Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Haben Sie jemals ein Einhorn gesehen?

Ad

Mutige Positionen in heute richtungsweisenden Technologieunternehmen sowie fünf Jahrzehnte Immobilieninvestments zeugen von unserer umfassenden Erfahrung im Bereich Private Assets. Wir kennen uns in Bereichen aus, die vielen nicht vertraut sind. Sprechen Sie uns an.

Anzeige
| Regulierung
twitterlinkedInXING

EZB: Abschied von Nettoankäufen, sieht Risiken für Normalisierungspfad

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie erwartet auf ihrer letzten Sitzung des Jahres 2018 das Ende der Nettoankäufe im Rahmen des EAPP beschlossen. Der Ausstieg aus dem Programm der Quantitativen Lockerung (QE) war absehbar und von den Währungshütern gut vorbereitet worden.

lips_christian_nordlb_neu.jpg
Christian Lips, Chefvolkswirt der NordLB
© NordLB

Nennenswerte  Zweifel an dem Ausstieg zum Jahreswechsel waren an den Märkten nicht aufgekommen, auch wenn sich der EZB-Rat formal ein Hintertürchen bis zuletzt offen gehalten hatte. Die Leitzinsen blieben hingegen erwartungsgemäß unverändert und verharren auf ihren historischen Tiefstständen.

Forward Guidance zu den Reinvestments bekräftigt
"Mit der heutigen Entscheidung beendet die EZB zumindest vorerst das größte geldpolitische Experiment ihrer Geschichte", sagt Lips. Das Eurosystem werde aber das Volumen von rund 2,6 Billionen Euro solange wie notwendig konstant halten. Die entsprechende Forward Guidance zu den Reinvestments wurde bekräftigt und erweitert. So beabsichtige der Rat, fällige Anleihen aus dem EAPP-Bestand für einen ausgedehnten Zeitraum ab dem Zeitpunkt des ersten Zinsschrittes vollständig zu reinvestieren.  

Erste Zinsanhebung ist erst Ende 2019 zu erwarten
Für die Entwicklung der Leitzinsen wurde die bisherige Forward Guidance bestätigt. Da somit die erste Zinsanhebung – vermutlich zunächst nur des Einlagesatzes – frühestens Ende 2019 zu erwarten ist, wird die EZB aus Sicht des Chefvolkswirts der NordLB mindestens bis ins Jahr 2021 hinein Fälligkeiten aus dem EAPP vollständig reinvestieren. Damit bleibt die EZB ein wichtiger Nachfrager an den Bondmärkten und der Aufwärtsdruck für die Kapitalmarktzinsen von dieser Seite begrenzt.

Graduelle Anpassung an den neuen EZB-Kapitalschlüssel 
Zur zukünftigen Reinvestmentpolitik veröffentlichte die EZB nach der Pressekonferenz weitere Details. EZB-Präsident Mario Draghi verwies auf zwei interessante Grundprinzipien mit Blick auf das PSPP-Programm: Zum einen werden hier Fälligkeiten in der gleichen Jurisdiktion wiederangelegt, zum anderen erfolgt eine graduelle Anpassung an den neuen EZB-Kapitalschlüssel. Lips dazu: "Dies würde bedeuten, dass insbesondere italienische Staatsanleihen untergewichtet werden müssten. Der Bestand italienischer Staatsanleihen weicht ab 2019 knapp 1,5 Prozentpunkte vom rechnerischen Anteil gemäß Kapitalschlüssel ab, was einem Volumen von 28 Milliarden Euro entspricht. Auch wenn die Anpassung langsam erfolgen wird, sind dies für die populistische Regierung Italiens sicher keine guten Nachrichten". Es gehöre aber nun einmal nicht zu den Aufgaben der EZB, nicht nachhaltige Fiskalpolitiken in einzelnen Mitgliedsstaaten auszubügeln.

Verhalten optimistischer Wirtschaftsausblick
Der langfristige Normalisierungspfad der EZB basiert auf einem nach wie vor verhalten optimistischen Ausblick für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die Projektionen für 2019 hat die EZB dennoch leicht nach unten angepasst. Zudem betonte Draghi die Abwärtsrisiken. Aufgrund der hohen globalen Risiken hat sich das Sentiment zuletzt eingetrübt. "Insbesondere der Brexit und die Handelspolitik Donald Trumps belasten zusehends das Wirtschaftsvertrauen", analysiert Lips. "Sofern die Risiken nicht schlagend werden, mag Ende 2019 der Weg für den nächsten Schritt, nämlich die Normalisierung des  Einlagesatzes, frei werden. Ein Ende der Negativzinsen wäre sehr zu begrüßen, allerdings wird dies sehr stark von den weiteren wirtschaftlichen Daten abhängen."

Fazit
Die EZB habe wie erwartet beschlossen, so Lips, die EAPP-Nettoankäufe zum Jahreswechsel zu beenden. Zugleich deutete sie in ihrer Forward Guidance an, dass Fälligkeiten aus dem Programm für eine lange Zeit noch reinvestiert würden, aus Sicht der NordLB zumindest bis zum Jahr 2021. Trotz leichter Korrekturen bei den Projektionen bleibe die EZB optimistisch, auch wenn Mario Draghi die Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick betonte. Lips und seine Kollegen sehen ebenfalls keinen Anlass für Alarmismus. Dennoch gelte, dass Brexit, Trump und Italien ein massives Abwärtspotenzial besitzen, sofern die Risiken schlagend  werden sollten. (kb)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen