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EZB Geldpolitik: Keine Revolution, aber wichtige Anpassungen

­Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt ihr bisheriges Konzept nicht auf den Kopf. Die Euro-Währungshüter streben neu eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Bislang lautet die Devise «unter, aber nahe bei zwei Prozent». Im Detail ist dann aber doch eine entscheidende Neuerung auszumachen.

Dr. Thomas Gitzel
Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist der VP Bank
© VP BANK Gruppe

Es handelt sich nun um ein symmetrisches Preisziel, das es der EZB erlaubt, auch ein zeitweiliges moderates Überschießen der Inflationsrate über die Zielmarke hinaus zu tolerieren. Phasen, bei denen die Inflationsrate unter zwei Prozent liegt, können mit Phasen von Teuerungsraten über zwei Prozent gewissermaßen «verrechnet» werden. Aus diesem Blickwinkel strebt die EZB also eine durchschnittliche Inflationsrate von zwei Prozent an. Ähnliches hat bereits die US-Notenbank Fed beschlossen.

Kalkulatorische Eigenmiete von Eigenheimbesitzern bei Inflationsmessung 
Darüber hinaus soll in die Inflationsmessung künftig eine kalkulatorische Eigenmiete von Eigenheimbesitzern einfliessen. Da dies vor allem eine Aufgabe für die nationalen Statistikämter ist, wird dieser Teil erst mittelfristig umgesetzt. Das Vorhaben ist grundsätzlich zu begrüssen, kommen dadurch Preisentwicklungen am Immobilienmarkt zukünftig stärker zum Tragen.

Klimawandel künftig in der Geldpolitik stärkere berücksichtigt
Mit zu den größten Neuerungen gehört, dass der Klimawandel stärkere Berücksichtigung in der Geldpolitik bekommt. Dazu erstellt die EZB ein analytisches Gerüst, anhand dessen bewertet wird, inwieweit der Klimawandel volkswirtschaftliche Kenngrößen und damit auch die Geldpolitik beeinflusst. Dann geht es in weiterer Folge auch darum, inwieweit dies Auswirkungen auf die Anleihekäufe und die Pfandgeschäfte der EZB hat.

Kompromiss zwischen Bundesbank und Club Med
"Die EZB passt also die geldpolitische Strategie an, aber nicht tiefgreifendend. Es handelt sich letztlich um einen Kompromiss", sagt Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist der VP Bank. 
Während die deutsche Vertretung mit Jens Weidmann die ultra-expansive Geldpolitik kritisch sieht, sind die Vertreter der südeuropäischen Länder den Wertpapierkäufen wesentlich offener gegenüber. Ein gemeinsames Verständnis zur Geldpolitik zu finden, ist deshalb innerhalb des geldpolitischen Rates kein leichtes Unterfangen.

Übergeordneter Teuerungstrend bleibt schwach
Inflationsraten von über zwei Prozent zu tolerieren, ist im Moment auch theoretischer Natur. Dr. Gitzel dazu: "Zwar wird sie in den kommenden Monaten bei über zwei Prozent liegen. Doch dabei handelt es sich um Basiseffekte. Der übergeordnete Teuerungstrend bleibt schwach. Im kommenden Jahr wird die EZB nicht mit zu hohen, sondern mit zu niedrigen Teuerungsraten zu kämpfen haben. Es fehlt dem gemeinsamen Währungsraum an wirtschaftlicher Dynamik. Damit bleibt der Preisauftrieb gedämpft. Gerade deshalb wird eine Zinserhöhung – ganz unabhängig vom Inflationsziel – wohl noch lange Zeit auf sich warten lassen." (kb)

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