Logo von Institutional Money
| Regulierung

Extremwetterereignisse: Eiopa und Euspa nutzen Copernicus-Daten

EIOPA und EUSPA haben ein gemeinsames Weißbuch veröffentlicht, das untersucht, wie Erdbeobachtungsdaten (EO-Daten) zur Verbesserung der Überwachung von Naturkatastrophen und zur Bewertung der Auswirkungen von Extremwetterereignissen auf den europäischen Versicherungssektor genutzt werden können.

Petra Hielkema, Vorsitzende der EIOPA
Petra Hielkema, Vorsitzende der EIOPA© Eiopa

Eckpunkte:

  • Geotechnologie kann helfen, den Finanzsektor zu stärken
  • Behördenkooperationschafft Mehrwert für Assekuranz
  • Schadensabschätzungen werden schneller möglich

Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) und die EU-Agentur für das Raumfahrtprogramm (EUSPA) haben kürzlich ein gemeinsames Weißbuch publiziert, das untersucht, wie man Erdbeobachtungsdaten (EO-Daten) zur Verbesserung der Überwachung von Naturkatastrophen und zur Bewertung der Auswirkungen von Extremwetterereignissen auf den europäischen Versicherungssektor nutzen kann. "Angesichts der zunehmenden klimabedingten Katastrophen und der damit verbundenen steigenden wirtschaftlichen Verluste in Europa ist ein effektiveres Risikomanagement und eine höhere Resilienz gegenüber Naturkatastrophen von größter Bedeutung – insbesondere durch den Einsatz innovativer Lösungen" - heißt es da.

Verbessertes Risikomanagement für Kommunen, Versicherer und Aufsichten
Vor diesem Hintergrund hebt das Weißbuch – Ergebnis eines gemeinsamen Pilotprojekts von EIOPA und EUSPA – die Vorteile der Nutzung frei zugänglicher Erdbeobachtungsdaten von Copernicus zur Verbesserung der Erfassung und des Managements von Naturkatastrophen hervor. Das Projekt zeigt, dass satellitengestützte Erdbeobachtungsdaten unabhängige, objektive und nahezu in Echtzeit verfügbare Geodaten liefern, die die Risikobewertung und das Risikomanagement für Versicherer, Kommunen und Aufsichtsbehörden deutlich verbessern können.

Schnellere Schadensschätzung nach Katastrophenereignissen wird möglich
Erdbeobachtungstechnologien – insbesondere die offenen und nachvollziehbaren Daten von Copernicus – ermöglichen eine präzisere Risikoidentifizierung, eine fundiertere Szenarioentwicklung und eine schnellere Schadensschätzung nach Katastrophenereignissen. Finanzaufsichtsbehörden können diese Technologie nutzen, um:
- betroffene Gebiete und gefährdete Versicherungsunternehmen schnell zu identifizieren: Satellitenbilder ermöglichen die Kartierung von Katastrophengebieten (z. B. Ausmaß und Verlauf von Überschwemmungen) in Echtzeit. Diese detaillierten Geodaten können mit den Meldepflichten gemäß Solvency II abgeglichen werden, um die potentiellen Auswirkungen von Naturkatastrophen auf einzelne Versicherer abzuschätzen (mikroprudenzielle Perspektive);
- das Ausmaß der Gesamtschäden frühzeitig abzuschätzen, indem die Analyse auf Mikroebene auf den gesamten Sektor ausgeweitet wird (makroökonomische Perspektive) und
- Benchmarking, Modellvalidierung sowie Szenario- und Stresstestdesign verbessern, indem objektive, datengestützte Referenzpunkte bereitgestellt werden, mit denen Modellergebnisse und gemeldete oder berechnete Verluste verglichen werden können.

Innovationen bei der Bewältigung der Klima-Herausforderungen
Die Zusammenarbeit zwischen EIOPA und EUSPA unterstreicht den Wert von Innovationen bei der Bewältigung der Herausforderungen klimabedingter Katastrophen: Effektiv genutzte Erdbeobachtungsdaten können zu einem widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Versicherungssektor beitragen – einem Sektor, der europäische Bürger und Unternehmen besser vor den schädlichen Auswirkungen des Klimawandels schützt.

Historsche Daten alleine sind zu wenig
Petra Hielkema, Vorsitzende der EIOPA, sagte: „Das Klimarisikomanagement darf sich nicht allein auf historische Daten und die daraus abgeleiteten Annahmen stützen – es benötigt solide, unabhängige Referenzpunkte. Durch die Kombination von Aufsichtsexpertise mit frei zugänglichen Copernicus-Daten haben wir gezeigt, dass Weltraumtechnologie ein praktisches Instrument für finanzielle Resilienz sein kann. Diese Zusammenarbeit beweist, dass Europa alle Voraussetzungen mitbringt, um bei der Entwicklung transparenter, frei zugänglicher Lösungen, die Versicherer stärken und widerstandsfähige Gesellschaften fördern, eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

Echter Mehrwert
Rodrigo da Costa, Geschäftsführer der EUSPA, erklärte: „Europas Weltrauminfrastruktur beschränkt sich nicht nur auf Satelliten im Orbit; sie schafft echten Mehrwert hier auf der Erde. Weltraumdaten unterstützen innovative Dienste, die die Resilienz stärken und die Entscheidungsfindung in verschiedenen Sektoren verbessern. Obwohl sich dieses Pilotprojekt auf Überschwemmungen konzentrierte, können Copernicus-Daten auch zur Überwachung von Waldbränden, Erdbeben, Erdrutschen, Stürmen, Dürren und Risiken im Zusammenhang mit Ökosystemen beitragen. Dies ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Geotechnologie den Finanzsektor stärken und der Wirtschaft und der Gesellschaft konkrete Vorteile bringen kann.“ (kb)

Diese Seite teilen

Weitere Inhalte aus der Redaktion