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EZB-Anleihekäufe geraten immer stärker ins Visier von Aktivisten

Ein Rockefeller-Intimus nimmt die Klimarisiken der EZB-Käufe ins Visier und fordert, dass Anleihen von Unternehmen, die beispielsweise in der Energiebranche tätig sind, nicht im Rahmen von Quantitative Easing erworben werden dürfen.

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© Tobias Arhelger / stock.adobe.com

Der frühere Barclays-Quant Ulf Erlandsson, dessen Anthropocene Fixed Income Institute von Mitgliedern der Rockefeller-Familie unterstützt wird, führt nun eine Kampagne, um die seiner Meinung nach zerstörerischen Auswirkungen der quantitativen Lockerung auf das Klima aufzudecken. Seit deren Einführung sind die Zentralbanken zu Kreditgebern letzter Instanz für “die schlimmsten Klimasünder da draußen” geworden, so Erlandsson. Darüber berichtet Bloomberg News.

Externe Einmischung in die Geldpolitik
Er ist nicht der Einzige, der die Zentralbanken kritisiert. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage von Global Public Investor hat ergeben, dass sie bei der Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten in ihrer Arbeit deutlich hinter der Rentenversicherungsbranche hinterherhinken.

Auch Klimaaktivisten nehmen die Zentralbanken zunehmend ins Visier: Extinction Rebellion veranstaltete mehrere Proteste vor der Bank von England, während Greenpeace-Aktivisten im vergangenen Jahr mit einem Gleitschirm auf dem Dach der Europäischen Zentralbank landeten.

Zudem gibt es Bloomberg zufolge immer mehr wissenschaftliche Arbeiten, die die Rolle der Zentralbanken bei der Umstellung auf eine umweltfreundlichere Wirtschaft hinterfragen. In einem Bericht der New Economics Foundation aus dem Jahr 2020 wird festgestellt, dass die EZB mit ihren Anleihekäufen “kohlenstoffintensive Unternehmen begünstigt”.

Gleiches Recht für Alle
Erlandsson zufolge werden die Bemühungen, Kapital von umweltschädlichen Unternehmen abzuziehen, letztlich untergraben, wenn die Zentralbanken weiterhin die Anleihen stützen, die diese Aktivitäten finanzieren.

Auf der EZB-Liste der Emittenten, deren auf Euro lautende Anleihen für ihre QE-Programme in Frage kommen, stehen Glencore Shell, Eni, BP TotalEnergies und Ryanair Holdings.

“Das Problem ist, dass sie die Käufer der letzten Instanz sind, so dass jeder andere Investor einfach aufspringen kann”, sagte Erlandsson im Bloomberg-Interview. “Im Grunde wird es fast risikofrei, einige dieser Papiere zu besitzen, weil man im selben Boot wie die EZB sitzt.”

Grüne Anleihen sollen bevorzugt werden
Ein Sprecher der EZB lehnte eine Stellungnahme ab, verwies aber auf öffentliche Äußerungen von Präsidentin Christine Lagarde, darunter ein Schreiben an Abgeordnete des Europäischen Parlaments vom Dezember, in dem sie sich zu Klimafragen äußerte. Darin wies Lagarde darauf hin, dass die Marktoperationen der EZB bereits den Ankauf grüner und nachhaltigkeitsbezogener Anleihen beinhalten. Sie sagte auch, dass das Programm der EZB zum Ankauf von Unternehmensanleihen angepasst werden wird, um sicherzustellen, dass die Emittenten die EU-Gesetzgebung umsetzen, mit der das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden soll.

Zwar könnte die Zeit knapp werden, um die Regeln zu ändern, bevor die Nettokäufe frühestens im Sommer dieses Jahres enden - die EZB hat letzte Woche signalisiert, dass sie die Käufe möglicherweise früher als ursprünglich geplant einstellen wird -, doch haben die Geldpolitiker in der Vergangenheit Flexibilität bei Reinvestitionen gezeigt. Das bedeutet, dass die EZB reichlich Gelegenheit haben wird, ihr QE-Programm grün zu gestalten, selbst wenn es ruht.

Umweltschutz über die Geldpolitik?
Die Bekämpfung des Klimawandels fällt nicht in den traditionellen Aufgabenbereich der Notenbanker, die sich in der Regel vorrangig um die Preisstabilität kümmern müssen.

Doch viele Geldpolitiker diskutieren jetzt aktiv darüber, ob die rasante Erderwärmung eine neue Denkweise in der Geldpolitik erforderlich macht. Im Juli erklärte die EZB, dass sie für die von ihr als Sicherheiten akzeptierten Vermögenswerte die Offenlegung von Klimadaten vorschreiben wird, wobei weitere Einzelheiten noch in diesem Jahr bekannt gegeben werden sollen. Sie sagte auch, dass sie “relevante Risiken des Klimawandels” in ihrem Sicherheitenrahmen berücksichtigen wird.

Die Abgeordneten im Europäischen Parlament beginnen jedoch, von der EZB eine ehrgeizigere Klimastrategie zu fordern. In ihrem Jahresbericht über die Zentralbank, über den nächste Woche debattiert wird, äußern die Parlamentarier Bedenken über das Ausmaß, in dem die Refinanzierungs- und Ankaufprogramme der EZB indirekt kohlendioxidintensive Aktivitäten unterstützt haben.

Skandinavier progressiv
Einige Zentralbanken wie die schwedische Riksbank und die dänische Nationalbank haben begonnen, ehrgeizigere Klimaziele in Bezug auf die Vermögenswerte zu formulieren, aus denen sich ihre Währungsreserven zusammensetzen.

Doch solche Absichtserklärungen sind selten mit konkreten Zielen verbunden. Letzten Monat schrieb Daniela Gabor, Professorin für Wirtschaft und Makroökonomie an der UWE Bristol, dass sie zunehmend davon überzeugt sei, “dass ein Umweltmandat ohne ein hartes numerisches Jahresziel einfach nicht funktionieren wird.”

Niedrigere Ölproduktion: Höhere Ölpreise, höhere Inflation
Laut Erlandsson ist wesentlich schnellerer Fortschritt möglich, denn die Lösung liege ja auf der Hand: “Wenn die EZB morgen verkünden würde, dass sie ihr Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen fortsetzt, mit Ausnahme der Ölgesellschaften, würden diese Anleihen in den Keller gehen”, sagte er. “Das würde sich auf die Kapitalkosten für diese Unternehmen auswirken. Und das würde sie davon abhalten, umfangreiche Ölexplorationsprojekte durchzuführen.” (aa)

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