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Unzureichende ESG-Dokumentation: Fonds verlieren Steuervorteile

Viele Wirtschaftsprüfer von Fonds weigern sich, deren Nachhaltigkeit zu bestätigen, da ihnen die Dokumentation von ESG-Daten nicht ausreichend genug ist. Das kostet die betroffenen Fonds einen möglichen Steuervorteil. Die Schuld liegt oft an den Portfoliounternehmen, die noch nicht so weit sind.

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© Lothar Drechsel / stock.adobe.com

In der weltgrößten Hochburg für ESG-Vermögensverwalter ist es vielen dieser Firmen nicht möglich gewesen, von einer Steuererleichterung zu profitieren, die eigentlich ihre Bemühungen um nachhaltigere Investitionen belohnen soll, berichtet Bloomberg.

Zur Erinnerung: Luxemburg bietet Steuererleichterungen für Publikumsfonds an, die davon abhängen, wie viel des jeweiligen Portfolios der europäischen grünen Taxonomie entspricht. Laut Analysten von Goldman Sachs Group ist dies das erste Beispiel für einen direkten finanziellen Anreiz für Investoren, das EU-Regelwerk für nachhaltiges Investieren zu befolgen, Richtig umgesetzt könnte es mehr Geld in ESG-Fonds lenken.

Strenge Wirtschaftsprüfer
Das Problem ist, dass es noch nicht genügend verlässliche Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten von Portfoliounternehmen gibt. Als Folge ist es schwierig für Fondsmanager, ihre ESG-Arbeit entsprechend den Anforderungen zu dokumentieren. Investmentfirmen können bisweilen nicht nachweisen, dass sie die Art von nachhaltigen Allokationen vornehmen, die eine Steuervergünstigung auslösen würden, sagt Dario Zambotti, Direktor bei Deloitte, der auf Dienstleistungen im Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert ist.

“Es ist für Vermögensverwalter sehr schwierig, eine solide Analyse ihres Portfolios durchzuführen und Ergebnisse zu erzielen, auf deren Grundlage ein Wirtschaftsprüfer eine angemessene Zusicherung geben könnte”, so Zambotti. Auf dem Spiel stehen bis zu 260 Millionen Euro an jährlichen Vergünstigungen für in Luxemburg registrierte nachhaltige Fonds, sagt er.

“Gegenwärtig ist das Verfahren mit hohem Informations- und Arbeitsaufwand verbunden, birgt hohe Reputationsrisiken und führt möglicherweise zu lediglich begrenzten wirtschaftlichen Einsparungen”, erklärt Zambotti.

0,01 oder 0,05 Prozent Zeichnungssteuer
Luxemburger Publikumsfonds unterliegen im Allgemeinen einer jährlichen Zeichnungssteuer von 0,05 Prozent auf ihren Nettoinventarwert. Fonds, die nachweisen können, dass ihre Portfolios mit der grünen Taxonomie der EU übereinstimmen, können diesen Satz auf bis zu 0,01% senken. Die Regelung kann somit nachhaltigere Investitionen incentivieren und darüber hinaus die Attraktivität Luxemburgs als Standort für grüne Geldgeber erhöhen.

Mehr Nachhaltigkeit, weniger Fondssteuern

EU-Bürokraten haben in der von der Politik aufgedrängten Eile "gepfuscht"
Das europäische Regelwerk für ESG-Investitionen - die Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte - trat im März 2021 in Kraft. Doch der Wunsch der EU, den ersten weltweiten Maßstab zu setzen, führte zu einem Rahmenwerk, von dem die Behörden jetzt zugeben, dass es überhastet kam und daher inkonsistent und unvollständig ist.

Börsennotierte Unternehmen sind noch nicht verpflichtet, an der Taxonomie ausgerichtete Daten offenzulegen, obwohl Fonds diese Informationen für ihre ESG-Offenlegungen benötigen. Die Association of the Luxembourg Fund Industry hat davor gewarnt, dass Investmentmanager die Auflegung neuer ESG-Fonds zunehmend auf Eis legen könnten, solange sie noch versuchen, sich einen Überblick über die verschiedenen regulatorischen Risiken zu verschaffen.

Da die Unternehmen die notwendigen Daten noch nicht vorlegen, müssen Fonds, die die Steuervergünstigung einstreichen wollen, zusätzliche Prüfverfahren durchführen, um Vollständigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Berechnungen zu gewährleisten. 

“Die fehlenden Informationen erlauben es den Vermögensverwaltern nicht, von dieser Möglichkeit wirklich zu profitieren”, so Zambotti.

Außerdem gab es viel Unklarheit, wie umstrittene Vermögenswerte wie Erdgas und Kernenergie im Rahmen der Taxonomie behandelt werden würden - das EU-Parlament stimmte mittlerweile dafür, beide als grün zu kennzeichnen. 

Niedrigere Steuern für ESG-Fonds werden als positiv erachtet
Trotz dieser Hürden wird eine Steuervergünstigung, wie sie Luxemburg anbietet, als der richtige Weg angesehen. Deloitte geht davon aus, dass im Laufe der Zeit mehr Fondsmanager die Vergünstigung in Anspruch nehmen werden. Andere glauben, das luxemburgische Modell werde anderenorts übernommen.

“Es würde mich nicht überraschen, wenn andere Länder ähnliche Maßnahmen in Erwägung ziehen”, so Arthur Krebbers, Leiter des Bereichs Corporate Climate and ESG Capital Markets bei NatWest Markets. “Es ist klar, dass verschiedene nationale Gremien versuchen werden, Anreize für eine starke Anpassung an die EU-Taxonomie zu schaffen.” (aa)

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