzakteure von Unternehmen Kennzahlen und Daten verlangen, um mit Gewissheit nachhaltig investieren zu können, andererseits aber Unternehmen sich nach wie vor schwer damit tun, diese Daten bereit zu stellen.

Die Recherchen des Tagesspiegels zeigen allerdings, dass sich bisher kaum ein Finanzunternehmen für die künftig veröffentlichten taxonomiefähigen Zahlen interessiert, geschweige denn diese nutzt. "Die Frage kommt vielleicht etwas zu früh", wird beispielsweise Rosl Veltmeijer, Portfoliomanagerin bei Triodos Investment Management, zitiert. Man setze bei der Auswahl der Unternehmen, in die man investiere, bisher auf einen ganz eigenen Ansatz, die neuen taxonomiefähigen Zahlen würden spielten nur eine sehr geringe Rolle spielen. Zumal die Zahlen zur Taxonomiefähigkeit bisher nur für die ersten beiden der Ziele der EU-Taxonomie, also für Maßnahmen zur Verhinderung des Klimawandels und für Aktivitäten zur Anpassung an den Klimawandel, erhoben würden.

Kennzahlen sind noch nicht im Investmentprozess angekommen
Auch Karsten Löffler, unter anderem Co-Chef beim Frankfurt School-UNEP Collaborating Centre for Climate & Sustainable Energy Finance, glaubt demnach noch nicht an die große Wirkung der nun veröffentlichten Zahlen zur Taxonomiefähigkeit. "Die neuen Daten geben her, was potenziell taxonomiefähig ist, das sagt aber noch nichts über die Qualität einzelner Unternehmensinvestitionen aus", wird er zitiert. Er gehe zudem nicht davon aus, dass Investoren von den nun berichteten Zahlen überrascht sein werden. Denn die Geschäftsmodelle der Unternehmen seien bekannt, auch hätten Ratingagenturen schon vorher Daten geliefert. "Die Taxonomie wird erst langfristig institutionellen Investoren bei ihrem Anlageprozess helfen können", ist sich Löffler sicher.

Auch eine Gesellschaft wie Union Investment setzt laut Tagesspiegel bisher kaum auf die veröffentlichten Kennzahlen zur Taxonomiefähigkeit. Obwohl die Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Banken und Versicherungen Deutschlands eigentlich genau solche Daten benötigt. "Was wir brauchen, sind Nachhaltigkeitszahlen, die zum einen den Status Quo darstellen und erkennen lassen, wie sich ein Unternehmen wandeln wird", erklärt dazu Florian Sommer, Leiter ESG-Strategie bei dem Asset Manager. Dazu gehöre der Anteil der grünen Umsätze und der Anteil der grünen Investitionen innerhalb eines Unternehmens.

Noch beruhen die Taxonomie-Daten größtenteils auf Schätzungen
Aber woran scheitert es dann eigentlich bisher? "Noch beruhen die Taxonomie-Daten größtenteils auf Schätzungen", so Sommer. Das erkenne man auch daran, dass unterschiedliche Ratingagenturen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Und die nun veröffentlichungspflichtigen taxonomiefähigen Kennzahlen hätten es eben in der Breite noch nicht in die Bewertungen der Datenanbieter geschafft.

Einem Investor wie Union Investment, der global anlegt und sowohl soziale wie auch Umweltziele berücksichtigt, helfe die EU-Taxonomie ohnehin nur bedingt weiter, da sie nur für europäische Unternehmen gilt. "Global orientieren wir uns vor allem an den UN-Zielen für Nachhaltige Entwicklung, welche eine hohe Anerkennung im Markt besitzen", erklärt Sommer und stellt ernüchtert fest, dass die Zahlen zur Taxonomiefähigkeit derzeit ohnehin noch wenig Aussagekraft haben und aktuell maximal zu einer groben Orientierung dienen können. Eine wirkliche Aussagekraft würden sie erst bekommen, wenn sich die Daten auch miteinander vergleichen lassen. (hh)

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