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Europa könnte kontroverse MiFID-II-Regel für Aufschwung lockern

In Europa könnten Beschränkungen für die Analyse aufstrebender Unternehmen im Rahmen eines Vorstoßes, die Wirtschaft nach der Coronavirus-Pandemie wieder zu beleben, gelockert werden. Das geht aus vertraulichen Regierungsdokumenten hervor, in die Bloomberg Einsicht hatte.

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Friedrich Mostböck, stellvertretender Vorsitzender der European Federation of Financial Analysts Societies und Leiter Group Research bei der österreichischen Erste Group
© Erste Group Bank AG

Die Behörden der Europäischen Union beraten über eine Lockerung der sogenannten  “Unbundling”-Regeln, mit denen die Handelsgebühren von den Kosten für Research-Dienstleistungen entflochten wurden. Erwogen wird demnach eine Umkehr dieses kontroversen Aspekts in der Finanzmarktrichtlinie MiFID II für die Analyse kleinerer und mittlerer Unternehmen.

Änderungen bei Kostenentflechtung für Small und Mid Caps scheinen möglich
Seit der Einführung von MiFID II im Jahr 2018 wurde die Entflechtungsvorschrift dafür verantwortlich gemacht, dass Banken keinen Anreiz mehr haben, Research zu produzieren. Das gilt besonders für kleinere Unternehmen, die ohnehin Schwierigkeiten haben könnten, die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich zu ziehen.

Auch Emittenten und Börsen sollen vermehrt Researchkosten schultern
In den Bloomberg vorliegenden Unterlagen heißt es auch, dass die Emittenten selbst möglicherweise dazu ermutigt werden, mehr Analysen zu finanzieren, ebenso wie Börsen und andere Märkte, an denen Wertpapiere gehandelt werden. MiFID II hat die Investment-Research-Branche auf den Kopf gestellt. Die Zahl der Aktienanalysten schrumpfte, die Einnahmen gingen zurück. Banken und Broker sind nicht mehr in der Lage, Analysen von Unternehmen mit den Gebühren für die Ausführung von Handelsgeschäften zu verknüpfen. Und es ist besonders schwierig, Geld mit der Analyse kleinerer Unternehmen zu verdienen, die relativ selten gehandelt werden.

Entflechtung zielte darauf ab, Interessenkonflikte zu verringern
Die Behörden achten darauf, solche Konflikte bei Änderungen an dem Regelwerk zu vermeiden, heißt es in den Dokumenten. Die Europäische Kommission, die Exekutive der EU, lehnte eine Stellungnahme ab. “Aus meiner Sicht ist MiFID II nur kompliziert und kostspielig - es hat die Transparenz nicht erhöht, insbesondere wenn es um Research geht”, sagte Friedrich Mostböck, stellvertretender Vorsitzender der European Federation of Financial Analysts Societies und Leiter Group Research bei der österreichischen Erste Group, in einem Interview. “Man kann keinen innovativen und wachstumsstarken Markt aufbauen, wenn es keine Informationen zu diesen kleineren Aktien gibt.”

Finanzbranche wurden im Zuge der Corona-Krise Erleichterungen gewährt
Doch Abgeordnete und Lobbyisten für Banken und Vermögensverwalter streben auch längerfristige Änderungen an, die Investitionen ankurbeln sollen. Die Behörden haben bereits andere Änderungen an MiFID II erwogen, um die Compliance-Kosten zu mindern. (kb)

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