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Europäische Banken: Finale Basel III-Regeln sorgen für Aufregung

Seit kurzem liegt die Auswirkungsstudie der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA zum vor der Umsetzung stehenden finalen Basel-III-Regelwerk vor. Demnach könnte sich bei den untersuchten Banken eine Kapitallücke von rund 135 Milliarden Euro auftun.

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Die EBA-Auswirkungsstudie zu finalem Basel-III-Regelwerk liegt nun vor. Am 5. August hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA ihre Studie zur Auswirkung der Abschlussarbeiten am Basel-III-Regelwerk auf das Eigenkapital von Banken vorgelegt. Darin enthalten sind auch weitere Handlungsempfehlungen für die Rahmensetzer.
© EBA

Mit dem Basel-III Regelwerk hatte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht 2010 die von den G20-Staaten in der Folge der Finanzmarktkrise vereinbarten aufsichtsrechtlichen Vorgaben für Eigenkapital und Liquidität umgesetzt. Wenige Jahre später folgte eine auf internationaler Ebene kontrovers geführte Diskussion über einen Anpassungsbedarf. Im Dezember 2017 hatte der Baseler Ausschuss dann das finale Basel-III-Regelwerk veröffentlicht.

Spielraum bei bankeigenen Bewertungsmodellen wird eingeschränkt
Die Neuerungen sehen unter anderem Änderungen bei den Vorgaben für die Berechnung der regulatorischen Risikoaktiva (RWA) vor. Ziel ist es, die Freiheitsgrade bei der Anwendung bankinterner Modelle zu begrenzen und die Abweichungen zur Anwendung von Standard-Modellen zu reduzieren. Dadurch sollen eine bessere Vergleichbarkeit und eine Angleichung der Wettbewerbsbedingungen unter den Instituten erreicht werden.

Konfliktstoff im Vorfeld
Große Unstimmigkeiten hatte es im Vorfeld über die Behandlung von privaten Hypothekenkrediten gegeben. Hier einigte man sich darauf, dass die regulatorischen Risikoaktiva auf Basis interner Modelle zukünftig mindestens 72,5 Prozent des Wertes bei Anwendung des Standard-Ansatzes entsprechen sollen (sogenannter Output-Floor).

Längere Übergangsfristen bis zur vollen Gültigkeit
Die Umsetzung der Regelwerks-Änderungen in nationales Recht steht noch aus. Im Jahr 2022 sollen sie erstmals in den Ländern Anwendung finden. Bis zur Implementierung des Output-Floors ist eine Übergangsfrist bis 2027 vorgesehen. Im Mai 2018 hatte die Europäische Kommission eine Studie zu den quantitativen Auswirkungen bei der EBA angefordert. Die Behörde gab bereits im Juli 2019 Eckpunkte zu ihren Ergebnissen bekannt. Seit dieser Woche liegt nun ein umfassender Bericht der EBA zu den Auswirkungen vor.

Rührige EBA
Darüber hinaus hat die EBA Berichte zu ihren Handlungsempfehlungen für Kreditrisiken, operationelle Risiken und Wertpapierfinanzierungsgeschäfte veröffentlicht. Abschließende Berichte für Markt- und Derivaterisiken sowie makroökonomische Komponenten stehen noch aus; diese hat die EBA für spätestens Jahresende 2019 in Aussicht gestellt.

Kapitallücke von 135 Milliarden nur bei statischer Betrachtung
Gemäß der Auswirkungsstudie führen die erhöhten Risikoaktiva der untersuchten 189 Bankkonzerne aggregiert zu einem Rückgang der Gesamtkapitalquote von 17,9 auf 14,3 Prozent. Damit ergebe sich eine Kapitallücke von besagten 135 Milliarden. Schriebe man die Gewinne der Jahre 2014 bis 2018 fort, sänke die Lücke jedoch auf rund 59 Milliarden, rechnen die Helaba-Experten vor. Ferner basiert die Rechnung nach eigener Einschätzung der EBA auf recht konservativen Annahmen: Es handelt sich um eine statische Betrachtung basierend auf den Zahlenwerken der Institute im Juni 2018. Gegenmaßnahmen der Banken sind somit nicht berücksichtigt.

Große Häuser prozentuell stärker betroffen als mittlere und kleine

Kapitalmehrbedarf fällt höchst unterschiedlich für die Institutskategorien aus
Der Anstieg der gewichteten durchschnittlichen Mindestkapitalanforderung beliefe sich auf nahezu ein Viertel (siehe Tabelle oben). Der Mehrbedarf fällt allerdings für die verschiedenen Institutsgruppen recht unterschiedlich aus. Besonders betroffen sind vor allem große Institute, da bei ihnen die Anwendung interner Modelle weit verbreitet ist. Bei ihnen würde die Mindestanforderung um durchschnittlich 25 Prozent steigen, während kleine Banken sich auf einen Anstieg von 5,5 Prozent und mittlere Banken auf einen Anstieg von 11,3 Prozent  einstellen müssen.

Auch Hypothekenfinanzierer besonders stark betroffen
Besonders starke Auswirkungen ergeben sich ferner für Häuser, die umfangreich in der privaten Immobilienfinanzierung engagiert sind. So sind vom Kapitalbedarf von zusätzlich fast 25 Prozent rund 9,1 Prozent-Punkte auf die Einführung des Output-Floors zurückzuführen. Bei ihren Handlungsempfehlungen fällt das Urteil der EBA recht streng aus. Sie fordert eine strikte Umsetzung des finalen Basel-III-Rahmenwerkes.

Bestehende Erleichterungen auf EU-Ebene möchte die EBA zurücknehmen
Wegen der bereits bevorzugten Behandlung bei der Risikogewichtung von Krediten an KMUs  sowie Infrastrukturkredite lehnt die EBA beispielsweise gemäß dem Verständnis der Helaba zusätzliche EU-spezifische Unterstützungsfaktoren für diese Kredite ab.

Tatsächlicher Kapitalbedarf dürfte wohl niedriger ausfallen
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Regulierungsdruck bei Banken hoch bleibt. Gegenüber dem ursprünglichen Ziel der Regulatoren einer weitgehenden Neutralität der Regelwerks-Anpassungen überrascht der erhobene Anstieg der Risikoaktiva um nahezu ein Viertel. Die Helaba-Experten gehen davon aus, dass die Überraschungen auf Einzelinstituts-Ebene moderater ausfallen. Den Banken sind die zusätzlichen Kapitalanforderungen seit langem bekannt; schon vor dem Kompromiss im Dezember 2017 hatte es eine mehrjährige Diskussion mit teils noch strikteren Forderungen gegeben.

Institute stellen sich auf die strengeren Vorgaben ein
So sind beispielsweise die niederländischen Banken aufgrund ihrer umfangreichen Engagements in der privaten Hypothekenfinanzierung besonders betroffen. ABN AMRO und Rabobank schätzen den für sie resultierenden Anstieg der regulatorischen Risikoaktiva auf je bis zu 35 Prozent. Beide Häuser haben umfangreiche Gegenmaßnahmen eingeleitet und kommen damit sehr gut voran. Rabobank etwa hat bereits 2015 ein umfassendes Transformationsprogramm mit einer signifikanten Rückführung der Geschäftsvolumina angekündigt.

Mehr Schutz für Inhaber erstrangig unbesicherter Bankanleihen 
Ferner geht man bei der Helaba davon aus, dass die verschärften gesetzlichen Anforderungen (Säule 1) zumindest teilweise durch großzügigere Anforderungen der Regulatoren bei den darüber hinausgehenden Kapitalpuffern der Banken (Säule 2) berücksichtigt werden. Weitere Informationen über die entstehenden Lücken beim gesamten Bail-in-Kapital inklusiver Verbindlichkeiten TLAC/MREL (Total Loss Absorbing Capacity; Minimum Requirement for Eligible Liabilities) wären wünschenswert.

Fazit: Auswirkungsstudie lässt Spreads wohl ziemlich kalt
Mittelfristig steigt für Inhaber erstrangig unbesicherter Bankanleihen der Puffer gegen Ausfallrisiken weiter an. Auf Einzelinstitutsebene sollte dies bereits vielfach berücksichtigt sein. Die regulatorische Unsicherheit bleibt jedoch erhöht. Derzeit unterzieht die EZB-Aufsicht ohnehin die internen Risiko-Modelle der von ihr beaufsichtigten Banken einer auf mehrere Jahre ausgelegten Prüfung. Kurzfristig bleibt die EBA-Auswirkungsstudie daher aus Sicht der Helaba ohne größere Spread-Implikationen. (kb)

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